Etliche Privatschulen zögern bei Schulwahl-Initiative
Von Gaby Szöllösy. Aktualisiert am 02.09.2008
Für die Rudolf Steiner-Schulen ist der Fall klar: «Wir verstehen uns als Volksschule und möchten Kinder aller sozialen Schichten aufnehmen», sagt der Lehrer Daniel Hering aus Basel. Doch dies sei nur beschränkt möglich, weil die Eltern Schulgelder bezahlen müssen. Die Beiträge sind nach Einkommen abgestuft und liegen zwischen 550 und 3000 Franken monatlich – unabhängig davon, ob die Eltern eines oder mehrere Kinder dort unterrichten lassen. Die meisten Kinder der Basler Schule stammen aus dem Mittelstand, ihre Eltern verdienen zwischen 60'000 und 120'000 Franken brutto. «Es gibt einige, die sich das Schulgeld vom Mund absparen», weiss Hering. Das findet er ungerecht, «zumal die Eltern mit ihren Steuern die öffentliche Schule mitfinanzieren, für die Bildung ihrer Kinder aber vom Staat nichts erhalten.» Die Rudolf Steiner-Schulen kämpfen deshalb an vorderster Front für die freie Schulwahl. Konkret unterstützen sie die Initiative des Vereins Elternlobby, die in Basel Landschaft bald vors Volk kommt und in andern Kantonen (auch in Zürich) aufgegleist wird.
Andere Schweizer Privatschulen sind zurückhaltender. Nicht aus grundsätzlichen Überlegungen: Die meisten sind überzeugt, dass man allen Eltern – und nicht nur den wohlhabenden – die Wahl zwischen verschiedenen pädagogischen Konzepten lassen soll. «Die Eltern sollen sich bewusst für Werte entscheiden können, die ihnen wichtig sind», sagt etwa der Rektor der Freien Evangelischen Schule Zürich, Peter Scheuermeier.
Zu wenig Geld, zu wenig Spielraum
Doch viele Privatschulen äussern gegenüber der Initiative Bedenken. So stellen sich etwa die katholischen Schulen Schweiz explizit dagegen. Die Initiative besagt, dass der Kanton den Privatschulen für jedes dort unterrichtete Baselbieter Kind so viel zahlt, wie das Kind im Schnitt in der Volksschule kosten würde. Dafür sind die Schulen verpflichtet, Kinder «ohne ethnische, religiöse und finanzielle Einschränkungen» zuzulassen.
Die katholischen Schulen befürchten, der Staat werde den Privatschulen vorschreiben, wie sie ihre Schule zu gestalten hätten und welche Kinder sie aufnehmen müssten. Die Freie Schule Winterthur hält fest, wenn sie die Kinder nicht auswählen könne, wäre es schwieriger, das Angebot auf ihre Zielgruppe anzupassen. Hinzu kommt die Geldsorge: Etliche Privatschulen arbeiten mit Kleinklassen und sind teurer als die Volksschule – doch von den Eltern dürften sie kein zusätzliches Geld verlangen.
Von den 31 Privatschulen, welche die TA-Umfrage beantwortet haben, sagen 12 Ja zur Initiative und wären bereit, die Rahmenbedingungen zu akzeptieren. Weitere 12 finden die Idee gut, würden aber nicht mitmachen, da sie ihr Schulkonzept nicht anpassen möchten. Und 7 Schulen können der Initiative nicht viel abgewinnen. Diese Uneinigkeit unter den Privatschulen erklärt, weshalb der Verband der Privatschulen bisher noch nicht Stellung nahm. Dessen Präsident, CVP-Nationalrat Gerhard Pfister, befürwortet die «politischen Bemühungen um eine freie Schulwahl», ist aber kein «vehementer Verfechter» der Initiative.
Über die Auswirkungen der Initiative kann die Zürcher Bildungsdirektion nur spekulieren. Müsste der Kanton für alle heute rund 8000 Kinder, die eine Privatschule besuchen, das durchschnittliche Schulgeld von 15'000 Franken aufbringen, würde ihn dies 120 Millionen kosten. «Aber wir können nicht abschätzen, wie viele Kinder zusätzlich an eine Privatschule wechseln würden», sagt der Leiter des Volksschulamts, Martin Wendelspiess. «Und wir wissen auch nicht, ob dies zu Sparprogrammen bei der Volksschule führen würde.» (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 02.09.2008, 21:20 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.





