Ärztin verweigert jungem Muslim die Behandlung

Aktualisiert am 05.02.2010

Weil er mit Vornamen Cihad heisst, hat sich eine deutsche Ärztin geweigert, einen 16-Jährigen zu behandeln – der Name erinnere sie an den heiligen Krieg, sagte sie.

Mittlerweile bereut die Zahnärztin ihren Entscheid: Der Bericht im «Schwarzwälder Boten».

Mittlerweile bereut die Zahnärztin ihren Entscheid: Der Bericht im «Schwarzwälder Boten».

Im baden-württembergischen Donaueschingen hat eine Zahnärztin einem 16-Jährigen die Behandlung verweigert, weil er Cihad heisst. Sie habe den Namen als «Kriegserklärung gegen alle Nicht-Islamisten» empfunden, sagte die Kieferorthopädin dem «Schwarzwälder Boten» vom Freitag.

Sie habe den Jugendlichen im Wartezimmer gefragt, was die Bedeutung seines Namens sei. Als er geantwortet habe, dass das Wort «Heiliger Krieg» bedeute, habe sie seine Behandlung abgelehnt.

Den Namen einfach schön gefunden

Die Zahnärztin bereut allerdings nach eigenen Angaben mittlerweile ihren Entscheid, den Jugendlichen am Dienstag nicht behandelt zu haben. Er könne ja nichts dafür, dass seine Eltern ihn sogenannt hätten, sagte die Ärztin.

Der Vater des 16-Jährigen sagte, seine Frau und er hätten den Namen bei der Geburt ihres Sohnes einfach schön gefunden. Gewählt hätten sie diesen auch, weil dieser von seinem Träger sage, dass er «für sich etwas abwehrt, das schlecht ist.»

In der Türkei ein geläufiger Name

Der türkische Name Cihad oder das arabische Wort Jihad bedeuten wörtlich übersetzt die «Bemühung oder Anstrengung um Religion», zitiert das Blatt den Islamwissenschaftler Johannes Zimmermann von der Universität Heidelberg.

Durch die koranische Verwendung habe sich das Verständnis allerdings zum Begriff des Heiligen Krieges verschoben. Als Vorname sei Cihad jedoch besonders in der Türkei sehr geläufig, ebenso wie hierzulande Christian.

Der Berliner Antisemitismusforscher Wolfgang Benz zeigte sich «zutiefst erschreckt» über den Fall. Das sei ein Beweis dafür, «dass die Hetze gegen Muslime in unserem Lande Früchte trägt», sagte Benz der «Frankfurter Rundschau» vom Samstag. (oku/sda)

Erstellt: 05.02.2010, 17:10 Uhr

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