Süsse neue Erlebniswelten

Eine der besten Botschafterinnen für den Schweizer Tourismus ist die Schokolade. Hersteller investieren kräftig, um Besucher aus dem In- und Ausland in ihre Unternehmen zu locken.


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Das grosse Geheimnis, wie das Glück in die Schokolade kommt, will die Firma Maestrani in ihrem Chocolarium lüften. In der neuen Erlebniswelt, die das Unternehmen am Samstag in seiner Fabrik in Flawil SG eröffnet hat, betreten die Besucher auf dem Rundgang einen retro-futuristisch aussehenden Raum, der ein wenig an «Back to the Future» erinnert – Röhren in Spiralenform durchqueren ihn. Dort drin würden Schokolade und Glück miteinander verschmolzen, sagt Maestrani-Chef Markus Vettiger. Maestrani ist vor allem bekannt für die Schoggistängeli Minor und Munz.

Bis anhin konnten Besucher beim Ostschweizer Schokoladenhersteller von einem Glasgang aus in die Produktion schauen, wo sie Menschen an Maschinen arbeiten sahen. Nun will die Unternehmung mehr Publikum in ihre Fabrik holen, sie investiert eine zweistellige Millionensumme für das Besucherzentrum mit Rundgang, einem Café und dem Verkaufsladen. Markus Vettiger rechnet neu mit 100'000 bis 150'000 Besucherinnen und Besuchern pro Jahr: Familien, Schulklassen, Vereinsgruppen, Firmenausflüge, aber auch ausländische Feriengäste. Für sie sind Kurse und spezielle Attraktionen im Chocolarium geplant.

Apro­pos Chocolarium: Das ist ein Fantasiename, der eigens für die Erlebniswelt erfunden wurde. Er funktioniert in allen Landessprachen und ist auch auf Englisch verständlich.

Zwei Millionen Besucher bei Cailler

Maestrani ist nicht der einzige Schokoladenhersteller der Schweiz, der auf Erlebniswelten und Besucherzentren setzt. Die Museumsfabrik Maison Cailler in Broc FR hat sich zum grossen Publikumsrenner entwickelt. Obschon in der tiefsten Freiburger Provinz gelegen, ist das Museum innert fünf Jahren von 2 Millionen Menschen geradezu überrannt worden. Aktuell ist es das bestbesuchte Westschweizer Museum. 55 Prozent der Besucher reisen aus dem Ausland an, der Rest stammt aus der Schweiz.

Auch Lindt & Sprüngli investiert in Kilchberg ZH momentan kräftig: 80 Millionen Franken fliessen in das Chocolate Competence Center, das beim Fabrikgebäude erstellt wird. Einerseits will das Unternehmen dort Fachleute ausbilden, andererseits soll ein Erlebnisschokoladenmuseum mit multimedialen Elementen entstehen. Heute bietet das Traditionshaus am Zürichsee in seiner Chocolateria erwachsenen Besuchern Kurse für die Fertigung von Truffes und Pralinés, Kinder können saisonabhängig Schoggihasen oder Weihnachtsmänner giessen. 7000 Personen können Maître Chocolatier Patrick Fuchs und seine Kollegen zurzeit jährlich begrüssen. Die Besucherzahl der Fabrik, die gleich vor den Toren der Stadt Zürich steht, wird sich vervielfachen.

Noch in diesem Herbst will Camille Bloch, dessen bekanntestes Produkt Ragusa ist, das Besucherzentrum im bernjurassischen Courtelary eröffnen.

«In Asien geht nichts ohne Schokolade.»Heinz Keller, Schweiz Tourismus

Für die Schweizer Touristiker ist die Schokolade ein Segen. «Schoggi ist ein süsser Botschafter für das Reise-, Ferien- und Wirtschaftsland Schweiz», sagt Heinz Keller von Schweiz Tourismus. Jeder neue Markt spreche auf die Schweizer Schokolade an, vor allem in Asien: «Dort geht nichts ohne Schokolade.» Von je weiter her die Gäste kämen, desto kultiger werde Schokolade betrachtet.

Keller freut sich, dass Hersteller die Bedeutung der süssen Fabrikate für in- und ausländische Gäste erkennen und Besucherangebote ausbauen. Ihn erstaunt allerdings, dass Toblerone sich noch nicht geöffnet hat. «Die Symbolik ist ja grossartig: Je weiter man von hier wegreist, desto mehr wird Toblerone mit dem Matterhorn und der Schweiz gleichgesetzt.»

Schokolade zum Glück

Auf starke Symbolik setzt Markus Vettiger mit seiner Maestrani-Schokolade auch im neuen Chocolarium. Die interaktive Erlebniswelt sei das Resultat von Marktstudien, sagt er. Dass er das Glück, das sich beim Schoggiverzehr einstellt, ins Zentrum rückt, ist kein Zufall. Aber es ist auch nicht todernst gemeint: «Wir stellen die magische Seite mit einem Augenzwinkern dar.» (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 05.04.2017, 15:22 Uhr)

Hier können Kinder Hand anlegen: Das neue Schokoladenmuseum Chocolarium von Maestrani in Flawil SG. Foto: PD

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