Zugunglück in Bayern war ein «furchtbares Einzelversagen»

Die Ermittler haben gegen den Fahrdienstleiter ein Verfahren eröffnet. Es deute beim Unglück in Bad Aibling nichts auf technisches Versagen hin.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Nach dem schweren Zugunglück von Bad Aibling ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Fahrdienstleiter wegen fahrlässiger Tötung. Wenn sich der Mann pflichtgemäss verhalten hätte, wäre es nicht zum Zusammenstoss der Züge gekommen, sagte Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese in Bad Aibling. Es gehe um menschliches Versagen; für technisches Versagen gebe es keine Anhaltspunkte.

Das Zugunglück sei nicht vorsätzlich herbeigeführt worden, hob Giese hervor. Unmittelbar nach dem Unglück war bereits gegen den Mann ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung, Körperverletzung und wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet worden.

Aussagen sind «in sich plausibel»

Der Fahrdienstleister hatte sich nach seinen Angaben zunächst nicht geäussert, am Montag aber sein Schweigen gebrochen. Er wurde demnach mehrere Stunden vernommen. Wie die deutsche «Welt» Oberstaatsanwalt Jürgen Branz zitiert, seien seine Aussagen «in sich plausibel». Den genauen Stand der Vernehmung könne er aber nicht erläutern.

Sicher sei, dass kein Alkohol oder Drogen im Spiel gewesen seien, erklärten die Ermittler. Der Fahrdienstleiter wurde in Absprache mit seinen Verteidigern an einen sicheren Ort gebracht. «Ihm geht's nicht gut», sagte Oberstaatsanwalt Branz. «Was wir momentan haben, ist ein furchtbares Einzelversagen», fügte er hinzu. Es gehe um eine fahrlässige Tat, nicht um eine vorsätzliche und um einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren.

Die Polizei hat laut der «Welt» rund 1200 Telefongespräche von 17 Mitarbeitern entgegengenommen und 71 Fahrgäste als Zeugen vernommen. «Wir sind dabei, ein riesiges Puzzle zusammenzusetzen», sagte Branz weiter.

Strecke auf unbestimmte Zeit nicht befahrbar

Die beiden Nahverkehrszüge des zwischen Holzkirchen und Rosenheim verkehrenden privat betriebenen Meridians waren am 9. Februar in der Nähe des oberbayerischen Kurorts Bad Aibling frontal zusammengestossen.

Elf Menschen kamen ums Leben, mehr als 80 Insassen wurden teils schwer verletzt. Es handelt sich um eines der schwersten Zugunglücke Deutschlands. Die Wiederherstellung der stark beschädigten Bahnstrecke dauert noch immer an. Auf einer Länge bis zu 120 Metern müssen Schienen und Schwellen teils erneuert werden. Es ist noch unklar, wann die Strecke wieder freigegeben werden kann. (ofi/sda)

(Erstellt: 16.02.2016, 14:15 Uhr)

Artikel zum Thema

Notrufe kurz vor Zug-Katastrophe

Ermittler haben in den Zugtrümmern die dritte Blackbox gefunden. Inzwischen werden Details zum Unglück bekannt. Mehr...

Ermittler durchsuchen Büros der Fahrdienstleiter

Nach dem Zugunglück in Oberbayern verdichten sich die Hinweise, dass die Ursache menschliches Versagen war. Beamte durchsuchen Räume am Bahnhof Bad Aibling. Mehr...

Ermittler gehen von menschlichem Versagen aus

Ein Zugunglück in Oberbayern hat zehn Tote und rund 80 Verletzte gefordert. Menschliches Versagen soll zum Unfall geführt haben. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Werbung

Blogs

Mamablog Warum will der Mann nicht mehr kuscheln?

Politblog Zu ehrgeizig

Abo

Digital Abos

Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Im 1. Monat nur CHF 1.-

Die Welt in Bildern

Farbenfroh: Ein doppelter Regenbogen erstrahlt über Gryon im Kanton Waadt (27. Juli 2016).
(Bild: Anthony Anex) Mehr...