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Wollte der Kapitän zu viel bieten?

Von Ruedi Baumann. Aktualisiert am 16.01.2012 29 Kommentare

Beim Unglück der Costa Concordia ist eine Kombination von menschlichem und technischem Versagen wahrscheinlich.

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Man kann es ganz einfach sagen: Nicht mal der betrunkenste Kapitän setzt ein mit modernsten Navigations- und Alarmsystemen ausgerüstetes Schiff bei ruhigem Wetter auf einen Felsen. Und jeder Motorbootfahrschüler würde mit einem Handynavigationsgerät auch nachts den Weg durch die 13 Kilometer breite Passage zwischen der Halbinsel Argentario und der Insel Giglio finden. Die Tiefe beträgt dort gemäss Seekarte 86 bis 130 Meter, die Costa Concordia hat einen Tiefgang von 8,5 Metern. Sie ist mit mehreren Radar- und GPS-Systemen ausgerüstet. Der Ausfall des GPS reicht also nicht aus, um vom Kurs abzukommen. Nicht kartografierte Untiefen – wie vom Kapitän behauptet – sind in einer Gegend, die seit Jahrtausenden befahren wird, praktisch auszuschliessen.

Gemäss Europäischem Segelinformationssystem SOS ist das Schiff 800 Meter südlich des Hafens von Giglio mit 26 Kilometern pro Stunde auf einen Felsvorsprung aufgefahren. Untiefen reichen dort bis 300 Meter vor die Küste. Dann soll die Costa Concordia noch bis vor den Hafen gefahren sein und gedreht haben. Deshalb schaut der Bug nach Süden, obwohl die Costa nach Norden unterwegs war.

Treffen diese Informationen zu, gibt es zwei mögliche Unfallursachen oder eine Kombination davon. Der Kapitän wollte nahe an Giglio vorbeifahren, um seinen Gästen etwas zu bieten. Allerdings sassen die Gäste um 21.20 Uhr beim Essen. Möglich ist auch, dass wegen eines Stromausfalls, von dem Passagiere berichteten, die Steuerung ausgefallen war und das Schiff näher als beabsichtigt an die Felsen geriet. Vom Stromausfall könnten auch die Navigationssysteme lahmgelegt worden sein. Allerdings gibt es mehrere Notsysteme. Zudem könnte man mit jedem Handy die Nähe zur Küste auf 20 Meter genau ablesen. Nicht einleuchtend ist auch, weshalb die Costa Concordia trotz technischer Probleme noch mit grosser Geschwindigkeit unterwegs war. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 16.01.2012, 07:18 Uhr

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29 Kommentare

Renzo Giambonini

16.01.2012, 09:14 Uhr
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Ich habe noch nie eine Luxusliner-Reise gemacht, bin aber in den letzten 30 Jahren unzählige Male auf italienischen Fähren (Elba,Sardinien,Sizilien und Korsika) gefahren. Was ich da an Unkompetenz, Wichtigtuerei und Unvermögen dieser Crews miterlebt und auch beobachtet habe! Diese Italiener in ihren weissen und goldverzierten Uniformen benehmen sich teilweise wie selbstherrliche Götter auf See. Antworten


Rolf Iseli

16.01.2012, 08:30 Uhr
Melden 21 Empfehlung

Auch wenn die Technik versagt hätte, diese Passage durchfahren Sie ohne Brevet im Dunkeln. Einen halben Tag vor Ende der Reise und in der Dunkelheit interessiert kein Passagier wie eine spärlich beleuchtete Insel aus der Nähe aussieht. Die diensthabende Brückencrew gehört vor Gericht. Ich war schon mit diesem Kapitän unterwegs und bin froh, dass er mir Capri bei Nacht nicht zeigen wollte. Antworten



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