Ewiges Funkeln und Leuchten

In den Vogesen liegt ein Mekka für Fans von kunstvollem Kristallglas. Ein neues Hotel vereint Lalique-Ikonen mit modernem Design.

Glanzpunkt: Bar des Château Hochberg. Foto: Gregoire Gardet

Glanzpunkt: Bar des Château Hochberg. Foto: Gregoire Gardet

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Alles glänzt, funkelt, leuchtet: Gläser, Vasen und Tresen. Über einer Front aus weissem Quarz und einer Glaswand mit eingeschliffenen Blumenmotiven schwebt ein Kristallleuchter. Wer die Lobby des Château Hochberg betritt, erblickt eine aussergewöhnliche Bar. Hat man womöglich die Réception des Hotels verpasst? Keineswegs: Sie fügt sich links vom Eingang dezent ins Konzept der Innenausstattung ein. Auch sie ist aus weissem Quarz, in der Mitte mit Lorbeerornamenten verziert. Daneben an den Wänden die Originallorbeeren: Täfer mit eingeschliffenen Blattmotiven, entworfen 1923 vom Glaskünstler René Lalique für den Orient-Express.

In Schweizer Besitz: Château Hochberg bei Wingen in den Vogesen. Foto: Gregoire Gardet

Lalique hatte im elsässischen Wingen-sur-Moder nach dem Ersten Weltkrieg eine Glasfabrik eröffnet und mit Parfümflacons, Automobil-Kühlerfiguren, Lampen und Schmuckentwürfen den Jugendstil und das Art déco geprägt. Wingen-sur-Moder ist so etwas wie das Graceland für Lalique-Fans – mit der heutigen Kristallmanufaktur Lalique, dem Lalique-Museum und der Villa Lalique. Das einstige Wohnhaus des 1945 verstorbenen Firmengründers steht inmitten eines Parks und ist schon länger ein Luxushotel, opulent ausgestattet mit Originalmöbeln. Gleich daneben befindet sich ein Zweisternrestaurant, dessen moderner Anbau von Mario Botta entworfen wurde.

Die Besucher kommen hierher, um Lalique-Kunst im Original zu sehen. Und bei aller Verehrung für René Lalique: Erst sein Sohn und Nachfolger Marc hat die Produktion von gewöhnlichem Glas auf Bleikristallglas umgestellt. Dieses Material ermöglichte es, die Oberflächen zu satinieren und den Hauteffekt zu erzielen, der von Sammlern so geschätzt wird.

Während einer Werksführung streicht Denis Mandry, Leiter der Cristallerie Lalique, zärtlich über die Skulptur einer sitzenden Nackten. Vor allem weibliche Körper waren neben Blumen und Tieren das wichtigste Motiv von Vater und Sohn Lalique. Heute seien kleine, bunte Lalique-Fische der Bestseller, sagt Mandry. Kleine Fische können sich auch Menschen mit kleinem Portemonnaie leisten.

Zum Anfassen

Die Region liegt eine gute Autostunde von Strassburg entfernt, inmitten des Naturparks Nordvogesen. Hügel und Wälder prägen die Landschaft. Sie ist traditionell ein Zentrum der Glas- und Kristallproduktion. In Wingen arbeiten und leben die Menschen bei und von Lalique – noch ein bisschen mehr, seit das Château Hochberg als zweites Hotel im Dorf eröffnet wurde. Der Schweizer Unternehmer Silvio Denz (Kosmetik, Immobilien, Weine), begeisterter Sammler von Lalique-Objekten, kaufte es 2014 und liess es zum Hotel mit Restaurant umbauen. Bereits 2008 hatte er die Kristallmanufaktur sowie die Villa Lalique erstanden.

Château Hochberg war nie im Besitz der Familie Lalique gewesen, ist aber dennoch mit der Glastradition verbunden. Ursprünglich trug das Schlösschen den Namen des Besitzers Eduard Teutsch, der es zwischen 1863 und 1866 im Stil des Second Empire erbauen liess. Hohe Fenster, schwarzes Schmiedeeisen und Bänder aus rosa Sandstein auf der weissen Fassade zeugen von der Epoche. Nun beherbergt der denkmalgeschützte Bau 15 Zimmer und Suiten sowie ein Restaurant.

Klare, minimalistische Formen und ein Farbenspektrum zwischen Weiss, Beige und Grau: Zimmer im Château Hochburg. Foto: Gregoire Gardet

Das Interieur stammt vom Designerduo Christine und Nicola Borella. Sie beschränkten sich auf klare, minimalistische Formen und ein Farbspektrum zwischen Weiss, Beige und Grau – ein Kontrast zum bunten, ornamentalen Stil der Laliques. In den drei Speisesälen des Restaurants lässt sich besichtigen, wie aktuelle Kristallkunst aussehen kann. Der Künstler Damien Hirst schuf eine Serie von Schmetterlingsreliefs, deren Herstellung er im Lalique-Werk selbst überwacht hatte.

Florale Dekors prägen die Zimmer und Suiten. Die drei Lalique-Klassiker: Dahlia, Ombelle (Blütendolde) und Venise finden sich eingraviert in Spiegeln, Glasplatten und als Badarmaturen. Hier präsentiert sich der Werkstoff Kristall ästhetisch und zum Anfassen. Grobmotoriker müssen sich nicht verkrampfen: Die Gefahr, etwas zu zerbrechen, ist gering.

(SonntagsZeitung)

Erstellt: 03.03.2017, 15:42 Uhr

Anreise und Unterkünfte

Anreise
Mit dem Zug von Basel nach Strassburg, Regionalbahn nach Wingen-sur-Moder. Mit PW ab Strassburg ca. 60 km.

Unterkunft
Château Hochberg: DZ ab 140 Euro pro Nacht.
Musée Lalique Dienstag bis Sonntag geöffnet, Eintritt 6 Euro.

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