Elefanten, Rosen und harte Kerle

Sonntagsausflug nach Rapperswil SG, wo der Sommer mit Sport und Jazz beginnt.

Zeit für eine Bootspartie: Seebecken mit Altstadt und Schloss. Foto: Daniel Ammann

Zeit für eine Bootspartie: Seebecken mit Altstadt und Schloss. Foto: Daniel Ammann

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Es führen viele Wege nach Rapperswil, aber wirklich sinnvoll ist nur einer – der Seeweg.

Man kann sich natürlich als Autofahrer auf einer der drei Einfallachsen im Stau einfädeln oder als Zugpassagier in der meist überfüllten S-Bahn stehen. Wer die Reise aber wirklich in vollen Zügen geniessen will, tritt sie am anderen Ende des Sees an und besteigt beim Zürcher Bürkliplatz die «Stadt Rapperswil».

Kurz nach acht legt der über hundert Jahre alte Raddampfer ab – und noch bevor er, exakt zwei Stunden später, den Heimathafen erreicht, zeigt sich die Stadt am anderen Ende des Sees von der schönsten Seite: Vom Schiff aus ist die Szenerie, links die idyllische Skyline mit dem alten Schloss, rechts die Kulisse des Glarner Alpenbogens, besonders spektakulär.

Sowie man wieder festen Boden unter den Füssen hat, findet man sich im Brennpunkt der Stadt wieder: Vom Fischmarktplatz führt jene Treppe zum Schloss hinauf, die nächstes Wochenende beim Ironman als «Stairway to Heaven» zur gefürchteten Schlüsselstelle am grössten Sportanlass des Jahres wird; ihre Stufen sind getränkt vom Schweiss und den Tränen der 3000 Athleten. Zwei Wochen später, am letzten Wochenende im Juni, erfüllen heisse Rhythmen und cooler Sound die Plätze und Gassen: Auf den Bühnen am See und in den Altstadtlokalen geben internationale Stars am traditionellen Blues'n'Jazz-Festival den Ton an.

Hirschkuh legte ihren Kopf in den Schoss der Frau

Auf jene, die lieber den leisen Tönen der Natur lauschen, wartet draussen auf dem See ein kleines Paradies: Die Insel Lützelau ist das Naherholungsgebiet der Rapperswiler und für den Touristen ein Geheimtipp. Wer auf einem der wenigen autofreien Camping­plätze der Schweiz übernachten will, lässt sich mit Zelt und Schlafsack vom Lütz-Shuttle abholen – vorgängig ist eine Reservation allerdings dringend ratsam.

Rapperswil, von den Einheimischen liebevoll Rappi genannt, heisst offiziell Rapperswil-Jona. Der Nachbarort, der die Stadt an allen Grenzen umschloss, wurde vor zehn Jahren eingemeindet, die Zahl der Bewohner auf 26 000 mehr als verdoppelt. Zwei Rosen, die das Stadt­wappen zieren, stehen für die Rosenstadt: Von Mai bis September blühen in zahlreichen Park- und Gartenanlagen 20 000 Blüten und 6000 Rosensorten.

Von den Anfängen bis zum heutigen Tag hat sich Rapperswil auch als Stadt der Tierfreunde einen Namen gemacht. In grauer Vorzeit, so weiss es die Legende, habe der Herr von Altenburg zusammen mit seiner Frau eine Hirschkuh gejagt, bis auf einen Hügel, wo das Tier sich in einer Höhle verkrochen habe. Als die Frau erkannte, dass das gejagte Tier zwei Kälbchen beschützen wollte, bat sie ihren Mann, das Muttertier zu verschonen. Zum Dank legte die Hirschkuh ihren Kopf in den Schoss der Frau – und ihr Mann gründete an jener Stelle die Stadt Rapperswil.

Heute erinnert der Hirschpark auf dem Schlossberg an diese Geschichte – und unten am See reiten Kinder auf Elefanten, bestaunen Giraffen und Seehunde: Der Kinderzoo ist als Attraktion für kleine und grosse Besucher aus dem ganzen Land ein Dauerbrenner.

Siebzig seiner 71 Lebensjahre hat Fredy Knie jun. in der Stadt verbracht, die seinem Zirkus als Winterlager dient und der ganzen Dynastie zur Residenz geworden ist, «trotzdem», schmunzelt der Zirkusdirektor, «weiss ich nicht, wie Rapperswil im Sommer aussieht; dann bin ich ja immer auf Tournee. Aber auch im Winter kann man hier gut leben.»

Wer vom Kinderzoo aus am Seeufer entlang zum Campus des berühmten Technikums wandert, wird beim Bahnhof einen Holzsteg erreichen, der parallel zum Damm zur Halbinsel Hurden auf der anderen Seite des Sees führt. Drei Fahnen, die etwa in der Mitte im Wind flattern, markieren den Punkt, an dem die Kantone Schwyz, Zürich und St. Gallen aneinandergrenzen.

Santiago-Pilger befinden sich auf dem Holzweg

Diese Fussgängerbrücke ist mit 841 Metern der längste Holzsteg der Schweiz. Die Rekonstruktion einer längst vermoderten Brücke ist kurz nach der Jahrtausendwende erbaut worden – und doch schon viele Hundert Jahre alt. Denn einst wie heute ist der Holzweg über dem Zürichsee ein Teil des Jakobswegs, der durch ganz Europa nach San­tiago de Compostela führt.

Gelegentlich kann man hier einem Pilger begegnen und ihm eine gute Reise wünschen. Nach dem Seeweg, auf dem wir an Bord eines alten Raddampfers Rapperswil erreicht haben, ist dies der Holzweg, der wieder aus der Stadt hinausführt.


www.rapperswil-zuerichsee.ch; www.insel-luetzelau.ch (SonntagsZeitung)

Erstellt: 01.06.2017, 13:52 Uhr

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