Schweiz
Mit Aktionspreisen werden junge Raucher angefixt
Von Maurice Thiriet. Aktualisiert am 11.11.2008
Ein hoher Zigarettenpreis ist bei Jugendlichen ein starker Präventionsfaktor. (Bild: Keystone)
Viele junge Raucher freut es: Parisienne in Karton-Päckli sind seit Oktober vielerorts 50 Rappen billiger als die übrigen Markenzigaretten. Und wer sie raucht, schützt die Umwelt, weil die bis anhin aus Aluminium gefertigte Deckfolie neuerdings aus Papier und biologisch schnell abbaubar ist. So lautet die Botschaft, die British American Tobacco (BAT) mit der Promotionskampagne Parisienne Kompost vermitteln will. BAT gibt damit nach Parisienne Budget, die im Herbst für 5.50 Franken am Kiosk verkauft worden ist, bereits zum zweiten Mal innert eines halben Jahres eine Markenzigarette massiv verbilligt ab.
Beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) ist man nicht erfreut. «Ein hoher Zigaretten-Preis ist besonders bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein starker Präventionsfaktor. Dieser wird nun ein weiteres Mal unterlaufen», sagt eine BAG-Sprecherin. Sie dürfe leider nicht deutlicher werden, was sie von diesen «Anfix-Aktionen» der Zigaretten-Multis halte.
BAT wehrt sich gegen den Vorwurf, mit der jüngsten Parisienne-Kampagne auf jugendliche Konsumenten abzuzielen. «Parisienne Kompost ist überraschend und unkonventionell. Das sind urschweizerische Werte, mit denen wir die Konsumenten darauf aufmerksam machen wollen, dass wir uns für den Umweltschutz engagieren», sagt BAT-Sprecherin Audrey Guibat. Die Kampagne ziele auf die Altersgruppe der 25-Jährigen und solle die Markentreue festigen.
Zigarettenpromotionen verbieten
«Humbug», sagt der EVP-Nationalrat Walter Donzé, der solche Promotionsaktionen generell verbieten will und bisher vergeblich einen Mindestpreis für Zigaretten gefordert hat. «Die Tabakmultis propagieren den Jugendschutz, tun aber das Gegenteil. Parisienne ist ein extrem geschickt positioniertes Produkt, und die Zielgruppe sind junge Einsteiger», sagt Donzé. Er wird in der Dezembersession einen neuen Versuch unternehmen, den Bundesrat zur Erhöhung des Mindeststeuersatzes auf den Verkauf von Zigaretten zu bewegen. Dieser liegt derzeit bei 3.46 Franken pro Zigarettenpäckli.
Viel zu tief, findet Thomas Beutler von der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention. «Bei einem solchen Steuersatz können die Multis Zigaretten zu 5.50 Franken verkaufen, und sie machen immer noch 1.50 Franken Gewinn», sagt er. «Der Bundesrat hat noch 60 Rappen Spielraum nach oben, den sollte man nun nutzen», fordert der Präventionsfachmann.
Ein Ende der breit angelegten Promotionskampagnen mit verbilligten Markenzigaretten ist nicht absehbar. Im Gegenteil, BAT scheint mit dieser Strategie die Billigzigaretten von Grossverteilern wie Aldi und Denner im Markt bekämpfen zu wollen. «Vorübergehend verbilligte Zigaretten ziehen junge Raucher an, die so auf die Marke gehievt werden und dieser nachher treu bleiben», sagt Beutler. Die trendigen Parisienne-Kampagnen tun ein Übriges. Wie bei Parisienne Budget läuft das Geschäft mit Parisienne Kompost wie geschmiert, wie sämtliche angefragte Kioskbetreiber bestätigen.
Zwar legen die Tabak-Multis keine Marktforschungsergebnisse offen, doch ein Aussendienstmitarbeiter von BAT weist laut gut informierten Quellen Kioskbesitzer darauf hin, dass der Marktanteil von Parisienne bei den Neueinsteigern gestiegen sei. Das freut auch die Kioskbesitzer. Denn die verdienen mit, wenn künftig viel geraucht wird. Über sogenannte Rückvergütungsverträge beteiligen die Tabak-Multis die Kioskbesitzer an den Umsätzen, zahlen also Boni aus. Dafür verlangen sie Gegenleistungen, bestimmen etwa, wie die Zigaretten-Regale eingefüllt werden. Ein Kioskbesitzer, der Partner von Philipp Morris (PM) ist, stellt die Promotionszigaretten der PM-Marke Chesterfield zum Beispiel in die Mitte des Regals und auf Augenhöhe der Kunden. Die Chesterfield sind noch günstiger als Parisienne Budget: Zwei Packungen gibt es für zehn Franken. Je mehr er davon verkauft, desto grösser ist die Rückvergütung am Ende des Jahres, die seinem Kleinkiosk bis zu 1000 Franken einbringt.
(Tages-Anzeiger)
Erstellt: 11.11.2008, 07:02 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





