Wo sind die Millionen der Susanne Klatten?

Von Romeo Regenass. Aktualisiert am 08.03.2009

Am Montag beginnt der Prozess gegen den mutmasslichen Sex- Erpresser Helg Sgarbi. Vom grössten Teil seiner Beute fehlt jede Spur.

Ernani Barretta.

Ernani Barretta.

7 Millionen Euro waren es allein bei der BMW-Erbin Susanne Klatten, über 2 Millionen bei den anderen drei Frauen. So viel Geld hat der mutmassliche Betrüger und Sex-Erpresser Helg Sgarbi allein seinen letzten Opfern abgenommen. In den Jahren davor hat er weitere Millionen kassiert – unter anderem von einer Luzerner Millionärin, die bereits Heiratspläne mit ihm schmiedete. Sie nahm aber davon Abstand, als eine Freundin sie davor warnte, dass hinter ihrem Zukünftigen eine Sekte stehe.

Selber lebte Sgarbi in einer Einzimmerwohnung in Uznach SG und fuhr einen alten Mercedes. Den Ertrag aus seinen Frauengeschichten dürfte er an Ernani Barretta abgeliefert haben, den mutmasslichen Drahtzieher. «Das ist ja ein ganzer Kubikmeter Geld!», soll dieser gemäss Abhörprotokollen aus Italien gejubelt haben, als er die 7 Millionen von Susanne Klatten in der Hand hielt.

Traumvilla in Ägypten

Barretta wurde am 2o. Februar aus der Untersuchungshaft entlassen und wartet zu Hause in Pescosansonesco auf seinen Prozess, der am 24. März beginnen soll. Er sei völlig unschuldig, liess er die italienischen Journalisten bei der Entlassung wissen. «Meine Schuld liegt einzig darin, Helg Sgarbi zum Freund zu haben. Aber ist das eine Schuld?» Barretta darf seinen Wohnort nicht verlassen, sein Pass wurde ihm entzogen.

Von den Geldern der reichen Frauen gibt es auch nach monatelangen Recherchen keine Spur. Abgesehen von den 1,7 Millionen Euro Bargeld, den Luxuskarossen und den diversen Liegenschaften, die bei Barrettas Verhaftung im vergangenen Juni beschlagnahmt worden waren, scheint bisher kein weiteres Geld aufgetaucht zu sein. Die italienische Polizei geht davon aus, dass der Rest der Beute aus dem Fall Klatten bei Barretta zu finden ist. Allerdings hat sie trotz grossem Aufwand noch nichts gefunden.

Eine vom TA kontaktierte Immobilienmaklerin in El Gouna bestätigt jedoch, dass Barretta in dem ägyptischen Ferienort im November 2007, also zwei Monate nachdem Susanne Klatten die 7 Millionen bezahlt hatte, eine Villa kaufen wollte. Barretta, der nur italienisch spricht, sei zusammen mit Sgarbi aufgetreten, der als Dolmetscher fungiert habe. Barretta habe eine Anzahlung von 80'000 Euro geleistet, insgesamt habe das Haus eine halbe Million gekostet.

Barretta soll aber Mühe gehabt haben, weitere Gelder nach Ägypten zu transferieren, deshalb sei der Verkauf gescheitert und die Anzahlung schliesslich verfallen. Tatsächlich hatte die italienische Polizei Barretta und seinen Sohn verhaftet, als die beiden vom Römer Flughafen Fiumicino mit 120'000 Euro im Handgepäck nach Ägypten fliegen wollten. Die Immobilienmaklerin weiss, dass Barretta auch bei anderen Maklern angeklopft hat. «Er hat zwar nichts gekauft, fiel aber auf, weil er viel Bargeld auf sich trug.»

Mit allen Wassern gewaschen

Kurz vor Beginn seines Prozesses hat Barretta auf dem juristischen Parkett für Verstärkung gesorgt. Zum bisherigen Verteidiger Sabatino Ciprietti gesellt sich neu der bekannte Römer Anwalt Carlo Taormina. Der 69-Jährige ist mit allen Wassern gewaschen: Unter anderem hat er die früheren Ministerpräsidenten Giulio Andreotti und Bettino Craxi im Schmiergeldskandal Tangentopoli vertreten. Von 2001 bis 2006 sass er für Silvio Berlusconis Partei Forza Italia im Parlament und hat Berlusconi auch bereits vor Gericht vertreten. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.03.2009, 23:12 Uhr

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