Schweiz
«Die Boni sind dreifach falsch»
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Die Boni im Bankensektor und die Lehren, die aus der Finanzkrise gezogen werden müssen, haben die erste Diskussionsrunde am Open Forum in Davos dominiert. Trotz vieler Meinungsunterschiede waren sich die Teilnehmer einig: Es braucht mehr Regulierung. Gleich zu Anfang der Diskussion vor vollbesetzten Rängen in der Aula der Schweizerischen Alpinen Mittelschule Davos schieden sich die Geister an der Frage, ob die UBS trotz Staatshilfe in Milliardenhöhe ihren Mitarbeitern Boni auszahlen darf.
Wenn mit den Boni effektive Leistungen belohnt würden, seien diese Zahlungen durchaus gerechtfertigt, sagte der Präsident der Schweizerischen Nationalbank (SNB), Jean-Pierre Roth. «Bei der UBS gibt es schliesslich auch Sparten, die erfolgreich gearbeitet haben. Und diese Mitarbeiter haben eine Belohnung verdient.»
Boni würden falsche Anreize setzen, sagte demgegenüber Rudolf Strahm, Alt-Nationalrat und ehemaliger Preisüberwacher. Sekundiert wurde er von Peter Ulrich, Professor am Institut für Wirtschaftsethik an der Universität St. Gallen. «Die Boni sind dreifach falsch», monierte dieser. Einmal seien sie betriebswirtschaftlich falsch. «Die Reputation der UBS ist nun gewaltig geschädigt.» Weiter seien sie ein «Symptom der alten Mentalität, des eindimensionalen Maximierens eines pekuniären Gedankens».
Finma nicht unabhängig
Zu guter Letzt bedeuteten sie, dass die Finanzmarktaufsicht (Finma), in der seit Anfang Jahr die Eidg. Bankenkommission (EBK), die Kontrollstelle für die Bekämpfung der Geldwäscherei und das Bundesamt für Privatversicherungen (BPV) zusammengeführt sind und welche die Boni genehmigt hat, von der UBS nicht unabhängig sei. «Die Finma hat sich gleich zu Beginn desavouiert.» Nicht gut zu sprechen auf die Finma ist auch Strahm. Seiner Meinung nach hat sie als staatlicher Regulator versagt, als sie 2004 - damals noch EBK - zugestimmt hat, dass die UBS ihren Aktiven lediglich 2,1 Prozent Eigenmittel gegenüber stellen muss.
Nicht nur forderte Strahm deshalb, dass die Finma ihre Regulatortätigkeit an die unabhängigere und pragmatischere SNB übergeben müsse. Künftig müssten die Banken auch über Puffer von mindestens 5 Prozent Eigenmitteln verfügen. Zustimmung erntete er dafür bei Roth. Nicht was die Übernahme der Aufgaben der Finma durch die SNB betrifft. Aber auch der Nationalbankpräsident fordert für die Zukunft, dass die Banken ihre Eigenmittel erhöhen und den Verschuldungsgrad herunterschrauben müssen.
Alte Werte reaktivieren
Ausserdem müssten sie vorsichtiger mit Risiken umgehen. Die Diskussionsteilnehmer sind sich weitgehend einig, dass dafür keine neuen Unternehmensstandards nötig seien. Es würde ausreichen, wenn jedes Unternehmen die Werte, die auf dem Papier stehen, auch leben würde, sagte Ivan Pictet, Teilhaber der Genfer Privatbank Pictet.
«Wir müssen uns an die alten Werte, also an die Priorität von Nachhaltigkeit, erinnern», sagte Roth. Kurzfristiges Denken wie etwa das Anlocken von Mitarbeitern mit hohen Löhnen dürfe nicht mehr möglich sein. Langfristig muss laut Strahm auch die Regierung denken. Sie müsse bereits jetzt Massnahmen vorbereiten für das, was nächstes Jahr kommen könnte, sagte Strahm. In «unserer Schönwetter-Regierung» habe aber niemand die Kraft dafür. Für den Ökonomen stünde die Schaffung von Arbeitsplätzen im Vordergrund, denn die Arbeitslosenzahlen würden steigen. Besorgt ist zwar auch Roth. Doch nur Schwarzmalen will er nicht. Die nächste Zeit werde zwar schwierig werden für die Schweiz. «Wir haben in diesem Spiel aber gute Karten.» (vin/sda)
Erstellt: 30.01.2009, 00:14 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.




