Schweiz

Die Polanski-Protokolle

Aktualisiert am 01.10.2009

Bei einer Gerichtsbefragung im März 1977 schilderte die damals 13-jährige Samantha Geimer, wie sie von Roman Polanski vergewaltigt worden war. Ein Journalist hat die Gerichtsakten ausgewertet.

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Ihm drohte immer bei Einreise in die USA Gefängnis: Roman Polanski. Jetzt wurde er in der Schweiz verhaftet. Der Regisseur erschuf internationale Leinwand-Klassiker, darunter «Ekel» (1965 mit Catherine Deneuve), «Tanz der Vampire» (1967), «Rosemary's Baby» (1968), «Chinatown» (1974), «Frantic» (1988) und 2002 der Alterserfolg «Der Pianist».
Bild: Keystone

   
Vor 31 Jahren und heute: Samantha Geimer.

Vor 31 Jahren und heute: Samantha Geimer.

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«Ich hätte am liebsten geweint. Ich sagte nur: Nein, nicht doch. Hören Sie auf. Aber ich hatte Angst.» Diese Aussage stammt von der damals 13-jährigen Samantha Geimer. Wenige Wochen, nachdem sie von Roman Polanski vergewaltigt worden war, musste sie im März 1977 vor Geschworenen aussagen. Sie berichtete, was ihr in der Villa von Jack Nicholson widerfahren war. Ein amerikanischer Journalist hat die Gerichtsakten ausgewertet und in einem Artikel verarbeitet, der nun in der «Los Angeles Times» erschienen ist.

Das Mädchen erzählte, dass sie zunächst die Bluse ausgezogen habe, weil sie von Polanski aufgefordert dazu worden war. Danach sei er ins Badezimmer gegangen, habe dort ein Stückchen einer Quaalude-Pille (ein Medikament, das als Hypnotikum dient, aber auch als Droge missbraucht wird) genommen und ihr ebenfalls etwas davon angeboten. Sie habe es genommen und mit Champagner runtergespült. Anschliessend habe Polanski vorgeschlagen, zur Jacuzzi hinauszugehen. Dort sei er ihr immer näher gekommen. Beide seien nackt gewesen. Danach habe er sie aufgefordert, ins Schlafzimmer zu gehen, gab das Mädchen zu Protokoll. Sie habe Angst gehabt und sagte, sie müsse nach Hause gehen. Dies habe Polanski aber nicht interessiert, ist in der «Los Angeles Times» nachzulesen.

Sie wehrte sich nicht, weil sie Angst hatte

Was dann geschah, schilderte die damals 13-Jährige so: Polanski küsste sie, dann presste er seinen Mund auf ihre Vagina. Das Mädchen hatte versucht, sich zu wehren. «Lassen Sie mich in Ruhe», sagte sie mehrmals. Es nützte nichts. Schliesslich begann er mit Geschlechtsverkehr. Zu diesem Zeitpunkt habe Polanski begonnen, sich über mögliche Folgen Sorgen zu machen. Er habe sie gefragt, ob sie die Pille nehme. Nein, habe sie geantwortet. Polanski habe einen Ausweg gesehen. «Er sagte: ‹Möchtest du, dass ich dich von hinten nehme?›» Und ich sagte, ‹Nein›.» Doch das hielt Polanski laut Aussage des Mädchens nicht von seinem Vorhaben ab, und er begann Analverkehr mit ihr, so der Bericht in der «Los Angeles Times».

Sie habe sich nicht wirklich gewehrt, sagte das Mädchen, «denn ich hatte Angst vor ihm.» Sie bezeugte, dass Polanski nach dem Analverkehr zu ihr gesagt habe: «Erzähle deiner Mutter nichts davon. Das bleibt unser Geheimnis.» Doch Samantha Geimer wollte dieses Geheimnis nicht für sich behalten. Zu Hause erzählte sie der Mutter von der Vergewaltigung. Und diese meldete sich bei der Polizei. Zwei Wochen später wurde Polanski angeklagt. (vin)

Erstellt: 01.10.2009, 13:09 Uhr

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