Warten auf Polanski

Von Ruth Oehrli. Aktualisiert am 27.11.2009 3 Kommentare

Das Gstaader Chalet «Milky Way» wurde am Donnerstag besonders gut beobachtet. Erwartet wurde der langjährige Gast und Starregisseur Roman Polanski. Vergeblich. Gut möglich, dass er heute seinen Hausarrest antritt.

Das lange Warten in Gstaad: Medienleute gestern Morgen vor Regisseur Roman Polanskis Chalet 
«Milky Way» an der Alpenblickstrasse.

Ruth Oehrli

Es war gut bewacht gestern, das Chalet «Milky Way», Milchstrasse, von Roman Polanski in Gstaad. Allerdings nicht von der Polizei. Diese war zumindest nicht zu sehen. Auch wenn Gerüchte aus Zürich wissen wollten, dass im Laufe des Tages die künftigen Fussfesseln des Starregisseurs in den Zimmern seines Chalets getestet worden seien. Es waren rund ein Dutzend Medienleute aus dem In- und Ausland, welche sich gestern von morgens bis spätnachmittags in der feuchten Novemberkühle die Beine in den Bauch standen. Sie wollten die Anreise von Chaletbesitzer Polanski auf keinen Fall verpassen. Allein die internationale Nachrichtenagentur Associated Press (AP) hatte fünf Leute vor Ort. Zudem waren die Westschweizer Medien sehr gut vertreten. Jedes der wenigen vorbeifahrenden Autos wurde intensiv beäugt, jede Abwechslung war willkommen – oder zumindest fast jede.

Diskussion um Kontrolle

«Diese Person ist genug bestraft. Lasst ihn in Ruhe», meinte Polanskis Nachbar und FDP-Gemeinderat Heinz Brand zu den Chalet-Beobachtern. «Polanski hat selbst gesagt, das Volk werde ihn kontrollieren, und er werde sicher hier bleiben. Nun sind wir halt schon da», meinte ein Journalist. «Auch dieser Mann hat eine Privatsphäre und ist ein ganz normaler Mensch, argumentierte der Gstaader weiter. «Normal schon, aber halt sehr bekannt. Zudem hat nicht jeder ein Problem mit der US-Justiz», konterte der Medienmann. «Ganz Amerika ist an der Polanski-Geschichte interessiert. Unsere Agentur bedient die Medien weltweit. Alle wollen Bescheid wissen über Polanski», warf ein weiterer ein.

Der Gstaader Heinz Brand ist nicht der Einzige, der sich am Medienrummel stört. Im Dorf haben die wenigen Einheimischen, die an diesem grauen Tag unterwegs sind, vernommen, dass der polnisch-französische Starregisseur in seinem Chalet Hausarrest absitzen wird. Öfters wird die schwindende Diskretion bemängelt. Diplomatisch dagegen äussert sich Gemeindepräsident Aldo Kropf (FDP) gegenüber den unzähligen Medien, die ihn seit gestern Abend befragen. «Zum Entscheid, dass Herr Polanski nach Gstaad kommen darf, haben wir gar nichts zu sagen. Von offizieller Seite wurden wir auch nicht informiert.»

Der 76-Jährige sei seit Jahrzehnten Gast des Saanenlandes – einer von vielen. Schadet die Geschichte dem Ruf des Saanenlandes? «Dass Herr Polanski hierher kommen soll, ist weder positiv noch negativ, sondern eine Tatsache.» Die Bürgerinnen und Bürger müssten selber beurteilen, ob man sich darüber freuen wolle oder nicht.

Besuch im Chalet Polanski?

Wird der Gemeindepräsident den berühmten Gstaader Gast Polanski besuchen? Aldo Kropf lacht: «Wollte ich jedem Gast, der ins Saanenland kommt, einen Besuch abstatten, meine Zeit reichte nie aus.» Alle Gäste könnten kommen und gehen, wie sie wollten. Kropf betont: «Herr Polanski ist für uns ein Mensch wie jeder andere auch, der sich hier aufhält. Als Person ist er willkommen, wie jeder andere auch.»

Muss die Gemeinde spezielle Sicherheitsvorkehrungen für den Fall Polanski treffen? «Nein. die Gemeinde hat nichts vorgesehen. Wir sind nicht Vollzugsbehörde.» Zudem habe man keine Kenntnisse von den Vollzugsbedingungen; dies sei Sache der Justiz und allenfalls der Kantonspolizei. Falls der Ansturm von Schaulustigen und Presse enorm sein sollte, werde der Gemeinderat die Situation neu beurteilen, ergänzte Kropf gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.

Aber einfach das halbe Dorf absperren, solange nicht klar sei, wann Regisseur Roman Polanski überhaupt ins Oberland gebracht werde, dies kommt für Gemeindepräsident Aldo Kropf grundsätzlich nicht in Frage.

Ruhe vor dem Sturm?

Inzwischen senkt sich die Nacht über das Saanenland. Der Himmel ist teilweise bewölkt; es kühlt empfindlich ab. Der grösste Teil des Medientrosses reist zurück in die Westschweiz, die anderen gegen Bern. «Wir sehen uns morgen wieder», sind sich die meisten sicher. Denn man hat vom Bundesamt für Justiz vernommen, dass die Entlassung des schlagzeilenträchtigen Regisseurs auf heute Freitag angesagt ist. Allerdings soll die Überführung ins Chalet nach Gstaad diskret erfolgen. «Wir wollen ihn nicht wie ein exotisches Tier ausstellen», sagte gestern Folco Galli, der Sprecher des Bundesamtes für Justiz, gegenüber der Nachrichtenagentur SDA. (Berner Oberländer)

Erstellt: 27.11.2009, 08:42 Uhr

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3 Kommentare

Sylvia R. Liatowitsch

27.11.2009, 09:17 Uhr
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Ich bin Fachfrau in den hier relevanten Fragen: die amerikanische Justiz agiert m.M. nach inquisitorisch - 32 Jahre seit dem Vergehen von R.M. waren wohl Zeit genug, Busse zu tun und Reue zu erlernen in fehlerhaftes Verhalten. Was jedoch den zwei Kindern von R.M. in seinem aktuellen Lebensumfeld zugemutet wird, ist unverhältnismässig und deren gesunde Entwicklung unnötig übermässig gefährdend. Antworten


Luzia Keller

27.11.2009, 10:56 Uhr
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Endlich! Die Richterin in Bellinzona hat weise entschieden und diesen delikaten Fall mit Fachkompetenz und weiblicher Intuition gefällt. So wurden pro und contra Stimmen befriedigt und ein Eklat für sog. HobbirichterInnen verhindert. Wie schon Aldo Kropf und Einwohner von Gstaad richtig bemerkt haben, ist Roman Polanski kein gemeingefährlicher Verbrecher und wird sich an den Hausarrest halten. Antworten



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