Wurde der Kampusch-Entführer ermordet?

Der Fall von Wolfgang Priklopil wird offenbar neu aufgerollt. Der Entführer von Natascha Kampusch könnte einem Mord zum Opfer gefallen sein, berichten Medien.

Neue Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft Wien geht dem Fall des toten Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil nach. (Archivbild)

Neue Ermittlungen: Die Staatsanwaltschaft Wien geht dem Fall des toten Kampusch-Entführers Wolfgang Priklopil nach. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Staatsanwaltschaft Wien hegt Zweifel daran, dass sich Wolfgang Priklopil selbst getötet hat. Der Entführer von Natascha Kampusch könnte bereits tot gewesen sein, bevor er von einem Zug überrollt wurde, berichtet «Spiegel online».

Die Ermittler gehen demnach einer Anzeige gegen unbekannt wegen Mordverdachts nach. Ein Sprecher der Oberstaatsanwaltschaft sagte dem News-Portal, man prüfe derzeit die «inhaltlichen Argumente». Das Aktenmaterial sei jedoch sehr umfangreich und die «damals Zuständigen mit der entsprechenden Sachkenntnis» würden inzwischen an anderen Stellen arbeiten.

Polizisten-Bruder erstattete Anzeige

Die Anzeige stammt laut «Spiegel online» von einem Mann namens Karl Kröll. Sein mittlerweile verstorbener Bruder sei jahrelang mit dem Fall der Entführung betraut gewesen. Oberst Franz Kröll habe die Arbeit der Behörden beobachtet und mit dem Bundeskriminalamt die Sonderkommission Kampusch geleitet. Der Polizist habe sich am 8. Januar geweigert, der Pressekonferenz beizuwohnen, bei der die Verfahrenseinstellung publik gemacht wurde. Der Grund: Er war nicht davon überzeugt, dass der Fall aufgeklärt sei, auch die Einzeltäter-Theorie hielt er nicht für bewiesen.

Im Juni 2010 wurde er tot an seinem Wohnsitz in Graz entdeckt – mit einem Kopfschuss aus seiner Dienstwaffe. Sein Bruder Karl setzt sich seitdem für die Aufklärung des Falls ein. Er glaubt, dass nicht genau genug untersucht wurde, ob Priklopils Verletzungen tatsächlich nur vom Zug stammen, der ihn überrollt hatte.

Leiche auf den Gleisen

Ein Lokführer hatte die Leiche Priklopils am Abend des 23. August 2006 auf den Gleisen zwischen den Stationen Praterstern und Traisengasse entdeckt. Sein Zug hatte Priklopil erfasst.

Priklopil hatte die damals zehnjährige Natascha Kampusch am 2. März 1998 entführt. In einem Verliess in seinem Haus bei Wien hatte der das Mädchen jahrelang gefangen gehalten. Erst am 23. August 2006 konnte Kampusch fliehen. (mlr)

(Erstellt: 25.02.2016, 16:15 Uhr)

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