Schweiz

Beeindruckende Gipfel-Karriere – trotz Zwischenfällen

Der im Jungfrau-Prozess angeklagte 47-jährige Bergführer stieg mit 16 erstmals in den Fels. Dann ging es steil aufwärts. Alaska, Südamerika, Himalaya. Weil seiner Frau am Eiger ein Fehler passierte, musste er sich rausfliegen lassen.

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«Da kann man sechs Menschen töten und muss keine Verantwortung übernehmen. Wir leben in einem schlimmen Staat»: Eric Buchs, Vater eines der Opfer, nach dem Urteilsspruch.
Bild: Keystone

   

Die Tragödie mit sechs Toten an der Jungfrau im Juli 2007 ist der erste Unfall in der Bergführerlaufbahn des 47-jährigen Angeklagten im Militärprozess zum Jungfrau-Drama. 18 Jahre lang habe er unfallfrei Bergtouren auf der ganzen Welt durchgeführt, sagte er am Mittwoch vor dem Militärgericht in Chur.

Als Bergsteiger kann der Angeklagte ein beeindruckendes Curriculum vorweisen: Mit 16 Jahren fing er mit Bergsteigen an und unternahm Touren in Alaska, Südamerika, Afrika und im Himalaya. Dabei gelangen ihm zahlreiche Erstbesteigungen.

Ab 2001 bei der Armee

1990 begann er als selbständiger Bergführer zu arbeiten und war mit seinen Gästen ebenfalls auf verschiedenen Kontinenten unterwegs. 2001 wechselte der Bergführer zur Armee und wurde Fachlehrer beim Gebirgskompetenz-Zentrum in Andermatt, wo er Rekruten zu Gebirgsspezialisten ausbildet.

Der einzige Vorfall auf durch ihn geführten Touren seien Erfrierungen am Fuss, die sich ein Gast in einem Basiscamp in Alaska holte. Das schwerwiegendste Ereignis seiner 31-jährigen Bergsteigerlaufbahn erlebte der Angeklagte auf einer privaten Tour. Mit seiner Ehefrau liess er sich aus der Eiger-Nordwand ausfliegen.

Vorstrafe wegen Tempoübertretung

Sie habe beim Klettern ihre Pickel verloren, was ein weiteres Aufsteigen zu gefährlich gemacht habe. Dass deswegen eine Untersuchung des Bergführerverbandes gegen ihn laufe, sei ebenso eine Erfindung der Medien wie die Behauptung, er wäre wegen Fehlern am Berg vorbestraft. Er habe zwar eine Vorstrafe, aber wegen einer Geschwindigkeitsübertretung.

Parallel zur Tätigkeit als Bergführer war der gelernte Automechaniker seit über 20 Jahren zuerst als Bergretter und später als nationaler Ausbildner in der Bergrettung des Schweizerischen Alpenclubs (SAC) tätig. Acht Jahre lang leitete er die Rettungsstationen in der Westschweiz.

«Bergsteigen war mein Hobby, war mein Leben», sagte der ehemalige Bergführer. Eine Hüftarthrose zwinge ihn neuerdings bergsteigerisch kürzer zu treten. Seit Anfang Jahr arbeitet er als Geschäftsführer eines nicht näher bezeichneten Unternehmen.

Nach Unfall weiterhin als militärischer Bergführer tätig

Der im Jungfrau-Prozess der mehrfachen fahrlässigen Tötung mitangeklagte 34-jährige Berufsunteroffizier arbeitet hingegen nach wie vor als Ausbildner und Bergführer bei der Armee. Kürzlich hat der ausgebildete Schreiner die Prüfung zum Stabsadjudant absolviert und wartet auf die entsprechende Beförderung.

Wie sein Kollege ist auch der dreifache Vater als Experte und Klassenlehrer in der Alpinen Rettung engagiert und als Leiter von Lawinenkursen tätig. Zu Berg geht er seit seinem 25. Altersjahr. Mittlerweile habe er den Grossteil der Viertausender in den Alpen bestiegen. Die Bergführerprüfung hat er 2006 bestanden, ein Jahr vor dem Unfall an der Jungfrau. (cpm/sda)

Erstellt: 18.11.2009, 14:38 Uhr

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