Entführtes Flugzeug landete in Genf – Co-Pilot will Asyl in der Schweiz

Der äthiopische Co-Pilot witterte seine Chance, als der Chefpilot einer Boeing 767 der Ethiopian Airlines die Bordtoilette aufsuchte. Er schloss sich im Cockpit ein und verlangte Asyl in der Schweiz.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Eine Boeing 767-300 der Ethiopian Airlines ist heute Morgen entführt worden. Die Maschine musste um 6.05 Uhr auf dem Flughafen Genf landen. Wie die Genfer Behörden an einer Medienkonferenz mitteilen, handelt es sich beim Luftpiraten um den Co-Piloten der Maschine. Der Äthiopier mit Jahrgang 1983 soll in der Schweiz um politisches Asyl ersucht haben. Die Passagiere seien alle wohlauf.

Als der Chefpilot während des Fluges die Bordtoilette aufsuchte, nutzte der Co-Pilot offenbar diesen Moment, um sich im Cockpit einzuschliessen. Er sei aber nicht bewaffnet gewesen, sagte Eric Grandjean, Mediensprecher der Genfer Polizei. Die Passagiere seien nicht in Gefahr gewesen. Um vier Uhr morgens habe der Co-Pilot sich in Genf gemeldet und verlangt, landen zu können: Er sei in seinem eigenen Land nicht sicher und verlange Asyl. Im Internet zirkuliert hierzu ein Soundfile, auf dem zu hören ist, wie der Co-Pilot politisches Asyl in der Schweiz beantragt. Die Echtheit der Aufnahme ist nicht bestätigt.

Passagiere bekamen nichts mit

Während die Maschine über dem Flughafen Genf kreiste, verhandelte der Entführer mit den Behörden. Die Passagiere sassen derweil ahnungslos im Flugzeug und dachten, sie landeten jetzt in Rom. Erst als sie die Schriftzüge des Flughafens entziffern konnten, dämmerte ihnen wohl, dass hier etwas nicht stimmen konnte.

Begleitet von italienischen Eurofightern landete die Maschine schlussendlich in Genf. Danach kletterte der Luftpirat mit einem Seil aus dem Cockpitfenster und liess sich widerstandslos verhaften. Die Passagiere wurden derweil aufgefordert, das Flugzeug mit erhobenen Händen zu verlassen, sie wurden dabei von der Polizei einzeln zu wartenden Fahrzeugen eskortiert. Sie hätten medizinische und psychologische Betreuung erhalten.

Der Co-Pilot sei zurzeit in Untersuchungshaft und werde von der Polizei befragt, sagte Eric Grandjean, Mediensprecher der Genfer Polizei. Der Staatsanwalt von Genf, Olivier Jornot, sagte, eine Strafanzeige könne eine Haft von bis zu 20 Jahren nach sich ziehen. An der Pressekonferenz fragte ein Journalist, ob der Entführer tatsächlich Asyl erhalten könnte. «Dieser Mann hat keine guten Chancen», sagte dazu der Genfer Staatsrat Pierre Maudet (FDP).

Der Flughafen wurde abgeriegelt

Wie die Internetseite Airlinereporter.com zuvor berichtete, habe das Flugzeug um zwei Uhr morgens über dem Sudan das Notrufsignal 7500 abgesetzt, der Code steht für «Entführung».

Ethiopian Airlines bestätigte am Morgen, dass eines seiner Flugzeuge in der Nacht auf dem Flug (ET 702) von Addis Abeba nach Rom entführt wurde. Das Flugzeug sollte um 4.40 Uhr in Rom landen.

Der Flughafen wurde abgeriegelt und war rund zwei Stunden geschlossen. Zahlreiche Flüge wurden annulliert oder umgeleitet. Es kam zu massiven Verspätungen. Man hoffe, dass sich der Betrieb gegen Nachmittag wieder normalisiert habe, sagte Flughafenchef Robert Deillon.

Die Pressemitteilung der Ethiopian Airlines:

Die Anzeigetafel des Flughafens Genf zeigte an, dass die entführte Maschine sicher gelandet ist:

Die entführte Maschine am Morgen am Flughafen in Genf:

(ldc/kle)

(Erstellt: 17.02.2014, 07:11 Uhr)

1987 endete eine Entführung in Genf blutig

Am Flughafen Genf kam bereits vor knapp 27 Jahren ein entführtes Flugzeug an. Die damalige Entführung endete blutig. Am 24. Juli 1987 landete in Cointrin eine DC-10 der Air Afrique, die vom libanesischen Luftpiraten Hariri entführt worden war. Das Flugzeug befand sich auf dem Weg von Brazzaville (Kongo) nach Paris. Der Luftpirat brachte das Flugzeug nach einer Zwischenlandung in Rom in seine Gewalt und forderte, Beirut anzufliegen.

Wegen Treibstoffmangels landete die Maschine in Genf. Dort tötete Hariri einen französischen Passagier, weil ein Ultimatum ohne Resultat verstrich. Ein Besatzungsmitglied wurde schwer verletzt. Der Luftpirat konnte schliesslich überwältigt werden. (sda)

An Bord der Maschine waren 200 Passagiere: Alle blieben unverletzt. (Video: Reuters )

Sponsored Content

Oktoberfest München 2016

Mit SBB RailAway zum Oktoberfest in München.

Werbung

Kommentare

Service

Für Selbstständige und KMU

Tragen Sie Ihre Firma im neuen Marktplatz des Tages-Anzeigers ein.

Die Welt in Bildern

Doppelt gemoppelt: Ein Fan, der das Konterfei des indischen Filmstars Rajinikanth auf dem Rücken trägt und sich zusätzlich als solcher verkleidet hat, steht vor einem Kino in Bengaluru, wo der neue Streifen Kabali gezeitg wird. (22. Juli 2016)
(Bild: Abhishek N. Chinnappa) Mehr...