So haben die Jungen gewählt

Die SVP hat besonders viele Nichtwähler mobilisieren können, zeigt die Tamedia-Wahlstudie. Auch die Jungen, die am Sonntag zum ersten Mal zur Urne gingen, wählten eher rechts.

Stimmverteilung der Erstwähler (Alle Teilnehmer der Umfrage, die 2011 nicht stimmberechtigt waren. Das sind zu 90% Jungwähler).


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Die SVP hat unter den Erstwählern am meisten Stimmen mobilisieren können. 90 Prozent der Erstwähler sind Junge, die am Sonntag erstmals wählen konnten, der Rest Eingebürgerte. Das zeigen Resultate der Tamedia-Wahlstudie von Sotomo. Befragt wurden rund 37'700 Wähler. 25 Prozent der Jungen wählten die Volkpartei. Gleich dahinter folgt die SP mit 22 Prozent, die Freisinnigen kommen auf 17 Prozent. Die CVP wurde von 11 Prozent der Erstwählern gewählt.

Verglichen mit dem gesamten Wähleranteil von 29,4 Prozent kommt die SVP zwar unter den Erstwählern auf weniger Stimmen. Die Einbusse kommt der SP zugute, die in allen Wählersegmenten nur 18,8 Prozent erreicht. Zusammen mit der FDP haben aber auch unter den Erstwählern über 40 Prozent rechtsbürgerlich gewählt.

SVP bei Nichwählern noch stärker

Die Sotomo-Befragung hat auch das Stimmverhalten von ehemaligen Nichtwählern untersucht. Besonders die Volkspartei konnte mobilisieren: Rund 38 Prozent derjenigen, die bei der letzten Wahl 2011 nicht zur Urne gingen und am Sonntag gewählt haben, stimmten für die SVP. Mit grossem Abstand folgen SP mit 18 Prozent, die FDP mit 14 Prozent und die CVP (8 Prozent).

Das Forschungsinstitut gfs.bern kommt in ihrer Nachwahlbefragung zu ähnlichen Resultaten: 40 Prozent Prozent der ehemaligen Nichtwähler stimmten für die SVP, an zweiter Stelle folgt aber die FDP (18 Prozent), an dritter Stelle die SP (13 Prozent). Die Gfs-Umfrage umfasst rund 1000 Personen.

Politikwissenschaftler nennen die positive Kampagne und die hohe Präsenz im Netz als Gründe für die hohe Mobilisierung der SVP-Wähler. Entscheidend in der Wahrnehmung der Wähler sei aber die Migrationsthematik gewesen, sagt Politologe und Wahlstudien-Autor Michael Hermann. «Die ehemaligen Nichtwähler haben als Grund für die Wahlteilnahme in erster Linie die veränderte Problemlage angegeben.»

Methodik

Die Stichprobe Die Nachwahlbefragung zu den nationalen Parlamentswahlen 2015 lief zwischen dem 16. und 18. Oktober 2015 auf den Webseiten der Medien von Tamedia. Für die Auswertung der Problemnennungen wurden die Angaben derjenigen Befragten berücksichtigt, die sich bis Sonntag Abend um 17.00 Uhr beteiligt hatten. Insgesamt beteiligten sich bis zum besagten Zeitpunkt 39’828 Personen an der Umfrage. Rund 37'700 gaben dabei an, an den Wahlen teilgenommen zu haben. Weil die Stichprobe nicht auf einer Zufallsauswahl beruht, können nur Punktschätzungen der Wählerpräferenzen angegeben werden. Der Stichprobenfehler, der bei Zufallsauswahlen jeweils ausgewiesen wird und die Fehlerspanne der Parameterschätzung angibt, kann bei opt-in Umfragen nicht berechnet werden.

Die Gewichtung Bei der vorliegenden Umfrage handelt es sich um eine Befragung, bei der sich die Teilnehmer selbst rekrutierten (opt-in online survey). Weil diese Stichprobe nicht repräsentativ für die Schweizer Stimmberechtigten (bzw. Wahlteilnehmenden) steht, wurde sie auf Repräsentativität gewichtet. Zu den Gewichtungsmerkmalen gehören das Alter, das Geschlecht, der Kanton, das Bildungsniveau sowie das Entscheidungsverhalten bei vergangenen Wahlen und Abstimmung. Diese Gewichtung gewährleistet eine hohe soziodemographische und politische Repräsentativität der Stichprobe.

(hvw)

(Erstellt: 20.10.2015, 11:16 Uhr)

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