Plötzlich ein «Michelin»-Stern fürs Handwerker-Menü

Der französische «Guide Michelin» hat eine kleine Brasserie in der Kleinstadt Bourges mit einem Stern ausgezeichnet. Gemeint war aber ein Nobelrestaurant in Paris.

Deftige Hausmannskost: Die Brasserie Le Bouche à Oreille wurde fälschlicherweise mit einem «Michelin»-Stern ausgezeichnet.

Deftige Hausmannskost: Die Brasserie Le Bouche à Oreille wurde fälschlicherweise mit einem «Michelin»-Stern ausgezeichnet. Bild: Facebook

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Vor der Tür stehen drei Tischchen mit blauen Plastikstühlen, der Blumenkübel daneben ist leer, eine kleine Tafel an der Strasse preist die Tagesangebote an. Etwas trostlos sieht die kleine Brasserie «Le Bouche à Oreille» in der französischen Kleinstadt Bourges aus. Für 12,50 Euro bekommt man ein Mittagessen. Handwerker und Bauarbeiter verbringen hier gerne bei deftiger Hausmannskost ihre Pause. Doch in der vergangenen Woche waren die Gerichte plötzlich weit über die Grenzen der 60'000-Einwohner-Stadt gefragt. Feinschmecker, Restaurantkritiker und Fernsehteams suchten den kleinen Imbiss auf in Erwartung aussergewöhnlicher Geschmackserfahrungen.

Gelockt hatte sie einer, der wissen muss, in welchen Restaurants man die besten Speisen bekommt: Die vor einer Woche neu erschienene Frankreich-Ausgabe des «Guide Michelin» hatte «Le Bouche» überraschenderweise einen Stern verliehen. Doch der vermeintliche Geheimtipp unter Feinschmeckern entpuppte sich als Verwechselung. Die Auszeichnung sollte nämlich eigentlich ein gleichnamiges Restaurant in Paris bekommen. Dort speist man in der Mittagszeit für stolze 48 Euro – inklusive Champagner. Dem Verlag war der Fauxpas zunächst nicht aufgefallen, weil auch die Strassennamen, in denen die Restaurants liegen, sehr ähnlich sind. Erst nach einigen Tagen hatten die Verlagsmitarbeiter den Fehler auf ihrer Webseite korrigiert.

Aymeric Dreux, der Koch, der eigentlich mit dem Stern geehrt werden sollte, reagierte mit Humor auf die Verwechslung. Er habe seine Kollegin angerufen, mit ihr gemeinsam gelacht und sie zu einem Besuch eingeladen. «Wenn ich in der Gegend bin, werde ich bei ihr zum Mittagessen auf ein Bier vorbeikommen», sagte er einem Bericht des Telegraph zufolge.

In Bourges haben die wenigen Tage Sterne-Ruhm Spuren hinterlassen: «Plötzlich wurden wir total überrannt», erzählte Véronique Jacquet, Besitzerin der Imbissbude, der Zeitung Le Parisien. Erst ihr Sohn, der in Paris arbeitet, habe sie schliesslich über die Verwechslung aufgeklärt. «Er ist vor Lachen beinahe gestorben», so Jaquet. Die bodenständigen Mahlzeiten haben den Gästen aber geschmeckt. Ein Mann verlangte in einem TV-Interview sogar zwei Sterne für den Imbiss. (Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 20.02.2017, 18:14 Uhr

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