Schweiz
Tibeter schmuggeln Dokumentarfilm in die Schweiz
Von Florian Blumer. Aktualisiert am 13.08.2008
Nachrichtenbeitrag über die geheime Erstaufführung des Films in einem Hotelzimmer in Peking.
Gespräche über den Alltag und Olympia: Amateurfilmer führten über 100 Interviews in entlegenen Regionen Tibets.
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«Leaving Fear Behind»: So nennt der Schweiz-Tibeter Gyaljong Tsetrin den Film, den er aus dem Rohmaterial seines in Tibet lebenden Cousins Dhondup Wangchen zusammenschnitt. «Die Angst überwinden» - dieser Schritt stand am Anfang des Projekts des Strassenhändlers Wangchen, das er zusammen mit dem Mönch Golog Jigme anpackte. Sie machten sich auf, kreuz und quer durch Tibet zu reisen und Landsleute vor der Kamera zu ihrem Alltag unter chinesischer Herrschaft und ihrer Meinung zu Olympia zu befragen. Wie gross diese Gefahr effektiv war, zeigte sich wenige Tage nach Fertigstellung der Aufnahmen.
Noch am Morgen des 10. März 2008 lief die Kamera. Kurz darauf schafften es Wangchen und Jigme, die bespielten Tapes aus Lhasa hinaus zu schmuggeln - nur Stunden bevor der Aufstand ausbrach und China Tibet komplett abgeriegelte. 13 Tage darauf wurde Jigme verhaftet, weitere 3 Tage später auch Wangchen. Von beiden fehlt seit Mitte Juli jede Spur.
Der Dalai Lama rührt zu Tränen
Die Bänder fanden den Weg zu Wangchens Cousin Tsetrin, der seit 2002 als anerkannter Flüchtling in der Schweiz lebt - über Wege, die dieser nicht offen legen will. Tsetrin machte sich mit Hilfe eines weiteren Schweiz-Tibeters sogleich an die Bearbeitung der Aufnahmen.
Der daraus entstandene 25-minütige Film ist insofern einzigartig, als dass er eine komplett tibetische Produktion ist. In einer besonders starken Szene des Films sieht man Wangchen, wie er Tibetern ein Video ihres religiösen Oberhaupts zeigt. Darin sieht man den Dalai Lama, wie er vom amerikanischen Präsidenten die Goldmedaille des US-Kongresses überreicht bekommt. Der verbotene Anblick - schon der Besitz eines Dalai-Lama-Porträts kann in Tibet zur Verhaftung führen - überwältigt die Anwesenden. Sie brechen in Tränen aus und beginnen, sich vor dem Fernsehbild des Dalai Lama niederzuwerfen.
Medienpräsentation verhindert
Kurz vor der Eröffnung der olympischen Spiele reiste eine Kopie des Films zurück nach China - im Gepäck zweier Deutscher, die ihn in Peking den Medien präsentieren wollten. Unter grösster Geheimhaltung gelang es ihnen, den Film einer kleinen Gruppe von internationalen Journalisten in einem Hotelzimmer vorzuführen. Als anschliessend eine grössere Gruppe von Medienleuten für eine zweite Vorführung erschien, griffen zivil gekleidete Polizisten ein und beendeten die Veranstaltung. Das Hotel blieb danach für Wochen geschlossen.
In Hong Kong, das eigentlich keine Visumspflicht kennt, scheiterte eine Pressevorführung daran, dass die aus der Schweiz angereiste Tibeterin gar nicht erst den Zoll passieren konnte. Einzig in der indischen Hauptstadt Delhi gelang es Familienmitgliedern Wangchens, den Film einer grösseren Gruppe von Journalisten zu zeigen. Morgen Abend wird er in Zürich weltweit erstmals der Öffentlichkeit vorgeführt.
Premiere «Leaving Fear Behind» (englische Untertitel): Donnerstag, 14. August, 18.00 Uhr, Kino Xenix. Produzent Gyaljong Tsetrin wird anwesend sein. Eintritt frei, Kollekte für dessen Familie. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 13.08.2008, 08:10 Uhr
Schweiz
Live @ Sunset
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Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





