Nationalbank muss immer mehr grosse Scheine drucken

Heute ist ein Viertel mehr 1000er-Noten im Umlauf als vor zwei Jahren. Nun fordern Politiker, die grosse Note sei aus dem Verkehr zu ziehen.

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Schweizer Bargeld ist gefragter denn je. Aktuell sind gemäss Statistik der Nationalbank rund 60 Milliarden Franken in Form von Banknoten im Umlauf, und es werden immer mehr. Das Erstaunliche: Mehr als 60 Prozent des gesamten Wertes decken die 1000er-Noten ab, obwohl sie im Alltag kaum Verwendung finden. Der Bestand der grössten Note stieg besonders in den vergangenen Jahren noch einmal überdurchschnittlich stark an. Der Statistik zufolge waren im Mai 36,4 Millionen 1000er-Noten im Umlauf. Das sind 11 Prozent mehr als im Vorjahresmonat und sogar 26 Prozent mehr als im Mai 2011.

Die Nationalbank folgert daraus, dass Schweizer Banknoten nicht nur als Zahlungs-, sondern «in erheblichem Umfang auch als Wertaufbewahrungsmittel» verwendet werden. Seit der ersten Finanzkrise im Herbst 2008 sei wohl auch das Vertrauen ins Bankensystem verloren gegangen, sagt Sprecher Walter Meier. Manch ein Sparer oder Anleger erachte es wohl als angebracht, einen Teil der Ersparnisse in Franken-Bargeld aufzubewahren, auch im Ausland.

Und dazu eignet sich die 1000-Franken-Note bestens. Hinter der 10'000-Singapur-Dollar-Note (ca. 7500 Franken) ist sie der zweitwertvollste Geldschein überhaupt.

Geld der Kontrolle entziehen

Dass das Schweizer Bargeld gerade in Krisenzeiten als sicherer Hafen geschätzt wird, ist eine Erklärung für die Entwicklung. Eine andere Interpretation ist weniger schmeichelhaft: Die Bargeldzunahme könne auch damit zusammenhängen, dass versucht werde, Geld der verstärkten Kontrolle der Banken zu entziehen, sagt Hans-Peter Bauer, Geldwäschereiexperte beim Basel Institute on Governance. Die Weissgeldstrategie könnte den Bargeld-Boom also noch befeuert haben. Unter dem Strich sei wohl eine Summe von Gründen für die Entwicklung verantwortlich, sagt Bauer.

Diese Einschätzung teilt Daniel Thelesklaf, Leiter der Stabsstelle zur Geldwäschereiabwehr im Fürstentum Liechtenstein. Auch er glaubt, dass ein Teil der Zunahme dadurch begründet sei, dass Bankkunden unversteuerte Vermögen bar abziehen. Gleichzeitig gibt Thelesklaf zu bedenken, dass Banken sehr zurückhaltend geworden seien, wenn jemand grosse Bargeldsummen beziehen oder neu platzieren wolle. Es sei heutzutage schwierig, Beträge von mehreren Hunderttausend oder Millionen Franken wieder in Umlauf zu bringen, sagt Thelesklaf.

500-Euro-Note für Kriminelle

Nichtsdestotrotz gibt der hohe Bestand von 1000-Franken-Noten linken Finanzpolitikern zu denken. Sie sei schockiert von den Grössenverhältnissen, sagt SP-Nationalrätin Margret Kiener Nellen. Der hohe Wert der einzelnen Note unterstütze illegale Praktiken, weil er den Transport von grossen Barsummen erleichtere. In der Tat lässt sich 1 Million Schweizer Franken in 1000er-Noten beispielsweise ohne weiteres in zwei 1-Liter-Tetrapacks verstauen.

Bei dieser grossen Menge an 1000er-Noten müsse etwas unternommen werden, sagt Kiener Nellen. Deshalb wolle sie in der anstehenden Revision des Geldwäschereigesetzes die Forderung einbringen, die 1000-Franken-Note sei abzuschaffen. Auch für Parteikollegin Susanne Leutenegger Oberholzer haben die grossen Noten ausgedient. Im Zeitalter des elektronischen Geschäfts- und Zahlungsverkehrs seien sie überholt, sagt sie. Deshalb könne man die 1000er-Note schadlos abschaffen. Zudem eigneten sich die Noten im täglichen Verkehr nicht als Zahlungsmittel, da sie häufig gar nicht angenommen würden.

Mit der lancierten Diskussion um die Abschaffung des höchsten Notenwertes entspricht die Schweiz einem internationalen Trend. Der Vizepräsident der Europäischen Zentralbank, Vítor Constâncio, hat im Frühjahr angeregt, die 500-Euro-Note abzuschaffen. In Grossbritannien ist der Schein in Wechselstuben schon gar nicht mehr erhältlich, nachdem eine Untersuchung der britischen Agentur gegen organisierte Kriminalität ergeben hatte, dass 90 Prozent der Nachfrage nach 500-Euro-Noten aus kriminellen Kreisen stammte. Und in Kanada wurde der 1000-Dollar-Schein bereits vor über zehn Jahren auf Empfehlung der Polizei aus dem Verkehr gezogen.

Nationalbank bestimmt Grössen

Ob das Schweizer Parlament die Grösse der einzelnen Notenwerte aber überhaupt beeinflussen kann, ist fraglich. Laut einem Sprecher des Finanzdepartements ist die Stückelung «alleinige Sache der Nationalbank». Und diese sieht derzeit keinen Anlass, von den aktuellen Notenwerten abzurücken. Auch die nächste Serie werde wieder einen 1000-Franken-Schein beinhalten, sagt Sprecher Meier. Die Note habe eine wichtige Funktion, beispielsweise auch auf dem Auto-Occasionsmarkt oder im Viehhandel. (Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 08.08.2013, 06:29 Uhr)

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