«Grosses Schachspiel» – Polanski mit neuer Strategie
Was machen seine Anwälte heute Abend: Roman Polanski. (Bild: Keystone)
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Es wird erwartet, dass die Anwälte des US-Regisseurs dem Richter Peter Espinoza ihre neue Strategie in dem über 30-jährigen Verfahren darlegen. Laut einer Gerichtssprecherin hatten die Anwälte Polanskis um die Anhörung ersucht. Diese soll um 15 Uhr Lokalzeit (24 MEZ) stattfinden. Über ihre Vorgehensweise wollten sich die Anwälte im Vorfeld des unerwartet anberaumten Gerichtstermins nicht äussern. Voraussichtlich antworten sie auf den Vorschlag eines kalifornischen Berufungsgerichts vom Dezember.
Dieses hatte eine Einstellung des Verfahrens zwar abgelehnt, zugleich aber empfohlen, die US-Justiz solle erst in Abwesenheit des 76-jährigen Regisseurs prüfen, ob bei der ersten Verhandlung des Falls in den 70er-Jahren tatsächlich vieles schief gelaufen sei. Gebe es Beweise für Verfahrensfehler, könne Polanski mit einer raschen Freilassung aus der Auslieferungshaft rechnen.
Keiner weiss, was der andere tut
Laurie Levenson, eine mit dem Fall vertraute Rechtsprofessorin, sagte dem Sender ABC gegenüber, die Anwälte Polanskis könnten das Gericht darum beten, den Beschuldigten in Abwesenheit zu verurteilen. Sie könnten auch testen wollen, wie das Gericht reagieren würde, wenn Polanski in die USA zurückkehren würde. «Das ist ein grosses Schachspiel, bei dem keine Seite weiss, was der andere als nächsten Schritt plant», so Levenson weiter.
Zurzeit bereitet das Bundesamt für Justiz seinen Entscheid auf das Auslieferungsgesuch der USA vor. Wann dieser falle, darauf wollte sich Sprecher Folco Galli am Mittwoch nicht festlegen. «Sollte das amerikanische Verfahren eingestellt werden, bestünde keine Grundlage mehr für das amerikanische Auslieferungsgesuch.»
Der Starregisseur soll 1977 eine damals 13-Jährige vergewaltigt haben. Bereits kurz danach war es in den USA zum Prozess gegen ihn gekommen. Nach seinem Geständnis entzog er sich jedoch dem Prozess durch Flucht.
Warten auf Schweizer Behörde
Jahrzehntelang reiste der Regisseur nicht in die USA ein. Ende September wurde er in der Schweiz festgenommen. Er sitzt derzeit in seinem Chalet in Gstaad (BE) in Hausarrest. Ein Entscheid der Schweizer Behörden, ob Polanski an die USA ausgeliefert wird, steht noch aus. (se/sda)
Erstellt: 20.01.2010, 13:25 Uhr
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