Charleston-Schütze zum Tode verurteilt

Über 70-mal schoss der 22-Jährige Weisse im Juni 2015 auf neun schwarze Gläubige in einer Kirche. Auf ihn wartet nun die Giftspritze.

(19. Juni 2015)

(19. Juni 2015) Bild: Stephen B. Morton/Keystone

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Ein US-Bundesgericht hat den Todesschützen von Charleston zum Tode verurteilt. Der Täter solle für die Ermordung von neun schwarzen Gläubigen in einer Kirche mit dem Leben bezahlen und per Todesspritze hingerichtet werden.

Das entschied eine Jury nach dreistündigen Beratungen in der Stadt im US-Staat South Carolina am Dienstag. Es ist das erste Mal, dass ein US-Bundesgericht einen Menschen wegen eines Hassverbrechens zum Tode verurteilt.

Schuldspruch in allen Anklagepunkten

Der 22-jährige Weisse, der sich selber als Rassist bezeichnet, hatte sich zu der Tat ausdrücklich bekannt. Er war in 33 Punkten angeklagt, unter anderem wegen Hassverbrechen mit Todesfolge und Behinderung von Religionsausübung. Er wurde bereits im Dezember in allen Punkten schuldig gesprochen.

Er hatte mehr als 70 Mal auf seine Opfer gefeuert. Staatsanwalt Jay Richardson hatte an die kaltblütige Vorgehensweise erinnert: «Er hat sich entschieden, neun gute und unschuldige Frauen und Männer hinzurichten (...), aus gefühllosem Hass auf ihre Hautfarbe.»

Zurechnungsfähig und geständig

Im Prozess hatten Überlebende die Tat in bewegenden Worten geschildert. Als Bilder der Tat gezeigt wurden, brachen Mitglieder der Jury in Tränen aus. Das Video einer Sicherheitskamera zeigt den Täter am Abend des 17. Juni 2015 beim Betreten und Verlassen der Emmanuel-Kirche. Er hatte ausgesagt, sich fast nicht getraut zu haben - dann aber habe er sich doch entschlossen. Er betrat die Kirche und schoss mit seiner Pistole auf die wehrlosen Gläubigen. Er gestand bereits bei seiner Festnahme einen Tag nach der Tat ohne Umschweife. Während des Verfahrens vorgebrachte Zweifel an seiner Zurechnungsfähigkeit wischte er selbst beiseite.

Laut der Staatsanwaltschaft nahm der Täter gezielt die Emanuel AME Church in Charleston - die älteste afroamerikanische Kirche in den Südstaaten - ins Visier. Dabei hätten ihm die zwölf Teilnehmer einer Bibelstunde dort mit einem Lächeln die Tür geöffnet, sagte Staatsanwalt Jay Richardson im Prozess. «Sie hiessen an jenem Abend eine 13. Person willkommen...mit einem netten Wort, einer Bibel, einem Traktat und einem Stuhl. Er war mit einem hasserfüllten Herzen und einer Glock-Pistole gekommen.»

Er hatte vor der Tat im Internet ein Pamphlet zu seinen rassistischen Motiven veröffentlicht. Mehrmals war er zu der Kirche gegangen, um den Ort auszukundschaften. Er hatte auch mehrfach Freunden gegenüber geäussert, dass er Afroamerikaner töten wolle.

Die Waffe kaufte er mit seinem Geburtstagsgeld

Im FBI-Verhör hatte der weisse 22-Jährige ausgesagt, er habe mit der Tat die Trennung zwischen Schwarzen und Weissen wiederherstellen oder Krieg zwischen den Ethnien schüren wollen. Von dem Geld, das er zu seinem 21. Geburtstag von seinen Eltern bekam, kaufte er sich die Schusswaffe, Kaliber 45.

Die Verteidigung hatte davon abgesehen, seine Unschuld beweisen zu wollen. Stattdessen versuchte sie, ihn als Einzelgänger zu zeichnen, der von rassistischer Hetze im Internet irregeleitet wurde.

Keine Reue im Schlussplädoyer

Der Anklagte vertrat sich vor Gericht selbst. Die Jury forderte er in seinem Schlussplädoyer nicht auf, ihn vor der Todesstrafe zu bewahren. Er sei sich nicht sicher, «was es bringen würde», um eine lebenslange Gefängnisstrafe zu bitten, sagte er. Er zeigte keine Reue für die Taten. Er habe das Gefühl gehabt, dass er die Morde habe begehen müssen, erklärte er. So denke er immer noch.

Aus vielen rassistischen Zwischenfällen der vergangenen Jahre in Amerika ragte seine entsetzliche Tat heraus. Sie löste über die USA hinaus Entsetzen aus. Sie bewegte US-Präsident Barack Obama dazu, bei einer Gedenkfeier für die Opfer das «Amazing Grace» zu singen, eine Hymne der Schwarzen-Bewegung. (sep/sda)

Erstellt: 10.01.2017, 22:58 Uhr

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