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«Wie kann man jemanden nur so entsorgen?»

Von Marc Engelhard. Aktualisiert am 24.04.2009 4 Kommentare

Der Fall der ausgesetzten, schwer kranken Frau löst bei den Patienten in Münsterlingen unterschiedliche Gefühle aus.

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In Münsterlingen sind die Medien am Donnerstag zum Fall der schwerkranken Frau informiert worden.
Bild: Stefan Schaufelberger

   

Münsterlingen – Es ist ein sonniger Tag in Münsterlingen. Vor dem Eingang des Kantonsspitals gehen die Patienten ein und aus und Angehörige besuchen ihre Lieben in der Gartenbeiz. Doch es dominiert noch ein anderer Eindruck: Vor dem Spital stehen Journalisten, sprechen mit Menschen in Anzügen oder Kitteln, fotografieren und stellen Videokameras auf.

Neugierig betrachten die Passanten das Geschehen. «Ich habe mich schon gestern gewundert, weshalb das Fernsehen hier war», sagt eine Frau, die zusammen mit ihrem Ehemann und dessen Mutter in der Gartenbeiz sitzt. Dann hat sie sich an die Schreckensmeldung erinnert, die sie im Internet gelesen hatte.

«Nicht versichert?»

Seit vorgestern wird in Münsterlingen eine völlig ausgehungerte und offenbar schwer kranke Frau behandelt. Unbekannte hatten sie vor dem Spital zurückgelassen – ohne jeden Hinweis auf ihre Identität. «Was sind das für Leute, die so mit einer Angehörigen umgehen», findet die Frau und spekuliert: «Vielleicht war sie ja nicht versichert».

«Es ist schrecklich, dass es in unserer Gesellschaft und in der Schweiz so weit kommen kann», meint ihr Ehemann dazu. Er ist schon seit drei Tagen hospitalisiert, weil er sich an der Schulter operieren lassen musste. «Im Spital habe ich nichts von der Frau erfahren», sagt er. Seine Gattin und später das Fernsehen hätten darüber berichtet.

Mit dem Personal geredet

Auch am Nachbarstisch ist der Vorfall ein Thema. Zwei Männer, beide mit einbandagierten Armen, unterhalten sich dort mit ihren Angehörigen. Die Geschichte beschäftige viele Leute im Spital, egal ob Patienten oder Angestellte, erzählt einer der beiden. So habe er am Vorabend von einer Krankenschwester über die Frau erfahren. «Der gehe es sehr schlecht, hat sie mir erzählt.»

Die Frau hat sein Mitleid. Während er nur eine Schlinge um den Arm trage und sich daher frei bewegen könne, sei sie ans Bett gefesselt – völlig isoliert und alleine. Auch die anderen der Gruppe sind sich einig: Was mit der Frau passiert ist, sei erschreckend. «Mir fehlen die Worte. Wie kann man jemanden nur so entsorgen», meint eine Frau, die mit am Tisch sitzt.

Wenigstens vor ein Spital

Gross ist die Entrüstung eines älteren Patienten, als er auf den Fall angesprochen wird: «Wenn man nicht mehr gebraucht wird, liefern die einen einfach an der nächsten Ecke ab», meint er. Allerdings fügt er noch an: «Wenigstens haben sie die Frau vor ein Spital gelegt.» (ThurgauerZeitung)

Erstellt: 24.04.2009, 12:28 Uhr

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4 Kommentare

Marijana Schlumpf

24.04.2009, 12:33 Uhr
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Glaube das es ein Glück ist das die Frau in der Schweiz vors Spital gelegt wurde. Antworten


Ronnie König

24.04.2009, 12:35 Uhr
Melden

Wäre ich in Armut und nicht in Westeuropa, würde ich mit meinem letzten Geld auch so handeln. Das beweist zwei grundlegende Dinge: 1. uns traut man und 2. wir haben eine sehr gute medizinische Versorgung! Zwischen Mazedonien und dem Spital hätte es noch andere Möglichkeiten gegeben. Oder hat sie doch Angehörige in der Nähe und die wollen einfach sparen? Wir werden sehen. Antworten



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