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Christoph Blocher finanziert insgeheim die «Basler Zeitung»

Vor einem Jahr übernahm Moritz Suter die «Basler Zeitung».  Jetzt wird bekannt: Er ist der verlängerte Arm von Christoph Blocher – und wird bald abtreten müssen.

Entgegen allen öffentlichen Beteuerungen ist Christoph Blocher massgeblich an der «Basler Zeitung» (BaZ) beteiligt. Über ein kompliziertes Konstrukt von Verträgen hat er es geschafft, sich bei der BaZ die Macht zu sichern. Gleichzeitig trägt er alle finanziellen Risiken. Um das zu verschleiern, bedient er sich mehrerer Strohmänner. Wie funktioniert das Konstrukt? Im Mittelpunkt steht die BaZ-Holding. Sie besitzt sämtliche Aktien der «Basler Zeitung» und der Druckerei. Besitzer der BaZ-Holding ist Moritz Suter. Er hält 100 Prozent der Aktien und ist damit offiziell der Eigentümer. Er tritt denn auch seit gut einem Jahr als Verleger der BaZ auf. So weit der offizielle Teil, der für alle ersichtlich ist.

Bisher geheim sind zwei Dinge: Erstens existiert eine Geheimvereinbarung zwischen Suter und Blocher, laut der Suter sein Aktienpaket, das er vor Jahresfrist für 1 Million Franken gekauft hat, jederzeit an Blocher zurückgeben kann. Andererseits kann Blocher die Aktien von Suter innerhalb von sechs Monaten zurückverlangen. Diese Frist läuft seit September.

Der zweite Teil der Geheimvereinbarung betrifft ein Darlehen in der Höhe von knapp 70  Millionen Franken. Ursprünglich kam dieses Geld zinslos vom Anwalt Tito Tettamantis, dann von einem reichen Industriellen, der unter keinen Umständen genannt werden will.

Das war die Achillessehne des Konstrukts. Denn auf der Ebene der «Basler Zeitung» und der Druckerei fallen Verluste an – es besteht offiziell ein Bankkredit von 90 Millionen Franken, gehalten von einem Konsortium. Dieser Kredit ist wegen der hohen operativen Risiken zu hoch verzinst und soll von einem Hypothekarkredit abgelöst werden. Hierzu gab es erst einen Versuch unter Führung der Credit Suisse. Gescheitert ist das Geschäft an der Geheimniskrämerei über die wahren Besitzverhältnisse in der Holding. Einen zweiten Versuch gab es unter der Führung der beiden Basler Kantonalbanken. Ihnen gegenüber wurde Marcel Ospel als Kreditgeber des Holding-Darlehens genannt. Damit waren die Banken zufrieden. Doch plötzlich kamen Einwände von unbekannter Seite, es kam zu Verzögerungen, schliesslich scheiterte der Deal.

Streit um Darlehen

Offenbar gibt es eine weitere geheime Zusatzvereinbarung, die Ospel absichert und Blocher ein direktes Mitspracherecht einräumt. Mehrere Versuche, das Darlehen Ospels abzulösen, scheiterten, obwohl Suter in Basler Kreisen Geld zusammentrommeln konnte und eigentlich auf das Darlehen verzichten könnte. Inzwischen gibt es deshalb Streit zwischen Suter und Blocher, wie in der Zeitung «Sonntag» zu lesen war. Dies hat dazu geführt, dass Blocher seine Option ausgeübt hat – und Suter in den nächsten Monaten abtreten muss. Blocher seinerseits versucht, mit einem neuen Strohmann und einer einvernehmlichen Lösung mit Suter seine Rolle bei der BaZ weiterhin zu verschleiern. Ob dies gelingt, ist allerdings fraglich.

Schwierige Sanierung

Es wird nicht einfach sein, neue Investoren zu finden. Denn die «Basler Zeitung» und ihre Druckereien sind in einer schwierigen Lage. Vor allem seit auch noch ein riesiges Loch in der Pensionskasse zum Vorschein gekommen ist – sie muss saniert werden. Man spricht von 30 Millionen Franken, die fehlen.

Das Problem verschärft sich laufend, denn erstens ist die Kasse überaltert – wegen der vielen Pensionierten aus der Zeit, als die BaZ noch den Jean-Frey-Verlag besass. Zweitens sind 20 Journalisten zur Konkurrenz übergelaufen, ohne dass es bei der Pensionskasse technisch gesehen zu einer Teilliquidation gekommen ist. Die Journalisten haben 100 Prozent ihres Guthabens mitgenommen – obwohl der Deckungsgrad weit darunter liegt. Gelöst ist das Problem höchstens teilweise: Je 4,5 Prozent müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber die nächsten sieben Jahre an die Sanierung beitragen. Bei konservativ geschätztem Personalaufwand von 100'000 Franken pro Mitarbeiter sind das Mehrausgaben von jährlich 3,5 Millionen. Hinzu kommen Lohnerhöhungen, die Redaktoren, Drucker und Kader fordern – und teils erhalten.

Das Loch in der Pensionskasse verhindert aber eine grundsätzliche Lösung des Problems mit der Druckerei, die riesige Überkapazitäten hat. Denn wenn man nun die Druckerei schliessen würde, käme es zu einer Teilliquidation der Pensionskasse – und damit würden über 100 Drucker mit ungedeckten Pensionskassenansprüchen auf der Strasse stehen. Weiter sind die Druckanlagen nicht abgeschrieben, womit die Bilanz der ganzen Gruppe bei einer Schliessung der Druckerei in gefährliche Schieflage käme. Auch ein externer Investor wird sich kaum finden lassen, wenn er damit rechnen muss, dass er erst die Altlasten der Pensionskasse sanieren muss. Deshalb benötigt die BaZ eigentlich eine Sanierung mit zusätzlichem Eigenkapital. Dem standen aber bisher die Besitzverhältnisse entgegen.

Sinkende Leserzahlen

Unabhängig von den Besitzverhältnissen ist die operative Lage nicht gerade rosig. Vor kurzem kam es zum Streit mit der Inseratenvermittlerin Publicitas. Diese hat in Bezug auf Kommissionen andere Vorstellungen als Suter und BaZ-CEO Roland Steffen. Am 1. Oktober kündigt Publicitas die Zusammenarbeit. Bis zu 12 Millionen hat Publicitas zu den jährlichen Werbeerträgen beigetragen.

Heute ist die Lage im Inseratenmarkt noch prekärer als zu Suters Amtsantritt. Einerseits weisen die Leserzahlen vom September einen Rückgang von 8 Prozent auf. Andererseits sind der «Sonntag», die «Basellandschaftliche Zeitung» des Aargauer AZ-Verlags und die «Tageswoche» tief in BaZ-Verbreitungsgebiet eingefallen. Mit einer siebten Ausgabe am Sonntag will Suter Gegensteuer geben. Doch auch hier fallen zunächst Kosten an. Allein in den ersten drei Monaten der Grossauflage mit Druck und Vertrieb um die 2 Millionen Franken, wie Verlagsfachleute vorrechnen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.12.2011, 23:16 Uhr

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10 Kommentare

Jürg Schmid

09.12.2011, 12:00 Uhr
Melden 4 Empfehlung

Es gibt doch jetzt einen alt-Bundesratskanditat Zuppiger. Der hat bestimmt Kapazität frei und könnte den Posten übernehmen. Er würde bestens passen. Er soll ja "ä glatte Cheib" sein und wurde von der SVP für fähig erachtet Bundesrat zu werden und von E. Widmer-Schlumpf das Finanzdepartement zu übernehmen. Antworten


Bryan Stone

09.12.2011, 10:24 Uhr
Melden 2 Empfehlung

Blocher wie Berlusconi, Macht, Geld, Gier, Druck, Einfluss und Erpressung
Es würde alles einen aufregenden, aber billigen Roman machen; aber eben, es ist kein Roman
D'Ettiger
Antworten


René Bitterlin

09.12.2011, 08:49 Uhr
Melden 7 Empfehlung

Ich denke, jetzt, wo das Konstrukt doch langsam publik wird, werden sich die entscheidenden Kräfte in Basel sammeln, um den Herren Blocher/Somm das unselige Handwerk endgültig zu legen. CB hat BS ja eine 'Provinzstadt' genannt, wir bitten ihn mit der uns eigenen Höflichkeit, sich zun verabschieden ! Antworten


Christian Vontobel

09.12.2011, 00:00 Uhr
Melden 5 Empfehlung

Nun ist auch dieses letzte Subprime-Konstrukt von Marcel Ospel und seinen skrupellosen Geldgebern geplatzt. Es gibt also Sand und Bremsklötze im Blochergetriebe und in der braven neuen Welt der wohlhabenden Volkstribune geht nicht mehr alles seinen unheimlichen Gang. Aber was bedeutet dies für die regionalen Medien in Basel? Wenn die BaZ weiter fremdgeht, dann hilft nur noch die TagesWoche! Antworten


Andres Egger

08.12.2011, 20:42 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Als Basler sage ich: Moritz Suter, der sich in der Rolle des "nützlichen Idioten" zu profilieren suchte, ist in unserer Stadt erledigt. Abgeschrieben! Und die BaZ, das eh schon klägliche Überbleibsel aus der National-Zeitung/Basler Nachrichten-Epoche, wird durch den importierten Selbstdarsteller Somm und den machtgeilen Herrliberger Politgreis Blocher voll in die Wand gefahren. Abgeschrieben! Antworten


Urs Rösler

08.12.2011, 19:47 Uhr
Melden 10 Empfehlung

Dass grossflächig und schweizweit orientierte profitinteressierte Elemente mit industriellem Hintergrund die zutiefst erhaltenswerten regional verankerten Traditionen mittels gekauften Medien für ihre Interessen auzunützen versuchen, müsste eigentlich die konservativen Kräfte in unserem Land schon längst wachgerüttelt haben......
Noch zweifle ich an deren prüfenden Reaktionsfähigkeit.
Antworten


Rose Zschokke

08.12.2011, 11:37 Uhr
Melden 32 Empfehlung

Dass Blocher gut lügen kann, ist nichts Neues. Mir tut Basel leid, das so in den Würgegriff der SVP geraten ist. Antworten


Sebastian Laubscher

09.12.2011, 09:52 Uhr
Melden 11 Empfehlung

Sind wir nicht. Blocher wird sich hier die Zähne ausbeissen wie an einem alten Läckerli seiner Tochter Miriam!


Thomas Laubscher

08.12.2011, 20:48 Uhr
Melden 8 Empfehlung

Lieber FCB als SVP!


Roger Ammann

08.12.2011, 02:18 Uhr
Melden 17 Empfehlung

Ob das Ganze stimmt? Dann würde Blocher ja mächtig lügen. Antworten



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