Schweiz

Minarettverbot ist «Versuch einer Ausgrenzung»

Aktualisiert am 09.12.2009 109 Kommentare

Ex-Kanzler Gerhard Schröder kritisiert in der deutschen Wochenzeitung «Zeit» das äusserst umstrittene Votum der Schweizer für ein Bauverbot von Minaretten.

Wer zu solchen Massnahmen greife, so äussert Schröder in dem Blatt, der wolle, dass Menschen mit islamischem Glauben ihre Religion weiterhin in Hinterhäusern ausüben müssten. «Dieses Verdrängen an den sprichwörtlichen Rand der Gesellschaft ist der Versuch einer Ausgrenzung", so der ehemalige Kanzler weiter.

Der SPD-Politiker warnte vor der negativen Sicht auf Muslime und den Islam, die auch in Deutschland verbreitet sei. «Der Islam ist keine politische Ideologie, sondern eine friedliche Religion. Das lehrt der Koran», so Schröder. Überhaupt sollten sich gerade Deutsche vor stereotypen und falschen Aussagen über die vermeintliche Gewalttätigkeit des Islams hüten. «Es waren keine islamischen Staaten, die die beiden Weltkriege des vergangenen Jahrhunderts verbrochen haben. Für Überheblichkeit gegenüber anderen gibt es für uns keinen Grund.»

Das Argument von Minarett-Gegnern, dass in vielen islamischen Staaten Christen verfolgt würden und der Bau von Kirchen verboten sei, lässt Schröder kaum gelten. «Defizite bei der Religionsfreiheit in einigen islamischen Staaten sind nicht zu bestreiten, aber sie können nicht als Begründung für eine Einschränkung der Rechte in unserem eigenen Land dienen. Wir verstehen uns als eine aufgeklärte Gesellschaft. Und Aufklärung heisst nicht, Unzulänglichkeiten anderer Gesellschaften bei uns zu wiederholen. Die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut, das wir aus guten Gründen im Grundgesetz schützen.»

(raa)

Erstellt: 09.12.2009, 11:14 Uhr

109

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

109 Kommentare

Pierre Amiguet

09.12.2009, 11:39 Uhr
Melden

Herr Bundeskanzler Schröder! a) ich selber glaube nicht an Gott, b) wir sind im Westen eine aufgeklärte Gesellschaft und das ist gut so. In der muslimischen Welt ist es genau umgekehrt, diese wird religiös immer strikter und diese Tendenz ist es wohl die wir hier mehrheitlich nicht wollen und die sich jetzt zufällig am Thema Minarett Luft gemacht. Darf man doch. Wehret den Anfängen... Antworten


Jacqueline Tobler

09.12.2009, 11:54 Uhr
Melden

Danke Herr Schröder, bin Ihrer Meinung. Ich als Schweizerin schäme mich für dieses Abstimmungsergebnis. Der Koran ist ein friedliches Buch. Der Zusammenhalt in einer arabischen Familie, könnten viele Europäer als Beispiel nehmen. Dieses Verbot der Minarette kann ich nicht nachvollziehen, denn es gibt auch Kirchentürme und Glockenklang in den arabischen Ländern und niemand regt sich darüber auf. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.