Wer den Tourismus in der Türkei jetzt retten soll

Die Tourismusindustrie des Landes hat im vergangenen Jahr einen drastischen Einbruch erlitten. Hoffnungen setzt die Türkei nun verstärkt auf Urlauber aus dem Nahen Osten.

Mit arabischen Touristen aus der Flaute: Badende Frauen auf der türkischen Ägäis-Insel Bozcaada. (Archiv)

Mit arabischen Touristen aus der Flaute: Badende Frauen auf der türkischen Ägäis-Insel Bozcaada. (Archiv) Bild: Kerim Okten/Keystone

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Anschläge, der Putschversuch, die Nähe zu Syrien: Die Türkei kommt für viele europäische Touristen als Urlaubsland nicht mehr in Frage. Ankara setzt seine Hoffnungen nun in Besucher aus der arabischen Welt.

Die Tourismusindustrie des Landes hat im vergangenen Jahr einen drastischen Einbruch erlitten. Blutige Anschläge, der gescheiterte Putschversuch im Sommer und der Konflikt im benachbarten Syrien schreckten viele westliche Reisende ab. Nach Angaben der türkischen Statistikbehörde beliefen sich die Einnahmen aus dem Tourismus im vergangenen Jahr auf umgerechnet knapp 22 Milliarden Euro. Das entsprach einem Rückgang um fast 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der Buchungen aus Deutschland sank ebenfalls um etwa 30 Prozent. Aus Bahrain dagegen kamen 28 Prozent mehr Urlauber, aus Jordanien waren es 25 Prozent und aus Saudiarabien 17 Prozent.

Projekte für gezielt ausgewählte Kundschaft

Sie zieht es vor allem in die ursprünglich gebliebene Region am Schwarzen Meer. Anders als am trubeligen Mittelmeer oder an der Ägäis tragen hier viele Strandurlauber Ganzkörper-Badeanzüge, und es gibt nur wenige Bars mit Alkoholausschank. Ihre Attraktivität für arabische Touristen will sich die Region zunutze machen. An der Küste sind mindestens vier grössere Tourismusprojekte im Gange, die sich gezielt an Besucher aus der Golfregion und aus anderen arabischen Staaten richten.

Nach Angaben eines Bauherrn aus Fats stammen die meisten seiner Kunden aus den Golfstaaten oder anderen Ländern im Nahen Osten. In der nahegelegenen Stadt Ayvacik in der Provinz Samsun ist ein Hügelgelände mit Seeblick für eine geplante arabische Feriensiedlung reserviert. Weitere Hotels und Ferienanlagen für arabische Gäste in der Region werden nach Angaben des örtlichen Touristikverbands bereits gebaut. «Araber möchten (im Urlaub) gerne dieselben Traditionen vorfinden wie zuhause», sagt der Touristikberater und Reisebüro-Inhaber Ahmed Saed Omar Marta aus Fatsa. «Das finden sie hier am Schwarzen Meer.»

Hoffen auf Rückkehr der Russen

Und das Land ist auf neue Touristen dringend angewiesen. Denn die Hoffnungen auf ein besseres Jahr 2017 hatten sich schon in der Silvesternacht zerschlagen: Bei einem Anschlag wurden 39 Menschen getötet, die meisten von ihnen Besucher aus dem Nahen Osten. Zu der Bluttat bekannte sich die Terrormiliz Islamischer Staat.

Die Türkei hofft ausserdem auf eine Rückkehr russischer Urlauber. Viele von ihnen hielten sich fern, seit die Türkei 2015 ein russisches Kampfflugzeug abgeschossen hatte. Die Regierung setzt sich auf höchster Ebene für ein Ende der Tourismusflaute ein. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan rief im Ausland lebende Türken auf, ihren Urlaub in der Heimat zu verbringen und dort auch Hochzeiten und andere grosse Feste abzuhalten. Dazu sollten sie möglichst ihre europäischen Freunde und Nachbarn mitbringen.

So sicher wie die USA

«Die Türkei ist das Land mit den besten Meeren, den besten Bergen, den besten Flüssen, den besten Böden, den besten Bäumen, der besten Sonne, dem besten Essen und Früchten, dem wärmsten und herzlichsten Lächeln und der besten Zeit, die man auf Erden haben kann», sagte Erdogan in einer leidenschaftlichen Rede.

Ministerpräsident Binali Yildirim betonte auf einem Tourismusforum in Istanbul, die Türkei sei nicht weniger sicher als europäische Länder, und rief Urlauber auf, das Land zu besuchen.

«Angst vor Terrorismus zu haben und Angst davor zu verbreiten, nützt nur dem Terrorismus», erklärte Yildirim. «Deshalb sage ich mit Stolz, dass die Türkei so sicher ist wie die USA. Istanbul ist so sicher wie Europa oder Paris.» (nag/dapd)

Erstellt: 05.03.2017, 09:18 Uhr

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