Panorama

«Wir mussten auf die extreme Gewalt reagieren»

Interview: Martin Sturzenegger. Aktualisiert am 13.09.2011 123 Kommentare

Die Veranstalter der illegalen Party in der Zürcher Innenstadt werfen der Polizei unverhältnismässige Gewalt vor. Im Interview nimmt die Zürcher Stadtpolizei Stellung.

1/26 Am Samstagabend kam es in der Zürcher Innenstadt zu Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und einigen hundert Jugendlichen.
Felix Schindler

   

«Urplötzlich schlug die Stimmung um»: Michael Wirz, Pressesprecher Stadtpolizei Zürich. (Bild: Keystone )

Krawalle ums Zürcher Bellevue. (Quelle:youtube.com/wwwlive1tv)

Auschreitungen nach illegaler Party

Nach einer illegalen Party mit über 1000 Teilnehmern ist es in der Nacht auf Sonntag am Zürcher Bellevue zu Ausschreitungen gekommen (Tagesanzeiger.ch/Newsnet berichtete). Acht Polizisten wurden verletzt, ein Jugendlicher wurde festgenommen. Die Party war offenbar ein «Racheakt».



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Herr Wirz*, wie lief der Vorfall aus Sicht der Stadtpolizei ab?
Wir wussten bereits im Vorfeld von dem Aufruf zur Party auf dem Bellevue. Deshalb waren wir mit einem entsprechenden Aufgebot vor Ort. Als innert kürzester Zeit mehrere Hundert Personen auftauchten, hat sich die Polizei in einer ersten Phase zurückgezogen, um ein Eskalieren zu verhindern. Als rund 20 Leute auf ein Glasdach stiegen, mussten wir jedoch reagieren, weil die Leute sich selbst gefährdeten. Es herrschte akute Einsturzgefahr und die Menschen befanden sich in unmittelbarer Nähe einer Fahrleitung.

Was geschah dann?
Wir sprachen mit den Leuten und wiesen sie an, vom Dach herunterzusteigen. Das klappte im ersten Moment recht gut. Urplötzlich schlug die Stimmung jedoch um. Aus der Masse traten die Randalierer, welche die Polizisten massiv mit Pflastersteinen und anderen Gegenständen attackierten. Die Polizei musste deshalb reagieren. Von den einzelnen gewalttätigen Chaoten liessen sich später offenbar andere anstecken.

Augenzeugen werfen der Polizei vor, unverhältnismässig hart reagiert zu haben. Die Ausschreitungen seien so provoziert worden.
Nein, die Polizisten sind lediglich konsequent-defensiv vorgegangen. Wir mussten auf die extreme Gewalt reagieren und daher Gummischrot und Reizstoff einsetzen.

Die Polizei hat sich also nichts vorzuwerfen?
Wir werden diesen Einsatz wie alle anderen Polizeieinsätze sicherlich noch im Detail analysieren und wenn es Optimierungsmöglichkeiten gibt, diese bei weiteren Einsätzen umsetzen.

Brennende Mülltonnen, eingeschlagene Fensterscheiben, Verletzte auf beiden Seiten... Die Situation ist eindeutig eskaliert. War die Polizei überfordert?
Nein, aber wir waren stark gefordert, insbesondere weil wir immer wieder die Feuerwehr unterstützen mussten, die ihrerseits ebenfalls massiv angegriffen wurde. Ein Löschen der Brandherde war oftmals nur mit Unterstützung der Polizeikräfte möglich.

Wird die Polizei ihre Strategie für ähnliche Vorkommnisse künftig ändern?
Grundsätzlich nein. Aber wie gesagt; die Analyse ist noch am Laufen. Wir haben immer wieder mit illegalen Parties zu tun, doch jeder Fall muss individuell betrachtet werden. Nicht immer ist ein Einschreiten angebracht. In diesem Fall war es unumgänglich, dass die Polizei reagierte, um die Personen auf dem Glasdach zu schützen und später ein weiteres Ausbreiten der Ausschreitungen zu unterbinden.

Die Organisatoren sprachen von einem Racheakt, weil die Polizei einst eine illegale Party vereitelte. Kennen Sie die Drahtzieher?
Nein, aber es laufen entsprechende Ermittlungen.

Wie werden Sie sich verhalten, wenn zur nächsten illegalen Party aufgerufen wird?
Wir müssen jeden Fall für sich betrachten und dann abwägen. Im Vorfeld kontaktiert die Polizei bisweilen wenn möglich die Organisatoren. Vielen ist gar nicht bewusst, dass es sich um illegale Aktionen handelt, an denen sie sich beteiligen. Die Mitläufer unterscheiden sich entsprechend von den Chaoten, die bereits gewaltbereit an einer Veranstaltung erscheinen.

Die Veranstalter sprachen von 2000 - 3000 Teilnehmern. Stimmt diese Zahl?
Nein, diese Zahl ist übertrieben. Es waren gemäss unseren Schätzungen etwas über 1000 Personen, die sich versammelten.

*Michael Wirz ist Pressesprecher Stadtpolizei Zürich.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.09.2011, 19:46 Uhr

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123 Kommentare

Adrian Reto Hauser

11.09.2011, 21:00 Uhr
Melden 264 Empfehlung

Die Polizei konnte nicht wissen dass sich feige Randalierer in der Menge versteckten und bestens vorbereitet aus dem Hinterhalt angriffen. Danke Polizei und Feuerwehr, sie haben unter schwersten Bedingungen und in Unterzahl super Arbeit geleistet. Es wurde viel gefilmt. Jeder der belastendes Videomaterial hat sollte es der Polizei übergeben. Antworten


Stefan Gut

11.09.2011, 20:50 Uhr
Melden 250 Empfehlung

Diese "Rache-Party" war eine nachlässig kaschierte, verspätete 1.Mai-Nachdemo. Das ahnungslose Partyvolk wurde per SMS zu einem angeblich coolen Event gelockt. Wieso packt dann aber der zufällig anwesende schwarze Block die Vollmontur aus den Rucksäcken? Gehören Skibrille & Co. zur Standardausrüstung an einem lauen Zürcher Sommerabend? Die Linksextremen versuchen, neue junge Fans zu rekrutieren. Antworten



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