Polizei macht sich über Eidechse in BH lustig

In den USA haben Polizisten das Foto einer Frau auf Facebook gepostet, die einen Autounfall gebaut hat. Die Beamten amüsierten sich über die Umstände.

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In den USA kommt es immer häufiger vor, dass die Polizei Verdächtige auf Facebook an den Pranger stellt – und sich dazu auch noch lustig über sie macht.

So hat eine Autofahrerin im US-Bundesstaat Massachusetts die Polizei gerufen, nachem sie einen Unfall verursachte. Am Telefon sagte sie, dass sie eine grosse Eidechse in ihrem BH habe. Der Beamte, der sich der Sache annimmt, findet das offenbar amüsant: Die Fahrerin findet die Geschichte auf der Facebook-Seite des Taunton Police Department wieder – samt Fotos von ihr, dem verursachten Schaden und von ‹ihrer› Echse.

Vorwurf des Victim-blaming

Das Vorgehen des Ordnungshüters ist kein Einzelfall. Immer mehr Polizeiabteilungen benutzen Facebook, um die Gemeinde über das zu informieren, was sie tun – und wen sie festnehmen. Bürgerrechtsgruppen äussern Kritik. Die Veröffentlichung von Polizeifotos, meist wenig vorteilhafte Aufnahmen, die nach der Festnahme von mutmasslichen Straftätern gemacht werden, und herablassende Beschreibungen kämen dem Victim-blaming gleich, also einer Opferbeschuldigung.

Dabei seien die Betroffenen noch nicht verurteilt, und so lange es dabei bleibe, müssten sie als unschuldig gelten. «Es macht sie zur Zielscheibe von Spott, dabei haben sie wahrscheinlich ohnehin schon ihren schlechtesten Tag erlebt», sagt Arisha Hatch von der Bürgerrechtsgruppe Color of Change. Die Organisation hat kürzlich erreicht, dass die Polizei in Philadelphia auf ihrer Facebook-Seite keine «Verbrecherfotos» mehr postet.

Polizei macht sich unbeliebt

Der Fall der Autofahrerin ereignete sich in Taunton, einer Stadt mit 70'000 Einwohnern gut 60 Kilometer südlich von Boston. Der Facebook-Schilderung nach habe die Frau Briefkastenpfähle mit voller Wucht umgemäht und sei mit ihrem Auto durch einen Rasen gepflügt und schliesslich unter ein paar Bäumen zum Stillstand gekommen.

Viele Benutzer loben die Polizei. «Grossartige Arbeit geleistet», ist etwa zu lesen. Andere finden das Vorgehen unangemessen. So etwas sei der Grund, «warum Leute die Polizei nicht respektieren», kommentiert jemand. Die Frau, der Trunkenheit am Steuer angelastet wird, plädiert auf nicht schuldig.

Polizist nicht einsichtig

Der Polizist sagt, alles sei wahr so. «Ich habe kein Problem damit», sagte er in einem Interview. «Ich versuche lediglich zu berichten, was geschieht.» Dennoch erhielt er eine milde Rüge vom Polizeichef. (oli/AP)

Erstellt: 16.07.2017, 16:11 Uhr

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