Mallorca randvoll!

Die Baleareninsel erlebt einen Rekordsommer: Wie Mallorca Schweizer, deutsche und britische Gäste glücklich macht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Europas beliebteste Ferieninsel ist voll, so voll wie noch nie. Die Deutschen grölen am Ballermann, die Briten saufen in Magaluf, und die Schweizer fühlen sich in der Colonia Sant Jordi wie daheim. Die lange Promenade entlang des Meeres ist gepflegt und sauber, samt Robidog-Kästen, «Pipican» genannt. Hier im einstigen Fischerdorf im Süden der Insel führt Universal Travel, in der Schweiz der grösste Anbieter für Mallorcaferien, vier Hotels: Man spricht Schweizerdeutsch, das Schweizer Fernsehen empfängt man tipptopp, der gelbe Postbriefkasten an der Réception stammt von der PTT, und im Hotel Marqués, wo ausschliesslich Schweizer wohnen, steht auf manchem Tisch ein Aromat-Döschen.

In den Schweizer Hotels herrscht kein Handtuchkrieg wie in deutschen oder britischen Bettenburgen, wo man sich die Sonnenliegen am Pool noch vor dem Frühstück mit dem Badetuch sichert. Gesittet gehts auch am Buffet zu: Im 3-Stern-Hotel Romantica wird in zwei Schichten gegessen, um 18.30 und um 20 Uhr – erst die Schweizer Familien, dann die Südländer.

Fünfmal sei er ans Buffet gegangen, sagt Silvan, 7, ganz stolz, «und zweimal Dessert». Bisher machte Familie Kündig aus Ibach SZ stets Wanderferien in der Schweiz. Jetzt, da Tamara, 3, aus den Windeln ist und keinen Schoppen mehr braucht, hat sich die Mutter durchgesetzt, «endlich wieder ans Meer». Wie die meisten der vielen kleinen Kinder, die in diesen Tagen den Strand von Es Trenc umwühlen, haben auch die Kündig-Kinder zum ersten Mal im Meer geplanscht und Salzwasser geschluckt. Silvan hatte seine Bedenken, jetzt ist er beruhigt: «Die Krebse kommen nicht hoch.» Vor allem aber sind die Kinder zum ersten Mal in ihrem Leben geflogen. «Ufe und abe» sei das Schönste am Fliegen, sagt Tamara, weils «chrüselet im Buuch». Während sich die Mutter in einen Roman vertieft – «das erste Buch, seit die Kinder auf der Welt sind» – sucht der Vater den Schatten, ihm sei es klar zu heiss, er vertrage Hitze schlecht.

Schweizer machen eine Inseltour mit dem Minibus

Trotz Hitze, die Schweizer wollen etwas von der Insel sehen. Beliebt ist die Minibus-Tour für maximal 27 Leute. Er werde garantiert keine Jahreszahlen, nichts Geschichtliches erwähnen, verspricht Reiseführer Ralf, nur vom echten mallorquinischen Inselleben erzählen – so viel kann dem Touristen auch bei 30 Grad zugemutet werden. Zum Zmittag in der rustikalen Finca werde übrigens Aioli serviert: «Sie wissen, Knoblauch macht einsam – aber nur den, der ihn nicht isst.» Rechtzeitig zum Znacht ist man zurück, man hat schliesslich Halbpension bezahlt.

Die Mietautos sind in der Hochsaison praktisch ausgebucht, die Suche nach einem Parkplatz ist zurzeit die grösste und nervenaufreibendste Herausforderung. Das Parkhaus bei der mächtigen Kathedrale La Seu in Palma ist um 11 Uhr besetzt. Das Auto im Parkverbot stehen zu lassen, ist keine gute Idee, wird mit 90 bis 150 Euro gebüsst. Alle drei Minuten stellen die Ordnungshüter in der Hauptstadt eine Busse wegen Falschparkierens aus, 20 Millionen Euro im Jahr kommen so zusammen.

Vier Kreuzfahrtschiffe haben heute im Hafen angelegt, auf einen Schlag wälzen sich 14'000 Touristen mehr durch die engen Gassen der Altstadt – ein Selfiestick im Rücken, ein Kinderwagen in der Ferse. Die Schlange vor der Kathedrale wächst, jeder will ins Kühle – der Geruch von Sonnencreme vermischt sich mit jenem der vor der Kirche wartenden Kutschenpferde.

In Dorf Santanyi ist jeden Mittwoch Mercado, die Strässchen sind stossend voll, ausgewanderte Deutsche verkaufen Schmuck, dunkelhäutige Händler Taschenimitate und andere Fälschungen, Einheimische Olivenöl oder Flor de Sal aus den nahen Salinen. Die Geschäfte laufen gut, sagt der Besitzer einer Herrenmodeboutique, eben habe sich ein Schweizer fürs ganze Jahr eingekleidet, «13 Hemden, 13 Hosen, 4 Poloshirts». Die Schweizer Touristen sind beliebt auf der Insel, sie geben mehr Geld aus als alle andern, 140 Euro pro Tag, Deutsche bloss 102. In einem Strassencafé liest sich ein Grüppchen Berner ab Smartphone die Niederschlagsmenge in der Heimat vor: Schiffts zu Hause, machen Ferien im Süden doppelt Spass.

Wegen der «Schönwettergarantie», und weil hier alles tipptopp funktioniere wie daheim in Muttenz BL, ist Bruno Heim – «man nennt mich Elvis» – seit 15 Jahren Stammgast im Hotel Romantica. Tatsächlich sieht er mit der schwarzen Haartolle aus wie Elvis in seinen letzten Jahren. Er trägt Hawaiihemden wie Elvis, war Lastwagenchauffeur wie Elvis – nur die Stimme hält dem Vergleich mit dem Original nicht wirklich stand. «Love me tender...», säuselt er als Kostprobe. Er sei immer für ein Spässchen zu haben, sagt er, schnappt sich zwei verdutzte Polizisten und nötigt sie zum gemeinsamen Erinnerungsfoto.

Mallorca erlebt eine Rekordsaison: Über 13 Millionen Gäste werden auf der 880'000 Einwohner zählenden Insel alleine zwischen April und Oktober erwartet. Im August landen und starten von Freitag bis Sonntag rund 2600 Flugzeuge. Das Wasser wird knapp. Seit fast einem Jahr hat es nicht mehr ausgiebig geregnet. Der Bauer leidet, der Feriengast aber soll die Wassernot nicht spüren: Die Pools sind voll, nur die Duschen haben vielleicht etwas weniger Pfupf. Mallorca ist diesen Sommer das beliebteste Ferienziel der Schweizer. Ägypten, Tunesien oder die Türkei werden aus Furcht vor Terroranschlägen gemieden. Hier hingegen fühlt man sich sicher, daran hat auch die Verhaftung eines mutmasslichen IS-Sympathisanten im April nichts geändert. Sie betreue manch einen «geliehenen Gast», sagt Universal-Reiseleiterin Gabriela Abegglen. Schweizer, die normalerweise auf Ferien im All-inclusive-Hotel an der türkischen Riviera schwören. Und in der Colonia Sant Jordi nicht glücklich sind. Denn hier gibt es keine gigantischen Buffets, keine riesigen Poolanlagen mit Rutschenparadies. Auf Mallorca vergnügt man sich am Strand.

Briten mit Wodka im Bauch

208 Badestrände hat die Insel zu bieten, nur den einsamen Strand, den findet man im Sommer nicht. Die Parkplätze in Meeresnähe sind so voll, dass Shuttlebusse verkehren. Der kilometerlange, feine Sandstrand Es Trenc, nahe den Universal-Hotels, ist bei Familien sehr beliebt. Man kann ewig weit ins Meer hinausgehen – noch immer ist die Badehose trocken. Vom Familienstrand gehts nahtlos über zur FKK-Fleischbeschau: Gut abgehangen, leicht angebraten. Auf die Nackten folgt der Strandabschnitt mit den schwulen Nackten. Ungelöst ist die WC-Situation: Öffentliche Toiletten sucht man vergebens – Meer oder Dünen, Naturschutzgebiet notabene, man hat die Wahl.

Familie Röthlisberger aus Necker im Toggenburg verbringt die Tage am Strand, Mann und Frau sitzen eng beieinander unter einem Sonnenschirm, von den zwei Buben sieht man bloss die Schnorchel. Auch in dieser Familie hatte die Frau das Sagen: Bisher gings jeden Sommer ins Kinderhotel im Österreichischen, nun aber bestand sie auf Badeferien. Für den Mann bedeutet Fliegen «einfach nur Stress». Aber: Da der Flughafen Altenrhein SG erstmals Mallorca anbietet, «unkompliziert, kein Schlangestehen», hat er sich gefügt. Marco, 7, freut sich schon jetzt, am zweiten Ferientag, auf das Brötli im Flugzeug der People’s Viennaline, «das beste Brötli, das ich in meinem ganzen Leben gegessen habe». Zuvor aber will er unbedingt einen Hai sehen. Jan, 11, gäbe sich mit einer Qualle zufrieden.

Ob gemächliche Familienferien oder exzessives Partyleben – Mallorca bietet alles. «Engländer saufen anders als die Deutschen», hat Reiseleiterin Abegglen gesagt. Also, auf nach Magaluf, der Hochburg der Briten, ein Pub reiht sich ans nächste. Wodka in Plastikflaschen gibts im 10er-Karton, dazu einen Flaschenöffner in Penisform. Viele böse Sonnenbrände, Lobsterlike, aber der Oberkörper bleibt nackt. Die Tattoo-Shops haben nachts Hochbetrieb, die Wünsche sind nicht wirklich originell, laut Tätowierer Ruben lassen sich die meisten «Magaluf 2016» oder «Maga16» in die Haut stechen – mit Vorliebe auf den Hintern. Nipple-Piercings seien ebenfalls sehr gefragt, bei Männern und Frauen.

Drei junge Briten aus Northampton wollen ihre Freundschaft kurz vor dem Heimflug mit einem Tattoo besiegeln. «The Fellowship», zweimal auf den Oberschenkel, einmal aufs Handgelenk, ein spontaner Entscheid, sagt Luke Malpas, 18. Je 20 Minuten leiden für je 40 Euro – das Andenken wird notdürftig mit Folie bedeckt.

Deutsche warten auf den König

Die Deutschen saufen Bier, gern aus der 5-Liter-Zapfsäule, zum Beispiel im Bierkönig in der Schinkenstrasse am Ballermann. Einem Strandabschnitt an der Playa de Palma, zwischen Palma und S’Arenal, der dem Bürgermeister von Palma ein Dorn im Auge ist. José Hila hat Alkoholexzessen den Kampf angesagt: Neue Gesetze, eine «Verordnung für zivilisiertes Zusammenleben», sollen den Ruf der Playa aufpolieren. Saufgelage auf der Strasse oder am Strand sind verboten, so auch das gemeinsame Saufen aus dem Plastikeimer mit Strohhalm. Oben ohne, auch bei Männern, ist nur auf der Strandpromenade erlaubt – die Bussen sind happig, zwischen 50 und 600 Euro, es werde streng kontrolliert und konsequent gebüsst. Das scheint aber niemanden zu kümmern. Die Schilder sind diskret angebracht, Polizei ist keine in Sicht, Eimer, Strohhalme und den 5-Liter-Kanister Sangria gibt es weiterhin für 9.99 Euro.

Im Mega Park, dem Partytempel, wo täglich bis 8000 Leute auf Tischen stampfen, herrscht schon um 18 Uhr Hochstimmung. Gleich wird Willi Herren auftreten (früher der Olli in der «Lindenstrasse», heute Stimmungskanone von Beruf ), und dann Jürgen Drews, der König von Mallorca. Die Jungs auf den Tischen grölen: «Morgen wieder Aua im Kopf», alle sind absolut textsicher, kennen jeden Ballermann-Hit.

Der Ballermann ist kein Ort für Pärchen, hier besäuft man sich in Gruppen, Männer oder Frauen, getrennt. Man trägt Gemeinschafts-T-Shirts: «Auf der Suche nach der grossen Liebe!», fordern die lachsfarbenen Shirts einer Mädchengruppe. Die Jungs hingegen brauchen, so scheints, nur Bier, um glücklich zu sein. Jens aus Dresden feiert mit Kumpels auf «Malle» Abschied vom Junggesellendasein: «Sorry Mädels, sind nur zum Saufen da», steht auf den durchgeschwitzten Leibchen. Angefeuert von Mädels mit pinken Hasenohren steuert Mann mit vollem Bierhumpen das Wasserbecken an...

Diese Reise wurde unterstützt von Universal Travel. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 02.08.2016, 12:20 Uhr

Tipps und Infos

Eine Woche Meersicht

Flüge: Mit Edelweiss, Helvetic Airways, Air Berlin, Air Europa ab Zürich, Basel, Bern oder Genf. Mit People’s Viennaline ab Altenrhein SG. Charterflüge jeweils am Sonntag.

Arrangements: Hotel Romantica***, Sant Jordi, eine Woche im DZ Meerseite, inkl. Halbpension und Flug ab Zürich, kostet bei Universal Travel 805 Fr. pro Person. (Beispiele Abflug 18. oder 25. September)

Hotel Don Leon****, Sant Jordi, eine Woche im DZ, seitliche Meersicht, inkl. HP und Flug ab Zürich, kostet 1195 Fr. pro Person.

Weekend Special, Hotel Lido Park****, Peguera, DZ Meerseite, inkl. HP und Flug ab Zürich, pro Person 425 Fr. (18. bis 21. August). Festpreise für Kinder (pro Woche mit zwei Erwachsenen im Zimmer), unter 7 Jahren: 360 Fr., unter 16 Jahren: 540 Fr.

Mietauto: Eine Woche ab 259 Fr.

Reiseveranstalter: Universal Flugreisen, Vaduz, Tel. 0848 81 11 88, www.universaltravel.ch

Allgemeine Infos: www.mallorca.com

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Blogs

Nachspielzeit Aber natürlich ist das völlig absurd

Geldblog Hypothek reduzieren und Steuern sparen

Abo

Digitale Abos

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt lesen:
Neu ab 18.- CHF pro Monat

Die Welt in Bildern

Grusel, Grusel: Taranteln krabbeln den Arm einer Frau in Kambodscha hoch, nachdem sie diese eingefangen hat 21. Juni 2017).
(Bild: Samrang Pring) Mehr...