Evangelikale missionieren bei Asylsuchenden

Muslime erhoffen sich mit der Konvertierung zum Christentum grössere Chancen für ein Bleiberecht.

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Freikirchlich-evangelikale Gruppen intensivieren seit längerem die Kontakte zu Muslimen in der Schweiz, um sie zum Christentum zu bekehren. Besonders fruchtbar sind solche Bemühungen bei Asylsuchenden, die auf eine Bleibebewilligung hoffen und deshalb jede Unterstützung annehmen. Dies machen sich einige Organisationen zunutze. So hat die Arbeitsgemeinschaft Religionsfreiheit im Juli 2012 eine Beratungsstelle eröffnet für Asylsuchende, die bereit sind, zum Christentum zu konvertieren, oder die dies bereits getan haben.

Betroffene werden juristisch und administrativ beraten, zudem erhalten sie Kontakte zu Medien, Verwaltung und Politik. Doch ganz unbürokratisch ist die Hilfe nicht: Zuerst müssen Antragsteller ihre Zugehörigkeit zum Christentum beweisen. Im Zweifelsfall werden sie mithilfe von Partnerorganisationen, die in den Herkunftsländern stationiert sind, durchleuchtet. Das Interesse an der Beratung sei gross, sodass man schon nach vier Monaten an einen Ausbau denke, sagt Linus Pfister, Leiter der Beratungsstelle.

Kritik der Landeskirchen

Ähnlich agiert der Verein Aseba von Daniel Zingg, der auf die Verbreitung von Bibel-Inhalten spezialisiert ist. Zingg unterstützt ebenfalls Personen in Asylverfahren, nachdem er sich in persönlichen Gesprächen davon überzeugt hat, dass der neue Glaube «echt» ist. Die Landeskirchen kritisieren diese Vorgehensweise. Christliche Hilfe dürfe nicht an Bedingungen geknüpft werden. Ausserdem fördere diese Praxis opportunistisch motivierte Übertritte zum Christentum.

Weil die Gefahr besteht, dass religiöse Gründe vorgeschoben werden, um die Chancen auf Asyl zu erhöhen, schaut auch das Bundesamt für Migration besonders genau hin bei solchen Gesuchen. Fälle, in denen die Asylsuchenden erst in der Schweiz zum Christentum konvertiert sind, behandelt der Bund eher restriktiv.

Hohes Risiko im Ausland

Die Missionierung von Muslimen haben sich in erster Linie evangelikale und charismatische Freikirchen zur Aufgabe gemacht. Sie missionieren nicht nur Asylanten in der Schweiz, sondern schicken auch Hunderte Missionare in islamische Länder. Die Bekehrungsversuche sind vor allem in islamistischen Gebieten mit einem hohen Risiko verbunden. Werden die christlichen Verkünder enttarnt, droht ihnen und den Konvertiten die Todesstrafe. Oft werden sie von Islamisten kaltblütig ermordet. Diese moderne Form der Christenverfolgung ist nicht nur in islamischen Ländern zu beobachten, sondern auch in totalitären Regimen wie Nordkorea, China und Kuba.

Viele bibeltreue Missionare lassen sich davon nicht abschrecken. Sie glauben, den Auftrag Gottes erfüllen und das Evangelium in alle Winkel der Welt tragen zu müssen, wie es in der Bibel steht. Mit der Missionierung erfüllen sie auch eine apokalyptische Bedingung: Die Endzeit bricht erst an, wenn alle Menschen das Wort Gottes erfahren haben. Dieser religiöse Eifer führt oft zu politischen und sozialen Spannungen. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 18.10.2012, 07:03 Uhr)

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