Brücke für Liebende

Kufstein steht für Kultur, Geschichte und Gemütlichkeit. Stellvertretend das «Löchl», das allen Stürmen trotzte.

Kufsteins Wahrzeichen: Die Festung mit gewaltigem Rundturm. Er wurde 1522 erbaut, später aufgestockt. Foto: PD

Kufsteins Wahrzeichen: Die Festung mit gewaltigem Rundturm. Er wurde 1522 erbaut, später aufgestockt. Foto: PD

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Die meisten rasen an Kufstein vorbei, auf der ins enge Inn-Tal gequetschten Autobahn von München nach Italien oder in der Eisenbahn zwischen Innsbruck und Salzburg. Doch die historische Tiroler Stadt im Grenzgebiet zu Bayern und im Schatten des Kaisergebirges ist einen Besuch unbedingt wert.

Ein Sinnbild für Kufstein bleibt das «Auracher Löchl»: Im behaglichen, in dunklem Holz gehaltenen Lokal werden seit einem halben Jahrtausend Speis und Trank aufgetragen. Seinen Namen bekam das Haus von der Brauerfamilie Auracher. Diese liess hier 1410 zur Lagerung von Eis einen Stollen in die senkrechte Felswand treiben, also ein «Löchl». Im Lauf der Jahrhunderte kam ein Hotel dazu, soeben aufwändig umgebaut. Ein Sonnendeck am Inn lädt zum Faulenzen, selbst bei Regen. Und Verliebte können auf der Seufzerbrücke, die Restaurant und Hotel über die Gasse hinweg verbindet, am romantischen Zweiertisch turteln.

Hoch über dem Löchl thront Kufsteins Wahrzeichen: die Festung mit gewaltigem Rundturm. Er wurde 1522 erbaut, später aufgestockt. Wer im Lift hinauffährt oder den Felsen über eine Treppe erklimmt, wird oben mit einem Panorama-Rundblick verwöhnt und mit der Geschichte konfrontiert.

Die angewandte Kunst des Glasblasens

Auch Kultur wird im Kufsteinerland dick aufgetragen. Der Grenzort Erl, 15 Kilometer ausserhalb, hat nur 1500 Einwohner, aber zwei Theaterbauten mit zusammen 2000 Sitzplätzen: Im Passionsspielhaus aus den späten 1950ern werden alle sechs Jahre Passionsspiele gegeben. Zudem finden hier Wagner-Aufführungen statt. Das Passionsspielhaus hat keine Heizung. Deshalb wurde daneben 2012 das Festspielhaus eröffnet. Hier wird für jeden klassischen Musikgeschmack etwas geboten. Dass das Catering vom nahen Traditionslokal «Beim Dresch» besorgt wird, rundet das Kulturerlebnis kulinarisch ab.

Nicht dem Essen, dem Wein hat sich Kufsteins bekannteste Firma verschrieben: Die Glasmanufaktur Riedel ist erst seit den 1950er-Jahren hier ansässig, blickt aber auf eine 260-jährige Tradition zurück: 1756 gründete Johann Leopold Riedel in Böhmen die erste private Glashütte. Die zehnte und elfte Generation führen heute die Geschäfte, während die zwölfte noch herumkrabbelt. An Regentagen ist ein Rundgang durch das Werk mit seinen glühenden Öfen und schwitzenden Glasbläsern eine gute Gelegenheit, die angewandte Kunst des Glasblasens zu beobachten.

Nicht immer herrschte Beschaulichkeit, wie man sie heute verspürt: Bayern und Österreicher balgten sich jahrhundertelang um Kufstein. Und 1703 legte ein Grossbrand fast die ganze Stadt in Schutt und Asche, nur nicht jenes Quartier, in welchem sich das «Löchl» befindet. So kehrt man noch heute hier ein, zumal seit kurzem eine Felsenbar zum Ensemble dazu gehört, wo die lokale Jeunesse dorée unter mehr als 800 Sorten Gin wählen kann: der «Stollen 1930», Kufsteins neustes «Löchl».


www.auracher-loechl.at; www.riedel.com; www.kufstein.com (SonntagsZeitung)

Erstellt: 15.03.2017, 09:38 Uhr

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