Schweiz
Bund geht gegen K.O.-Tropfen vor
Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 03.11.2008 53 Kommentare
Gefährliche K.O.-Tropfen
Gammahydroxy-Butyrolacton (GBL) wird in riesigen Mengen produziert und zur Herstellung von Bauchemikalien und Farben verwendet. Es kann ohne besondere Einschränkung gehandelt werden. GammahydroxyButtersäure (GHB) untersteht hingegen seit 2002 dem Betäubungsmittelgesetz. Handel und Konsum sind verboten. Die Stoffe sind sich sehr ähnlich. GBL wird im Körper zu GHB und wirkt ebenso. Weil GBL leichter erhältlich ist, wird es immer häufiger als GHB-Ersatz verwendet. (daf)
Seit fünf Monaten sitzt ein Zürcher Bankdirektor in Untersuchungshaft. Er wird verdächtigt, mehrere Frauen sexuell missbraucht zu haben, bestätigte die Zürcher Staatsanwaltschaft gestern. Der Mann soll seine Opfer mit K.o.-Tropfen wehrlos gemacht und sich an ihnen vergangen haben.
Die Tat ist kein Einzelfall. «Wir stellen eine massive Zunahme von Vergiftungen mit K.o.-Tropfen fest», sagt Hugo Kupferschmidt, Leiter des Toxikologischen Infozentrums. 2007 verzeichnete das Zentrum 47 Fälle von Patienten, denen ohne ihr Wissen betäubende Substanzen verabreicht wurden. 2006 waren es erst 31 Fälle gewesen. «Der Anstieg ist signifikant, zumal das nur die Spitze des Eisbergs ist», sagt Kupferschmidt. Meistens kamen die Substanzen GHB und GBL zum Einsatz – bekannt unter dem Namen K.o.-Tropfen oder Liquid Ecstasy (siehe Kasten).
Zunahme von Vergewaltigungen
«Bei uns melden sich immer mehr Frauen, die unter betäubenden Substanzen vergewaltigt wurden», sagt Daniela Brühwiler von der Zürcher Beratungsstelle Nottelefon für Frauen. Problematisch sei vor allem, dass sich die Opfer kaum an das Geschehene erinnern können, sie aber auf Grund von Samenspuren oder verrutschten Kleidern ahnen, was vorgefallen ist. «Oft schämen sich die Frauen, weil sie sich vom mutmasslichen Täter zu einem Drink einladen liessen», sagt Brühwiler. Bei den Tätern handle es sich um Fremde und um Freunde der Opfer. K.o.-Tropfen würden nicht nur in Bars und Clubs, sondern auch im privaten Rahmen verwendet.
Gemäss Donald Ganci, dem Leiter der Zürcher Beratungsstelle Streetwork, weiss das Partyvolk zwar um die Gefährlichkeit der Tropfen. Allerdings führten Alkohol und Ausgelassenheit nach wie vor zu Unachtsamkeit. Er empfiehlt, einen Drink nicht unbeobachtet zu lassen und sich bei Unwohlsein an das Personal zu wenden: «Es ist falsch, in einem solchen Fall frische Luft zu suchen. Draussen ist man ungeschützt». Ganci berichtet von einem Fall, bei dem kürzlich eine 18-Jährige in Zürich wegen Unwohlsein eine Bar verliess – und nach einiger Zeit mit zerrissenen Kleidern aufwachte und sich an nichts erinnern konnte. Die Frau wurde vermutlich sexuell genötigt. Ganci empfiehlt, auch im Zweifelsfall ohne zu duschen sofort zur Polizei zu gehen und Anzeige zu erstatten.
Farblos und geruchlos
Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind K.o.-Tropfen farb- und geruchlos und können unbemerkt in einen Drink gemixt werden. Nach 15 Minuten breitet sich Euphorie aus, die in Müdigkeit übergeht. Eine Überdosis führt zu tiefer Bewusstlosigkeit und Atemnot – in Kombination mit Alkohol kann dies tödlich sein. «Die Substanzen sind schwer dosierbar», sagt Lars Stark, ärztlicher Leiter des Beratungszentrums Gain. Die kritische Dosis sei schnell erreicht. Wie oft in der Schweiz freiwillig oder unfreiwillig GHB/GBL eingenommen werde, sei noch unklar: «Die Dunkelziffer ist enorm, da die Opfer selten zur Polizei gehen und nur ein Speziallabor die Substanz feststellen kann.» Werde jemand in ein Spital eingeliefert, bleibe eine GHB/GBL-Analyse meist aus. Genau das fordert aber Kupferschmidt vom Tox-Zentrum: «Notfallärzte sollten Patienten systematischer auf K.o.-Tropfen untersuchen. So haben die Opfer etwas in der Hand, falls sie Anzeige erstatten wollen.»
Handeln will nun auch der Bund. «Das BAG erarbeitet bis Ende Jahr einen Aktionsplan, um den GHB/GBL-Missbrauch zu vermindern», sagt Sprecherin Mona Neidhart. Die Chance, die Problematik über repressive Massnahmen in den Griff zu bekommen, sei allerdings gering.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 03.11.2008, 22:41 Uhr
Kommentar schreiben
53 Kommentare
Sorry d b, ein Minirock anhaben und Decoltée zeigen ist noch lange nicht ein Freipass für eine Vergewaltigung ! Ob mit oder ohne K.O.-Tropfen - eine solche Aussage als Begründung für die vermehrten Vergewaltigungen finde ich unpassend und unakzeptabel. Antworten
Weshalb ist das Niveau von Männern eigentlich so massiv gesunken, das verstehe ich einfach nie, schon vor Jahren gaben in D befragte Männer an, dass es falls die Gesetzgebungen dies erlauben würden es ihnen nichts ausmachen würde, eine Frau einfach zu vergewaltigen. Auch der Kasernenfall hat tief betroffen gemacht . Weshalb ist eine Frau heute zur billigen Massenverbrauchsware geworden?! Antworten
Schweiz
Live @ Sunset
11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





