Linzer Kulturrevolution

Wie die einstige Arbeiterstadt sich neu erfindet und dabei die schönen Künste entdeckt.

Blick in die Zukunft: Technik-Museum Ars Electronica Centre. Foto: PD

Blick in die Zukunft: Technik-Museum Ars Electronica Centre. Foto: PD

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Rauchende Schlote, wohin man sah. Abgaswolken, die den Himmel verdüsterten. Das war jahrzehntelang graue Realität in Linz. Aber der Gestank der Chemie und Schwerindustrie ist verflogen. Die einstige Arbeiterstadt, drittgrösste Österreichs nach Wien und Graz, hat sich komplett verwandelt.

Heute pflegt die Landeshauptstadt von Oberösterreich ein neues Image. Dank drastischer Umweltschutz-Massnahmen ist die Luft sauberer geworden. Linz wirkt bunter, frischer, moderner. Humus für ein lebendiges Kulturleben, das auch jüngere Menschen anlockt. Dafür hat die Stadtregierung tief in die Tasche gegriffen. In den letzten Jahren ist viel Geld in den Bau von Museen und Theatern geflossen. Dank Lentos, dem 2003 eröffneten Kunstmuseum, ein lichter Bau aus Glas und Sichtbeton, entworfen von den Schweizer Architekten Weber & Hofer, kann die Donaumetropole nun mit zeitgenössischer Kunst punkten.

Schräg gegenüber, auf der anderen Flussseite, wechselt seit 2009 die LED-Fassade des Ars Electronica Centers ständig die Farbe. Als Museum der Zukunft lässt es weit in die technische Welt von morgen blicken.

Wenn heute die Kreuzfahrtschiffe auf der Donau durch die Stadt gleiten, werden sie von Lichtinstallationen und moderner Architektur begrüsst. 2009 gab es dafür eine Belohnung: Linz durfte sich Kulturhauptstadt Europas nennen. Das hat weitere Projekte angeschoben: Jetzt schmückt sich die oberösterreichische Stadt mit 43 Galerien, einer 2015 in moderner Architektur neu eröffneten Bruckneruniversität für Musik, Schauspiel und Tanz sowie einem der modernsten Opern- und Theaterhäuser Europas – dem Musiktheater am Volksgarten. Ein Magnet – auch für Touristen aus dem Ausland. Die Besucher erwartet in der «City of Media Arts», eine Auszeichnung, die die UNESCO der Stadt verlieh, 2017 wieder ein gefüllter Festivalkalender.

Die Donau bringt Händler aus aller Welt nach Linz

Linz hat aber auch ein Stück österreichischer Gemütlichkeit bewahrt. In der Altstadt ist erstaunlicherweise viel historische Bausubstanz erhalten geblieben. Und das, obwohl die Stadt im Zweiten Weltkrieg zu fast Zweidrittel zerbombt wurde.

«Das hier war mal der grösste Marktplatz Österreichs», weiss die freundliche Bedienung im Café Glockenspiel und zeigt auf das langgezogene Rechteck, das sich vor dem beliebten Kaffeehaus ausbreitet. Sobald die Frühlingssonne wärmt, stehen hier die Tische und Stühle auf dem Pflaster des Hauptplatzes mit der 20 Meter hohen Dreifaltigkeitssäule, einer Pestsäule aus dem 18. Jahrhundert. Buchteln mit Marillenmarmelade und natürlich die berühmte Linzer Torte werden hier zur Melange oder dem Grossen Braunen serviert. Von den Tischen hört man englische, deutsche und holländische Satzfetzen herüberwehen.

Schon immer brachte die Donau Händler aus allen Teilen Europas an die Stelle, wo der Fluss einen Bogen macht. Schon 799 wurde Lentos (keltisch) oder Lentia (der römische Name des heutigen Linz) urkundlich als Handelsplatz erwähnt. Heute schliessen sich hier Bürgerhäuser mit barocken Fassaden zu einem adretten Ensemble zusammen.

Eine der meistbesuchtesten Fussgängerzonen

Von Marktplatz aus kann man sich wunderbar durch die Gassen der Altstadt treiben lassen und weiter zur Landstrasse schlendern: Ein Mix von modernen Modeboutiquen, Möbel- und Designläden, unterbrochen von rustikalen Traditions-Beisln, Delikatessengeschäften, Kinos und Cafés machen die Fussgängerzone der Stadt zu einer der meistbesuchtesten Österreichs. Wie passend, dass Linz sich das Motto «Lebenskunst» zum Jahresschwerpunkt 2017 gewählt hat. Und wie gut, dass dabei kein Abgaswölkchen mehr die Freude trübt.


www.linztourismus.at (SonntagsZeitung)

Erstellt: 14.03.2017, 14:17 Uhr

Die älteste Torte der Welt

Linzer Zuckerbäckerkunst als Exportschlager


Kreiert von einem genialen Wiener Zuckerbäcker namens Linzer? Oder erfunden in der Stadt an der Donau gleichen Namens? Das lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen. Es gibt sie einfach schon zu lange, die Linzer Torte.

«Wir backen Sie bei uns seit über 80 Jahren», sagt Leo Jindrak. Sein Grossvater, Kommerzialrat Leo Jindrak I., eröffnete 1929 in der Herrengasse in Linz eine Konditorei, in der die Torte hergestellt wurde. Erstmals erwähnt wird sie im 17. Jahrhundert. Damit ist das Tortenrezept das älteste der Welt.

Gräfin Anna Margarita Sagramosa gibt gleich vier Varianten an, die den Namen Linz im Titel tragen. Sie stehen in dem «Buech von allerley Eingemachten Sachen, also Zuggerwerckh, Gewürtz, Khütten und sonsten allerhandt» von 1653. Mehl, Butter, Zucker, Eier, Mandeln, Konfitüre und jeweils eine Messerspitze gemahlener Zimt und Nelken – mehr steckt nicht drin in dem beliebten Kuchen.

Gelee von Ribisel

Und trotzdem ist er überall leicht zu erkennen. Das typische Gittermuster über dem Gelee von Ribisel (roten Johannisbeeren) ist das Erkennungszeichen. Klar, dass die Linzer Torte zu einem berühmten Exportgut Österreichs wurde. In Linz gibt es keine Konditorei, kein Caféhaus, in dem die beliebte Mehlspeise in den Auslagen fehlt.

110'000 Stück werden jährlich von Konditormeister Leo Jindrak und seinen Mitarbeitern gebacken: «Die original Linzer Torte ist ein kulinarisches Stück Österreich», sagt der Verbandspräsident der Konditoren Österreichs. Für Linz-Touristen ein beliebtes Mitbringsel aus der Stadt an der Donau – und ein echter Exportschlager. «Wir verschicken sie sogar nach Australien, Afrika und auch in die Schweiz. «Bücher wurden über sie geschrieben, sogar eine Operette mit dem Titel «Linzer Torte» komponiert. Seit 2015 gibt es das Gebäck auch in einer jährlich wechselnden, eigens von Künstlerhand designten Dose zu kaufen – als köstliche Botschafterin der Donaumetropole.
Brigitte Jurczyk, Foto: Alpha (Flickr)

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