Auf Entdeckungstour durch Wien

Sie ist Theater- und Filmschauspielerin, Sängerin und gefragte Musical-Darstellerin. Iréna Flury, Wienerin mit Schweizer Pass, zeigt die Lieblingsplätze ihrer Heimatstadt.

Die Mariahilferstrasse ist seit ein paar Monaten eine Fussgängerzone, hier reihen sich kleine Restaurants, Warenhäuser und Boutiquen aneinander. Foto: Lukas Beck

Die Mariahilferstrasse ist seit ein paar Monaten eine Fussgängerzone, hier reihen sich kleine Restaurants, Warenhäuser und Boutiquen aneinander. Foto: Lukas Beck

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Treffpunkt Museumsquartier. Iréna Flury wartet am Haupteingang. Es windet, kalt, wie so oft in Wien, und die Schauspielerin, die etwa im Musical «Die Schweizermacher» in Zürich oder in «Romeo und Julia» bei den Thunerseespielen grosse Erfolge feierte, hüllt sich in ihren warmen Mantel. Das MQ, wie die Wiener das Quartier nennen, befindet sich in den früheren Hofstallungen und gehört heute zu den zehn grössten Kulturarealen der Welt. Neben Kunst – von Schiele bis Warhol –, dem Architekturzentrum, Designforum und Leopold-Museum finden sich hier auch viele Cafés und Restaurants.

Von hier führt uns Iréna über den parkähnlichen Theresienplatz mit dem imposanten Denkmal von Kaiserin Maria Theresia zu den beiden Barockgebäuden, die das Kunsthistorische und das Naturhistorische Museum beherbergen. «Da war ich oft während meiner Schulzeit», erklärt die schweizerisch-österreichischeDoppelbürgerin, «das war Pflichtstoff.» Gleich dahinter, auf der anderen Seite des Heldenplatzes, erstreckt sich der Gebäudekomplex der berühmten Hofburg, einst Sitz der Kaiser und Kaiserinnen.

Sachertorte mit Nüssen

Iréna geht die langgezogene Fassade der Nationalbibliothek entlang, wo über drei Millionen Schriften lagern, zu einem ihrer Lieblingsplätze: dem Café Palmenhaus. Im Sommer sitzt man draussen an der Sonne und geniesst den Blick auf den Burggarten, im Winter lässt man sich in tropischem Ambiente mit Kaffee und Kuchen verwöhnen. Iréna: «Wenn man ein Stück Zucker mitnimmt, kommen die farbigen Schmetterlinge angeflogen und setzen sich einem auf die Schulter.»

Die legendäre Sachertorte isst sie allerdings am liebsten in einem der Aida-Cafés. Sie wird – anders als das Original im Hotel Sacher – mit Nüssen zubereitet, was sie weniger trocken macht. Vom Palmenhaus gehts weiter hinauf zur Terrasse der Albertina mit der weltweit grössten grafischen Sammlung. Von hier bietet sich ein traumhafter Blick über die Innenstadt und die 1869 mit Mozarts «Don Giovanni» eröffnete Staatsoper.

«Der dritte Mann» – mit allen Dialogen

Auf der anderen Seite der Ringstrasse befindet sich das Burgkino, eines der ältesten Kinos der Stadt, das nicht nur Filme in der Originalfassung zeigt, sondern jeden Freitag um 23 Uhr auch den berühmtesten Streifen, der in Wien gedreht wurde: «Der dritte Mann». «Und zwar in der unzensurierten Fassung», wie Iréna beifügt. Für Österreich wurden nämlich ein paar Dialoge herausgeschnitten, die für das Land nicht gerade vorteilhaft waren.

Wolfgang, der heute Dienst hat, umarmt die berühmte Schauspielerin herzlich. Man kennt sich seit Jahren, auch wenn Iréna gesteht, dass sie «Den dritten Mann» nur ein einziges Mal gesehen habe. Dafür sass sie hier mal als Teenager ganz allein mit ihrer Freundin und schaute sich einen Film mit Leonardo DiCaprio an. «Das war wunderbar», erinnert sie sich lachend. «Nur wir und Leo.»

Wieder draussen, hat der Wind etwas abgenommen. Iréna führt uns über den Opernring zurück zum Museumsquartier, weg von den touristischen Sehenswürdigkeiten hin zu ihrer wahren Heimat, dem 7. Bezirk, in dem sie seit Jahren lebt. Die Mariahilferstrasse Richtung Westbahnhof ist seit ein paar Monaten eine Fussgängerzone, allerdings nicht so mondän wie etwa die berühmte Kärntnerstrasse, die vom Stephansdom zur Oper führt. Aber auch hier reihen sich kleine Restaurants, Warenhäuser und Boutiquen aneinander. Irénas Welt. Freunde grüssen, eine kurze Umarmung, ein Küsschen, oder bleiben für ein Schwätzchen stehen.

Das ist das Wien der Studenten und Künstler.

Iréna biegt von der Mariahilferstrasse rechts in die Kirchgasse ein, die zum idyllischen Siebensternplatz führt. Das ist das Wien der Studenten und Künstler. Im Nil oder im Café 7stern, das immer noch Sitz der kommunistischen Partei ist, sitzt man an gemütlichen Holztischen und kommt schnell ins Gespräch mit anderen Gästen. Es ist unkompliziert hier, heimelig, und man fühlt sich weit weg von der monumentalen Kulisse des kaiserlichen Wiens.

Iréna Flury bestellt ein kleines Bier und blickt hinüber zum Kosmos-Theater, wo ein Kollege von ihr gerade probt. Da sie zurzeit mehrheitlich in Berlin lebe, sei es immer wieder ein Heimkommen in dieses Quartier, sagt Iréna, die in einem Haus mit Garten ausserhalb der City im 18. Bezirk aufgewachsen ist. «Mein Herz gehört dieser Stadt.» Aber, fügt sie bei, manchmal brauche es auch etwas Distanz, wie eben von Berlin aus oder Los Angeles, wo sie über den Winter gearbeitet hat, um seine Heimat wieder zu schätzen.

Oder von Magdeburg aus, wo sie diesen Sommer als Maria in der «West Side Story» auf der Bühne steht. Spätestens ab Herbst aber wird sie wieder regelmässig in ihrem Quartier anzutreffen sein: Eben hat sie die Zusage bekommen für die Hauptrolle in einem neuen Wiener Musical. (SonntagsZeitung)

Erstellt: 17.03.2017, 08:52 Uhr

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