Der Everest ist nicht mehr derselbe

Der Hillary Step, die letzte Hürde vor dem höchsten Gipfel der Erde, ist verschwunden.

Da war geologisch noch alles wo es sein sollte: Ein Bergesteiger bereitet sich auf den Abstieg über den Hillary Step vor. Foto: Adrian Ballinger (AP, Keystone)

Da war geologisch noch alles wo es sein sollte: Ein Bergesteiger bereitet sich auf den Abstieg über den Hillary Step vor. Foto: Adrian Ballinger (AP, Keystone)

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Es tönt traurig: Der Hillary Step ist nicht mehr. Die nach ihrem Erstbezwinger Sir Edmund Hillary benannte Felsformation war die letzte Hürde vor dem höchsten Gipfel der Erde. Jetzt ist sie verschwunden, weg, für immer. Ohne Hillary Step ist auch der Everest nicht mehr derselbe; es endet eine Ära, gezeichnet von Heroismus und Drama.

Kein Buch, kein Interview über den Everest, das nicht dem Hillary Step besondere Aufmerksamkeit widmete. Technisch nicht besonders schwierig zu klettern, war die rund 12 Meter hohe, mehr als 70 Grad steile Nase auf 8760 Metern die Schlüsselstelle des Aufstiegs. Zwar war sie seit Jahren immer mit mehreren Fixseilen präpariert, doch blieb die Stelle ein Nadelöhr. Weil nicht mehrere Bergsteiger gleichzeitig hoch- und runterklettern konnten, bildeten sich davor immer lange Warteschlangen, was regelmässig zu Unfällen, Chaos und Opfern führte.

Unter guten Bedingungen benötigte ein Bergsteiger ein bis zwei Stunden, um die Nase zu überwinden – manche auch länger. Man kann sich vorstellen, was das bedeutete: Es gibt wahrlich gemütlichere Szenarien, als bei extremen Minustemperaturen und mangelndem Sauerstoff auszuharren, bis ein vielleicht weniger talentierter Kletterer sich über die Nase hochgequält hat. Das konnte über Leben und Tod entscheiden. Deshalb forderte Reinhold Messner jüngst, dort eine Ampel aufzustellen, um den Bergsteigerverkehr zu regeln.

Reinhold Messner forderte, eine Ampel aufzustellen, um den Bergsteigerverkehr zu regeln.

Messner sagte auch, der Everest sei schon lange nicht mehr der Berg, den Hillary 1953 oder er selber in den Siebzigern und Achtzigern bestiegen habe. Geologisch derselbe geblieben, habe der Berg sein Flair verloren, seit man ihn mit Pisten durchgängig so erschlossen hat, dass jeder mit ein bisschen Kondition ihn erklimmen kann.

Die Tibeter nennen den Everest «Heilige Mutter». Sie hat Messners Aussage nun auch geologisch wahr gemacht. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.05.2017, 00:03 Uhr

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