Schweiz

«Göldi ist aus libyscher Sicht kein politischer Gefangener»

Von Daniel Foppa. Aktualisiert am 23.02.2010 11 Kommentare

Max Göldi soll seine Haft im berüchtigten Gefängnis Aïn Zara verbüssen müssen. Ein Vorteil dürfte sein, dass der Schweizer offiziell nicht als politischer Gefangener gilt.

Human Rights Watch konnte letztes Jahr ein libysches Gefängnis besuchen. Was haben Sie angetroffen?
Die Zustände sind wie in den meisten arabischen Ländern schlecht. Berüchtigt sind vor allem die Gefängnisse Abu Salim und Aïn Zara. An beiden Orten werden Hunderte politische Gefangene ohne Prozess festgehalten. Wir konnten Abu Salim besuchen, doch bekamen wir wenig zu sehen. So sagte uns der Gefängnisdirektor, er wisse nicht, wie viele Gefangene in Abu Salim einsitzen. Die Zahl ändere sich täglich.

Wie werden die Häftlinge behandelt?
Wer Beziehungen hat, wird besser behandelt. Das kann auch für Ausländer wie Max Göldi gelten. Von den während acht Jahren in Libyen festgehaltenen bulgarischen Krankenschwestern wissen wir, dass ihre Behandlung von politischen Interessen abhing. Sie haben alles erlebt – von Folter bis zur korrekten Behandlung.

Was wissen Sie über Aïn Zara, wo Max Göldi laut seinem Anwalt die Haft verbüssen soll?
Aïn Zara hat zwei Abteilungen. Besonders schlimm sind die Zustände in dem Teil, der von der Staatssicherheit kontrolliert wird. Dort hat das Justizministerium nichts zu sagen, denn die Sicherheitsbehörde steht über dem Gesetz.

Könnte Max Göldi dort landen?
Göldi wurde wegen Visavergehen verurteilt und ist aus libyscher Sicht kein politischer Gefangener. Also sollte er in den Teil kommen, der dem Justizministerium untersteht. Das ist positiv. Laut seinem Anwalt kann Göldi Besuch empfangen, und er hat Anrecht auf medizinische Versorgung. Die Erfahrung zeigt aber, dass Besuchsrechte in Libyen jederzeit verweigert werden können.

Wird in Aïn Zara gefoltert?
Folter gibt es in der Abteilung der Staatssicherheit. Der andere Teil kann von Menschenrechtsorganisationen besucht werden. Von dort sind aus den letzten Jahren keine Fälle von Folter überliefert. Die Bulgarinnen wurden gefoltert, als sie noch nicht im Gefängnis waren, sondern in der Obhut der Staatssicherheit.

Was hat Max Göldi zu erwarten?
Das ist schwer zu sagen. Er wird wohl mit Kriminellen eine Zelle teilen müssen oder in Einzelhaft kommen – so, wie es im September 2009 der Fall war, als die beiden Geiseln gekidnappt wurden und für sieben Wochen verschwanden. Wie Göldi konkret behandelt wird, hängt von den Absichten Ghadhafis ab. Und die sind unberechenbar.

Sie haben Max Göldi und Rachid Hamdani im Dezember in Tripolis getroffen. Wie ging es den beiden?
Mich hat ihre Tapferkeit beeindruckt. Beide haben den Humor nicht verloren. Die Solidaritätskundgebungen auf der ganzen Welt haben ihnen sehr geholfen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.02.2010, 06:54 Uhr

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11 Kommentare

David Fehlmann

23.02.2010, 10:11 Uhr
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Ich möchte gerne einmal lesen, ob Herr Göldi wirklich nicht gegen gültige libysche Gesetze verstossen hat: Die Berichterstattung in den Medien suggeriert, dass er sich korrekt verhalten hat und die Strafe eine reine Vergeltungsmassnahme darstelle. Meines Wissens hat sich bislang noch kein Journalist die Mühe genommen um dies genau zu recherchieren, oder liege ich falsch? Antworten


Res Zaugg

23.02.2010, 07:44 Uhr
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Die Frage soll erlaubt sein: Was hat das Heimatland von R. Hamdani (Tunesien) für seine Bürger unternommen? Es kann vermutet werden, dass die tunesischen Behörden gar nicht getan haben. Was ja auch verständlich ist. Solange sich westliche Staaten vordrängen, islamische Probleme zu lösen, können diese in diesem Politspiel nur Gewinner sein. Antworten



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