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Zentrales Gutachten spricht für Kachelmann

Von Thomas Knellwolf. Aktualisiert am 24.09.2010 9 Kommentare

Mit einer neuen Expertise, bestellt vom Landgericht Mannheim, wachsen die Zweifel an der Ex-Geliebten, die den Wettermann schwer belastet.

Von allen Seiten begutachtet: Der angeklagte Jörg Kachelmann.

Von allen Seiten begutachtet: Der angeklagte Jörg Kachelmann.
Bild: Reuters

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Der Kachelmann-Prozess in Mannheim

Der Kachelmann-Prozess in Mannheim
Die Gerichtsverhandlung am Landgericht Mannheim lief seit September. Jörg Kachelmann wurde am 31. Mai 2011 vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen.

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Ein Gutachten, zwei Meinungen

Der Montag ist in Deutschland «Spiegel»-Tag. Ist «Focus»-Tag. Und neuerdings auch Kachelmann-Tag. Die beiden Wochenmagazine liefern sich seit Wochen schon einen medialen Vorprozess um den voralpinen Wettermann. In für eidgenössische Leser ungewohnter Eindeutigkeit ergreifen die beiden Blätter Partei: Der «Focus» nimmt meist die Sichtweise des mutmasslichen Opfers und der Anklage ein, während der «Spiegel» je länger, je mehr mitverteidigt. Dies geht so weit, dass die Redaktionen dieselben Expertisen zum Fall diametral anders interpretieren – einmal im Sinne der Staatsanwaltschaft, einmal im Sinne Kachelmanns.

Diese Woche sind sich die publizistischen Parteiengutachter wieder in die Haare geraten. Der «Spiegel» interpretiert die Kröber-Expertise (siehe Haupttext) als «streng wissenschaftliches, nüchtern-logisches, vom Zeitgeist unbeeindrucktes, bisweilen mit beissender Ironie gewürztes Gutachten». Für die Staatsanwaltschaft und ihren vermeintlichen «rettenden Strohhalm», den Therapeuten Günter Seidler, falle es «vernichtend» aus. Der «Focus» hingegen spricht von einer «versuchten Hinrichtung» am «renommierten Traumatologen» Seidler und bezweifelt, ob Gutachter Kröber «mit seinem ätzenden Fazit», «dem kollegialen Totalverriss» und der «lustvollen Niedermache» der Wahrheitsfindung im Prozess gegen den «Wind-und-Wolken-Plauderer Kachelmann» diene.

Nach der medialen Voranklage und der Vorverteidigung fehlt nur noch jemand, der das Vorurteil fällt. (tok)

Stichworte

Er ist der grosse Abwesende im Vergewaltigungsprozess gegen Jörg Kachelmann. Der Platz beim Namensschild «Hans-Ludwig Kröber» blieb vorgestern Mittwoch, am vierten Verhandlungstag gegen den TV-Meteorologen, erneut leer. Erst am 18. Oktober nimmt dort der Psychiatrieprofessor aus Berlin Platz, auf den der Saal 1 des Mannheimer Landgerichts gespannt wartet. Zwei Stühle links von ihm wird sich dann die Frau hinsetzen, die der Sachverständige Kröber beurteilen soll: Simone*, das mutmassliche Opfer.

Die Forensik-Koryphäe von der Berliner Charité und die Radiomoderatorin aus Schwetzingen sind sich bereits im Mannheimer Gerichtsgebäude begegnet. Mitte August hat er sie an einem Abend und am nächsten Morgen befragt. Sie erzählte von ihrer Wut, Verzweiflung, von Angst, Hass und Verachtung. Die Traurigkeit sei weg. Die Exploration und psychische Untersuchung dauerten dreieinhalb Stunden. Kröber hat danach ein Gutachten angefertigt, in welchem er nicht nur Simones Aussagen, sondern auch zwei bereits vorhandene Expertisen dazu beurteilte.

Ein Expertenstreit

Die Zeitschriften «Spiegel» und «Focus» interpretieren das Gutachten so gegensätzlich, wie es nur möglich ist (siehe Kasten). Auch dem TA liegt das 57-seitige Schriftstück vor. Es könnte von entscheidender Bedeutung sein in diesem Indizienprozess, in welchem es bereits über ein Dutzend widersprüchliche Expertisen gibt. Einen Teil der Gutachterschar hat die Staatsanwaltschaft bestellt, einen anderen die Verteidigung bezahlt.

Kröber aber ist direkt von der 5. Grossen Kammer des Mannheimer Landgerichts beauftragt worden, in einer Art Obergutachten eine zentrale Streitfrage zu erörtern. Es geht um nicht weniger als um die Glaubhaftigkeit der Kronzeugin der Anklage: um Simones Aussagen.

Erinnerungslücken

Bereits die Bremer Psychologin Luise Greuel war zum Schluss gekommen, die Schilderungen der Radiomoderatorin erfüllten «Mindestanforderungen» nicht. Logik, Details, Konstanz und Struktur fehlten. Zwar konnte Greuel daraus nicht eine Falschaussage ableiten, doch sie stellte – trotz glaubhafterer Stellen – «erhebliche Mängel» in den Aussagen fest.

Die sonderbaren Mängel erklären konnte der Therapeut der angeblichen Geschädigten. Der Traumatologe Günter Seidler von der Heidelberger Universität behauptete, die Erinnerungslücken seien auf eine Traumatisierung durch Kachelmanns Tat zurückzuführen. Er verwendet ein Erklärungsmuster, das Laien vielleicht einleuchtet, das aber unter Wissenschaftern höchst umstritten ist.

Seidenschal als Beweis

Professor Kröber hält die Traumatologen-Theorien gar für puren Unsinn und macht daraus in seinem Gutachten kein Geheimnis. Gemäss dem Sachverständigen aus der deutschen Hauptstadt lassen sich aus extremen oder sogar lebensbedrohlichen Situationen keine bestimmten, immer ähnlichen Folgen für Betroffene ableiten. Entsprechend kann Forensiker Kröber es nicht nachvollziehen, weshalb Therapeut Seidler in einem Seidenschal bei seiner Patientin und in wiederholten Griffen an den Hals fast schon einen Beweis sieht. Einen Beweis dafür, dass Kachelmann seiner Ex-Partnerin mit einem Messer an die Gurgel ging. Kröber schreibt, ebenso seien «bewusstes Hinlenken der Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Geschichte», also Schauspiel Simones, oder «eine unbewusste Schutzgeste» denkbar.

Der Berliner Professor hält es auch für alles andere als wahrscheinlich, dass ausgerechnet während einer Vergewaltigung sich die Wahrnehmung beim Opfer ausschaltet. Erfahrungen aus Strafprozessen zeigten genau das Gegenteil: Würden Zeugen zu Situationen befragt, bei denen es um Leben und Tod ging, imponiere immer wieder, wie «klar und deutlich» sie sich an diese erinnerten.

«Manipulative Potenz»

Es finde, schreibt Kröber, eine «Fokussierung aufs Kerngeschehen» statt: auf die Bedrohung, auf die Waffe, auf den Angreifer. Die maximale Alarmierung, die höchste Aufmerksamkeit, sei dem menschlichen Selbsterhaltungswillen geschuldet. Panik und Angst würden reduziert, schmerzhafte Details würden sich bei Opfern ins Gehirn einbrennen.

Mit spitzer Feder unterstellt Kröber dem Heidelberger Seidler eine unprofessionelle und gar innige Beziehung zu seiner 37-jährigen Patientin aus dem Nachbarstädtchen: Der Kollege falle auf eine Frau mit «manipulativer Potenz» rein.

Showdown am 18. Oktober

Für Gutachter Kröber ist bei Simone keine posttraumatische Störung ersichtlich. Daraus kann er zwar unmöglich ableiten, dass das Geschehen, wie Kachelmanns Ex-Partnerin es darstellt, sich so nicht ereignet hat. Doch wenn das Gericht Kröbers Ausführungen folgt, müsste es die Erklärungen des Therapeuten zu den Mängeln in der Aussage Simones als absurd zurückweisen. Damit wäre die Anklage wichtiger Argumente beraubt.

Am Nachmittag des 18. Oktober kommt es zum professoralen Showdown in Mannheim: Kröber als Gutachter und Seidler als Zeuge werden ihren Disput dann vor Gericht austragen. Daneben sitzen Simone und Jörg Kachelmann, um die es eigentlich geht.

* Name geändert

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.09.2010, 22:37 Uhr

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9 Kommentare

Charles Dupond

24.09.2010, 04:24 Uhr
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Kachelmann soll mit krasser Rechtsverzoegerung offensichtlich finanziell kaputt prozessiert werden. Diese Masche wird auch von Schweizer Scheidungsraubrichtern gestrickt, wenn ein Mann sein Einkommen fuer die zweite Frau mit Seugling brauchen wuerde, die fuer den erwerbsfaulen Saus und Braus der Abgeschiedenen mit fast erwachesenen Kindern in Sippenhaftung genommen 100 Prozent arbeiten gehen muss Antworten


Ronnie König

24.09.2010, 17:26 Uhr
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Bei so einem Prozess wird klar warum ein Singleleben Sinn macht. Ich denke da haben alle viel falsch gemacht. Und Kachelmann muss damit rechnen früher oder später in Probleme verwickelt zu werden. Er hätte mit Simone nicht so lange verkehren sollen. Dann wären es aber noch mehr Frauen gewesen. Oder er hätte in Frankreich oder Spanien leben sollen. Bekommt er eine Entschädigung?Muss er in Therapie? Antworten



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