Schlottern im Schnee vor Polanskis Chalet
Gut bewacht: Private Sicherheitsleute sorgen dafür, dass niemand eindringen kann. (Bild: Reuters)
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«War er das?», raunen Journalistene aus aller Welt einander zu, jedes Mal wenn ein Auto bei Roman Polanskis Chalet in Gstaad vorfährt. Einige wollen ihn erkannt haben, andere sind sich nicht sicher. Das Schlottern im Schnee geht weiter. An die 150 Journalistinnen, Kameraleute und Fotografen hatten sich am Freitagmorgen im winterlichen Berner Oberländer Nobelkurort Gstaad versammelt, um die Ankunft des Starregisseurs nicht zu verpassen.
Mittlerweile sind die meisten Medien wieder verschwunden – nicht zuletzt, weil von Mitarbeitern eines privaten Sicherheitsdienstes mitgeteilt wurde, dass sich der Starregisseur nicht öffentlich äussern würde. Wie eine Korrespondentin von Tagesanzeiger.ch/Newsnet vor Ort berichtet, wollen etwa 30 Fotografen dennoch die ganze Nacht vor dem Chalet verbringen. Ein Foto des prominenten Arrestierten soll eine sechsstellige Summe bringen, hiess es laut dem Bericht – falls es besser sei als ein bereits vorhandene Schnappschüsse.
Live-Schaltungen in alle Welt
Russische und polnische Teams hatten bereits die vorherige Nacht an Polanskis Gartenzaun verbracht. Am Vormittag gesellten sich besonders viele Medienleute aus Frankreich und Deutschland zu ihnen. Sie kämpften um die beste Position und platzierten ihre Kameras in Reih und Glied.
In schöner Regelmässigkeit richteten sich Journalisten in Live- Schaltungen an ihr Publikum. Doch zu berichten gab es nicht viel. Schliesslich war der berühmte Gefangene für 13 Uhr angekündigt, und in der Zwischenzeit war Warten angesagt. In der Langeweile sorgte naturgemäss jede Bewegung an Fensterläden im Chalet Milky Way oder jeder Schritt der patrouillierenden Polizisten für Aufregung unter den Medienleuten.
Journalisten berichten über Journalisten
Um die stundenlange Wartezeit in eisiger Kälte zu überbrücken, interviewten sich die Medienvertreter gegenseitig. Ob ein solcher Aufmarsch für hiesige Verhältnisse normal sei, wollte eine polnische Journalistin von einer Schweizer Kollegin wissen.
Wie lange er denn schon ausharre, und ob er auf ein Statement Polanskis hoffe, fragte ein Deutscher die Konkurrenz aus Frankreich. Hin und wieder traute sich jemand, die Position am Gartenzaun zu verlassen und sich in einer örtlichen Bäckerei Verpflegung zu holen oder im Ferienheim kurz auszutreten.
Gerüchte, Mutmassungen und Unsicherheit
Auch Gerüchte machten die Runde. So hielt sich hartnäckig die Kunde, die Familie sei bereits am Donnerstag angereist und erwarte Polanski. Andere waren überzeugt, der Oscar-Preisträger sei ebenfalls bereits in Gstaad und die Behörden narrten bloss die Weltöffentlichkeit.
Als die Kantonspolizei um den Mittag die Medienschar von der Strasse wies und die Zufahrt zum Chalet absperrte, drängten sich die Reporter in die vordersten Reihen. Kurz vor 13 Uhr war es dann soweit.
Zwei schwarze Limousinen mit verdunkelten Scheiben kamen angefahren. Ein Blitzlichtgewitter – doch es ging zu schnell, und so ging das Rätseln von vorne los. «War er das?», hiess es allenthalben. Einigen Fotografen war es gelungen, den Passagier in der vorderen Limousine auf dem rechten Hintersitz abzulichten: Roman Polanski.
Kein einzige Wort von Roman Polanski
Sogleich verschob sich der Medientross vor die Front des Chalets – in der Hoffnung, der Regisseur möge sich kurz zeigen und einige Worte an die Öffentlichkeit richten. Es blieb bei der Hoffnung. Die Familie liess per privaten Sicherheitsdienst ausrichten, sie wünsche sich Ruhe vor den Medien.
Erst nach einigen weiteren Stunden, als es leicht zu schneien begann und sich Schatten über das Chalet legte, zogen erste Teams ab. Sie hinterliessen Mandarinenschalen und Kaffebecher im Schnee. (raa/sda)
Erstellt: 04.12.2009, 19:09 Uhr
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