Herrlich eingeseift und ausgepeitscht

Winterzeit ist Wellnesszeit: Wir stellen vier aussergewöhnliche Hotels für Kurzferien vor. Eine Reise zu den schönsten Wohlfühloasen zwischen Bodensee und Saanenland.

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Jobsorgen werden in Lipperswil kurzerhand weggespült. Foto: Daniel Ammann

Wellnesshotel Golf Panorama, Lipperswil TG

Als das warme, feuchte Tuch auf dem Gesicht liegt, entkrampft sich der Körper langsam, und die Gedanken an den Job entschwinden. Anne Seifert, die Frau, die sich im Spa des Wellnesshotels Golf Panorama in Lipperswil um mein Wohlbefinden kümmert, unterzieht mein Gesicht einer 40-minütigen Schnellauffrischung. «Classical facial Express» nennt sich die Behandlung. Reinigung, Gesichtswasser, Feuchtigkeitsserum, Feuchtigkeitsmaske, Tagespflege: Die Kosmetikerin kommentiert mit der warmen Stimme der routinierten Fachfrau, was sie so alles zuführt. Für eine alleinerziehende Mutter, die unter Dauerstrom steht, fühlt sich das göttlich an. Der Schmerz, den das Ausdrücken der paar Mitesser verursacht, ist schnell vergessen. Nur Frau Seiferts Bemerkung über meine Augenbrauen irritiert etwas. «Sie haben relativ wenig Härchen», moniert sie, während sie die letzte Creme von Sothys sanft in die Haut einmassiert.

Die grosszügig angelegte und schnörkellos gehaltene Badelandschaft tröstet über derlei Egodämpfer hinweg. Das 4-Stern-Superior-Hotel Golf Panorama ist der ideale Ort für ein Freundinnen- Weekend oder für zwei Verwöhntage mit dem Partner. Der Anfahrtsweg in den Thurgau ist kurz, und das Portemonnaie wird nicht über Gebühr strapaziert. 230 Franken pro Person kostet eine Nacht im Standardzimmer – ein exquisites Halbpensions-Dinner und ein umfangreiches Frühstücksbuffet inbegriffen. Ein Preis, der es durchaus mit den Hotels auf der deutschen Seite des nahen Bodensees aufnehmen kann. Auf Schnäppchenjagd muss trotzdem nicht verzichtet werden. «Viele unserer Gäste gehen tagsüber nach Konstanz shoppen, schlafen dann aber gerne in einem komfortablen Bett auf der Schweizer Seite», sagt Hoteldirektor Alexandre Spatz. Der Golfplatz direkt vor der Haustür ist das Alleinstellungsmerkmal des Panorama-Hotels, das im Jahr 2010 eröffnet wurde. Heute ist es aus dem Thurgau nicht mehr wegzudenken. Die Kultur der Region wird hochgehalten, mit der eigenen Apfelblüten-Pflegelinie im Spa Fleur de Pomme. Aber auch der Apfelchampagner, der zur Begrüssung in der Lobby gereicht wird, kann heimatliche Gefühle wecken. Ausbaufähig ist die Unterhaltung am Abend. Wer beim After-Dinner-Drink auf einen lebhaften Barbetrieb hofft, wird enttäuscht. Der Pianist sorgt für wohltemperierte Klänge, aber nicht für Stimmung, und so zieht man sich schon bald lieber in das ­elegante Doppelzimmer mit Espressomaschine und Lichterhimmel über der frei stehenden Badewanne zurück. Aber vielleicht muss das ja so sein? Viel Schlaf und wenig Alkohol sollen die Schönheit ­fördern.
Karin Kofler

Der weitläufige Golfplatz liegt direkt vor dem Hotel. Foto: PD

Wellnesshotel Golf Panorama****S, Lipperswil TG, DZ mit Frühstück ab 289 Franken.
www.golfpanorama.ch



Im Huus schlafen die Gäste in Hästens-Betten, umgeben von viel Design. Foto: Mark Nolan

Huus, Saanen BE

Hinter den Panoramascheiben breitet sich das Saanenland aus: Wildhorn, Spitzhorn, Wassergrat und Rüeblihorn. Der markanteste Gipfel ist im Innern des Hotels Huus vielfach verewigt. Das Rüeblihorn findet sich im Logo, auf den Zimmerschildern und in Form einer Flaschenpyramide über der Bar. «Ein zweistelliger Millionenbetrag», wie Gastgeber und CEO Günter Weilguni sagt, hat aus dem angejahrten Steigenberger-Hotel das Huus gemacht. «Zum Glück haben die Verkaufsverhandlungen drei Jahre gedauert», gesteht Weilguni. «Hätten wir das Hotel früher gekriegt, wäre wohl ein Haus im gängigen Alpin Chic draus geworden.» Statt Chic dominiert nun Design, kreiert vom norwegischen Innenarchitekten Erik Nissen Johansen, der in der Hotelhalle alle nicht tragenden Wände einreissen liess und eine gewaltige, multifunktionale Wohnstube schuf – mit Réception, Bar, Bibliothek und Lounges. Dank 136 Zimmern und Suiten bleibt das Anfang Dezember eröffnete Huus grösstes Hotel im Saanenland. Die Unterkünfte wurden mit teurem Mobiliar ausgerüstet. Man ruht in Hästens-Betten. Die Besitzer, der Genfer Investor Marwan Naja und Günter Weilguni, können sich die Liegen dank einer Kooperation leisten. Aus der Zusammenarbeit mit internationalen Herstellern und lokalen Veranstaltern erwächst der Huus-Klientel ein Mehrwert, der durch die moderaten Zimmerpreise nicht gedeckt werden könnte.

Die Gäste dürfen im Sommer gratis Outdoorausrüstung, Bikes und Rennvelos ausleihen. Canyoning und Riverrafting sind ebenso unentgeltlich wie Freeriden, Skisafaris oder Wanderungen mit Fondueplausch im Winter. «Solche Add-ons gibt es in keinem anderen Schweizer Hotel», glaubt Günter Weilguni. Den Ruf als Familienparadies unterstreicht das Huus mit Gratis-Ski-Packages für Kinder bis neun Jahre, Kids-Sauna und eigenem Buffet.

Bei den Einheimischen punktet das Hotel mit der legendären Stollen-Disco. Die Grotte blieb unversehrt und dient nun als Tapas-Tanzbar. Weilguni kennt das Hotel, das immer noch aus neun miteinander verbundenen Chalets besteht, wie kein Zweiter: Der gebürtige Tiroler arbeitete 19 Jahre im damaligen Steigenberger. Und schon jetzt freut er sich auf den Frühling: Dann sollen die 160'000 Pflanzen spriessen, die der holländische Gartenbauer in der bisher ungenutzten Aussenanlage gesetzt hat.
Christoph Ammann

Mit 136 Zimmern und Suiten ist das Huus das grösste Hotel im Saanenland. Foto: PD

Huus ****S, Saanen BE, DZ ab 280 Franken.
www.huusgstaad.com



Unter einem solchen Gewölbe fühlt man sich gut aufgehoben. Foto: PD

Limmathof Hotel & Novum SPABaden AG

Für die Wellness fährt der Schweizer gerne nach Tirol oder ins Allgäu. Aber Baden in Baden? Ja, das Gute liegt so nah. Das Städtchen im Aargau ist nur eine Zugviertelstunde von Zürich entfernt. Vom Bahnhof gehts zehn Minuten zu Fuss hinunter ins Bäderquartier. An der Limmat hat man die Wellness-Zukunft verschlafen. Das Quartier scheint schlecht gepflegt und wenig belebt. Doch es soll ­alles besser werden, wenn 2019 das Botta-Bad eröffnet. Bis dahin brauchts in Baden Trouvaillen wie den 1836 gebauten Limmathof, eines von zwei ­Bäderhotels. Das Haupthaus des Limmathofes wurde vor 16 Jahren unter Auflagen des Denkmalschutzes renoviert. Lediglich 21 Zimmer verteilen sich auf zwei Gebäude, die durch die Limmat getrennt sind. Etwas gewöhnungsbedürftig sind die Fusswege, um vom Zimmer zum Frühstück oder ins Bad zu gelangen. Doch wer einmal abgetaucht ist in die Wellness-Bereiche des Limmathofs, entfernt sich von der normalen Welt mit all ihren Zwängen sowieso ziemlich schnell.

Der Fitnessraum bietet von Ausdauergeräten über Kraftmaschinen bis zu Freihanteln deutlich mehr an als andere Häuser. Und sind die Muskeln einmal müde trainiert, kann man sich in der Badelandschaft wohlig entspannen. Sie ist nicht riesig, eher klein und fein. Das Thermalwasser kommt in Baden mit 43 bis 47 Grad Celsius aus dem Boden und wird auf 36 Grad gekühlt. Im Limmathof baden die Gäste unter goldenen Gewölben. Die Sauna ist der einzige Nacktbereich, und im Kälteraum mit 2 Grad Celsius würde sich bestimmt auch Fussball-Superstar Cristiano Ronaldo gerne regenerieren.

Von den Ruheliegen aus gibts den Blick auf die Limmat dazu – gerade abends beim Eindunkeln sind das wunderbare Momente. Massagen und Schönheitsbehandlungen müssen wie in den meisten Wellness-Hotels zusätzlich gebucht werden – ebenso die Private-Spa-Suiten im 2011 eröffneten Nebenhaus. Sie bieten für zwei bis vier Personen einen eigenen Thermalwasser-Pool, dazu Sauna oder Dampfbad, Wasserbett, Lounge und Regenwasserdusche; schick ausgeleuchtet oder mit Kerzenlicht. Das ist ziemlich feudal, aber auch ordentlich teuer. 120 Minuten kosten ab 280 Franken, zusätzliche 60 Minuten jeweils 70 Franken.

Am Abend führen ein paar Schritte ins Restaurant Schlüssel, das zum Hotel gehört. Niveau-Einbussen drohen nicht. Das Essen gehört zum Feinsten, was Baden zu bieten hat. Und der Service auch.
Ueli Kägi

Die historischen Gebäude wurden vor 16 Jahren aufwendig renoviert. Foto: PD

Limmathof Baden Hotel & Novum SPA ****, Baden AG, DZ ab 255 Franken.
www.limmathof.ch



Nach einem Saunagang kann man auf der Terrasse mit Seeblick angenehm abkühlen. Foto: PD

Bora Hot Spa Resort, Radolfzell, Deutschland

Ergeben lassen die Saunagänger die Arme seitlich hängen und die Hiebe über sich ergehen. Wir sitzen in der Rauchsauna im Bora Hot Spa Resort von Radolfzell und nehmen an einem nordischen Wohlfühlritual teil. Saunameister Uwe und Assistent Jürgen haben tüchtig Wasser über die erhitzten Steine auf dem Ofen gekippt. Nun lassen sie Birkenreisig, das aus Finnland importiert wird, auf die Rücken der Schwitzenden niedersausen. Klatsch, klatsch – die rustikale Behandlung fördert die Durchblutung. Später drängen die Nackedeis nach draussen, bedienen sich aus einem Salzkübel und bestreichen ihren Körper mit den weissen Körnern. Uwe lässt die Dampfschwaden wieder durch die Rauchsauna wabern – bald weicht das Salz auf der erhitzten Haut einem Schweissfilm. Der Aufguss abends um sieben Uhr gehört zu den Highlights in einer der schönsten und grosszügigsten Sauna­anlagen Mitteleuropas. Neben dem Gang ins winterkalte Wasser des Untersees oder dem Aufwärmen im 38 Grad Celsius heissen japanischen Onsen-Bad.

Herr des Hauses ist der Architekt Bernd Schuler, der sich anschickt, aus dem Bora ein beeindruckendes Resort zu machen. Gleich neben der Sauna eröffnete Schuler 2013 das Bora Hot Spa Hotel, das mit einer Mischung aus Matteo-Thun-Architektur und japanischem Flair einen spannenden Kontrast zum eher biederen Städtchen Radolfzell bietet.

Sichtbeton, viel Holz und ein gelungener Farbmix dominieren das Interieur des 84-Zimmer-­Hotels, von dessen Lounge aus man einen grandiosen Blick über den Untersee bis zu den Alpen hat. Bernd Schuler («Ich ging schon als 16-Jähriger mit Begeisterung in die Sauna») plant ein zweites Hotel, einen Haman und eine Siedlung mit 48 Ferienhäusern. Die Hotelbewohner, darunter viele Schweizer, erhalten freien Zutritt zum Saunadorf. «Manche wundern sich, dass die Anlage nicht für sie reserviert ist», räumt Schuler ein. An guten Tagen tummeln sich 300 Gäste in Saunen, Pools, Salzgrotten, Ruhe- und Behandlungsräumen. Es kann schon mal eng werden im Bora. Aufgusszeit in der aus 200-jährigem finnischem Kiefernholz gezimmerten Kelos-Sauna: Uwe hat Zitroneneiswasser versprüht und fächelt die Dampfschwaden mit einem grossen Frotteetuch einem Wüstensturm gleich über die Leiber der im Achteck zusammengedrängt schwitzenden Gäste. Einer durchbricht die Stille und ruft: «Leute, kein Problem, wir sitzen doch in der ‹Sau-nah›!»
Christoph Ammann

84 Zimmer – und von der Lounge aus einen Blick über den Untersee bis zu den Alpen. Foto: PD

Bora Hot Spa Resort****, Radolfzell D, 15 Autominuten ab Schweizer Grenze, DZ ab 185 Euro.
www.bora-hotsparesort.de (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.02.2017, 18:58 Uhr

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