Schweiz

Studenten besetzen die Uni Zürich

Von Dario Venutti. Aktualisiert am 18.11.2009 119 Kommentare

Mehrere hundert Studierende haben sich am Dienstag an einer Protestveranstaltung an der Universität beteiligt – und besetzten den grossen Hörsaal.

Klare Worte von den Studenten: Am Dienstag auf dem Campus der Universität.

Klare Worte von den Studenten: Am Dienstag auf dem Campus der Universität.

Artikel zum Thema

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Tagesanzeiger.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Den ganzen Tag markierten private Sicherheitskräfte Präsenz und bewachten besonders die Aula der Universität Zürich. Gegen Abend wurden sie doch noch überrumpelt: Wie schon Basler Studenten am Mittwoch letzter Woche besetzten ihre Kommilitonen aus Zürich am Dienstag den grössten Hörsaal der Universität. Die Aktion war vom Grossteil der zwischen 400 und 500 Studierenden an einer Vollversammlung beschlossen worden. Praktisch zeitgleich besetzten auch rund 150 Berner Studierende im Anschluss an eine Demonstration durch die Innenstadt ihre Universität.

Damit hat der Studentenprotest nicht nur Zürich, sondern die ganze Deutschschweiz erreicht. Insgesamt sind rund 1000 Studierende auf den Beinen. Sie protestieren allesamt gegen die Folgen der Bologna-Reformen: Verschulung des Studiums, Präsenzkontrollen in den Vorlesungen, Studiengebühren, Einfluss der Privatwirtschaft auf die Forschung. «Jetzt kann man uns definitiv nicht mehr in die linksradikale Ecke stellen», sagte eine Studentin in Zürich, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte.

Zwar waren die üblichen Verdächtigen vom Revolutionären Aufbau auch diesmal anwesend und riefen wie schon an der Fussball-EM mit kapitalismuskritischen Texten zum Widerstand auf. Das Gros der Protestierenden waren aber Studenten mit bildungspolitischen Anliegen. Dass sich die grosse Mehrheit der rund 20'000 Studierenden in Zürich einstweilen nicht mobilisieren liess, irritierte die Aktivisten jedoch nicht: Bildungspolitik sei kein attraktives Thema, daher sei die Teilnehmerzahl von 500 durchaus als grosser Erfolg zu werten.

Das Rektorat drohte

Tagsüber hatte wenig darauf hingedeutet, dass die Studenten die Universität am Abend besetzen würden. Sie verteilten Flugblätter, führten Diskussionen und beabsichtigten, am Abend wieder nach Hause zu gehen. Der Protesttag war eingebettet in eine internationale Aktionswoche gegen Bologna, die unter dem Schlagwort «Education is not for sale» steht.

Wie ein Mitglied der Organisation «Uni von unten» sagte, sei man nach den Erfahrungen mit der Universitätsleitung vorsichtig geworden mit Aktionen, die radikal erscheinen. Im Sommer hatte «Uni von unten» mit einer Demonstration einen Vortrag von Novartis-Chef Daniel Vasella verhindert. Daraufhin habe das Rektorat disziplinarische Massnahmen angedroht, sollte sich Ähnliches wiederholen, so der Student. Er und die rund 30 bis 50 Aktivisten von «Uni von unten» vermuten, sie seien fichiert, und die Daten seien der Polizei

übergeben worden. Von der Universitätsleitung war dazu niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Nationale Demonstration

«Uni von unten» will den gegenwärtigen Protest in der Schweiz für eine nationale Demonstration nutzen. Wann diese stattfinden soll, ist noch offen, schliesslich müssen die drei Vollversammlungen in Zürich, Basel und Bern darüber entscheiden. Dass der Widerstand der Studierenden auch von Politikern ernst genommen wird, zeigte sich am Montagabend im Kantonsrat. Der Rat lehnte eine parlamentarische Initiative von Claudio Zanetti (SVP) ab, welche die Studenten faktisch mundtot gemacht hätte: Zanetti forderte, dass Studenten exmatrikuliert werden, wenn sie Redner wie Daniel Vasella bei einem Vortrag an der Universität stören. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.11.2009, 10:39 Uhr

119

Kommentar schreiben







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.

119 Kommentare

David Meier

18.11.2009, 16:32 Uhr
Melden

@Michael Graf: Kurze Rechnung: GA: 2000.-. Günstig Wohnen: WG-Miete/yr: 4000.- bis 5000.-. Günstig Einkaufen: Prix-Garantie, Migros-Budget, Aldi, Lidl. Günstige Kleidung: H&M., KK: teilweise Subventionen vom Staat. Teure Ausgänge vermeiden. Und schon kommt man mit 10'000.- bis 12'000.- gut durchs Jahr. Antworten


Sarah Muller

17.11.2009, 17:54 Uhr
Melden

Sieht man sich das "Flugblatt" an (wurde verteilt), wird man feststellen, dass die Themen an den Haaren herbeigezogen sind. Dementsprechend muss man davon ausgehen, dass es sich eher um "Hauptsache wir protestieren" handelt. Gerade "Uni von unten" ist ja bekannt dafür, nicht konstruktiv zu sein sondern eher mantramässig contra. Bildung ist gut, man muss nur einen richtigen Studiengang wählen. Antworten



Schweiz

Populär auf Facebook Privatsphäre


Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.

Online-Kadermarkt

ALPHA.CH: der online-Kadermarkt der Schweiz.