Ein Monument für Landschaft und Leben

Die Villa des italienischen Dichters und Nationalisten Gabriele D'Annunzio über dem Gardasee ist heute ein überbordendes Museum.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es gibt Reisende, und es sind offenbar nicht wenige, die fremde Landschaften mit den Augen von träumenden Immobilienspekulanten betrachten. Wenn sie auf die Hügel und Berge über dem See schauen, dann suchen sie nach idealen Häusern und idealen Bauplätzen, ruhig und allein gelegen, aber gern mit einem imperialen Blick. Um die vorvorige Jahrhundertwende bauten Dichter und Künstler tatsächlich so: William Butler Yeats seinen irischen Turm, Verner von Heidenstam sein mächtiges Herrenhaus über dem Vättern, Axel Munthe die schönste Villa der Welt auf Capri.

Übertroffen aber, bei mindestens gleichermassen schöner Lage, wurden sie alle durch den italienischen Dichter Gabriele d'Annunzio – ein glühender Nationalist und begeisterter Soldat, der Krieg und Poesie durchaus nicht trennen wollte und der vom faschistischen Diktator Benito Mussolini auch finanziell unterstützt wurde.

Einfach sitzen und geniessen

Keiner baute grösser, keiner baute prächtiger, keiner häufte mehr Denkmäler und Erinnerungsstücke an: Das «Vittoriale degli Italiani» («Siegerdenkmal der Italiener») über dem Gardasee ist ein einzigartiges Monument über Landschaft und Leben, und wer dort oben steht, die Berge mit ihren verschneiten Gipfeln im Rücken, den glitzernden See unter sich und den Blick nach Südosten, in Richtung Adria gerichtet, der prüfe sich selbst: Gabriele d'Annunzio mochte es als Hausbesitzer ein wenig übertrieben haben, zum Beispiel, als er den Kreuzer Puglia in den Hang setzen liess. Doch wohnte der Mann nicht in beneidenswerter Lage, mit einem ganzen Hügel für sich allein? Und gehörte es nicht zum Traum von der eigenen Villa im Süden, sich die Verhältnisse dort mehr oder weniger autark zu denken, mit einem eigenen Olivenhain, einem eigenen Rebberg und einer Ziege für den Käse?

Warum dann nicht gleich weitermachen mit einem eigenen Theater und einem eigenen Museum? Wer sich aber stört an der unendlichen Menge von Memorabilien in diesem Haus und dabei womöglich ans Staubwischen denkt, der setze sich hinaus auf eine stille Bank im Park, zwischen die Zypressen, und lausche den Vögeln, die hier in grosser Menge und Vielfalt zu Hause sind. Und dann bleibe er einfach sitzen und geniesse den Blick, als wäre es seiner.

Vittoriale degli italiani, Gardone Riviera. Das Haus ist im Sommer von 9 Uhr bis 20 Uhr geöffnet, www.vittoriale.de.

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 12.05.2017, 12:32 Uhr

Artikel zum Thema

Raus in den Morgenwind

Im Sommer ist der Gardasee ein Paradies für Windsurfer – dem zuverlässigen Fallwind sei Dank. Mehr...

Hart am Wind

Eine Woche auf einem kleinen Segelboot von Venedig über die Adria nach Kroatien: An Bord kann es sehr eng werden – Auszüge aus dem Logbuch. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Blogs

Nachspielzeit Der Fussball frisst die Leichtathletik

Von Kopf bis Fuss Abwarten ist die beste Medizin

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Der strenge Blick: In Hongkong werden die Sicherheitsmassnahmen hochgefahren vor der Ankunft des chinesischen Präsidenten Xi Jinping. (29. Juni 2017)
(Bild: Damir Sagolj) Mehr...