Schweiz

«Wir bleiben in der Aula»

Von Simone Rau, Basel. Aktualisiert am 18.11.2009

200 Studenten halten seit gestern die Aula der Universität Basel besetzt. Zurzeit diskutieren sie ihre Forderungen: Abschaffung der Studiengebühren und Aufhebung des Numerus Clausus. Ein Besuch vor Ort.

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Der Andrang ist gross: Die Studierenden fordern unter anderem eine «Demokratisierung der Uni». So wollen sie den Universitätsrat abschaffen.
Simone Rau

   

Wie ist die Uni - und wie soll sie sein? Das ist die Frage, die dieser Tage an der Uni Basel heftig diskutiert wird. Seit gestern besetzen rund 200 Studenten die Aula. Damit wollen sie ihre Forderung nach einer freien Universität untermauern. Zur Aktion aufgerufen hat eine Bewegung mit dem Namen «Unsere Uni».

David ist einer von ihnen. Er studiert Philosophie und Geschichte im vierten Semester. Im Medienzentrum, das die Studenten eingerichtet haben, gibt er als einer der wenigen Auskunft über die Gründe der Besetzung. Zum Organisationskomitee gehöre er aber nicht, betont er. «Es gibt kein eigentliches Organisationskomitee, das die Besetzung organisiert hat. Jeder, der in die Aula kommt, um mitzudiskutieren, ist Teil unserer Bewegung.»

«Studiengebühren abschaffen»

Die Universität brauche demokratischere Strukturen, sagt David. «Wir müssen den Unirat abschaffen, in dem externe Personen sitzen, beispielsweise Regierungsvertreter oder Privatpersonen.» Ein weiteres Anliegen der Studenten sei, die Zulassungsbeschränkungen abzuschaffen. «Zur Diskussion stehen die Abschaffung der Studiengebühren und ein Verzicht auf den Numerus Clausus.» Das seien aber erst Ideen, sagt David. Arbeitsgruppen arbeiten seit heute früh diese Forderungen aus.

Ein Student, der sich «Helle Plebs» nennt, ist extra aus Zürich angereist. Dort studiert er im dritten Semester Geschichte. Er engagiert sich in der Studentengruppe «Uni von unten», die im vergangenen Frühling von sich reden gemacht hatte: Sie hatte damals den Auftritt von Novartis-Chef Daniel Vasella an der Uni Zürich verhindert und auch Nestlé-Verwaltungsratspräsident Peter Brabeck eingeschüchtert. «Wir erklären uns solidarisch mit den Studierenden der Uni Basel und wollen sie unterstützen.» Bereits habe ein Treffen von Studierenden der Universitäten Basel, Zürich, Genf, Freiburg, Bern und Luzern stattgefunden, erzählt er. Am nächsten Dienstag findet an der Uni Zürich ebenfalls ein Aktionstag statt.

«Ohne Mampf kein Kampf»

An Stellwänden hängen Plakate der verschiedenen Arbeitsgruppen. Es gibt inhaltliche, aber auch organisatorische Arbeitsgruppen - eine Medien- und eine Kochgruppe beispielsweise. «Ohne Mampf kein Kampf» steht auf einem grossen Transparent geschrieben. Die Studierenden arbeiten konzentriert, bis kurz vor 12 Uhr Bewegung in die Gruppen kommt. Die Podiumsdiskussion steht an.

Ein paar Minuten später ist die Diskussion bereits wieder vorbei - zumindest für die Medienschaffenden. Die Studenten wollen vorerst diskutieren, ohne beobachtet und zitiert zu werden. Die Forderungen sind noch nicht spruchreif, sagen sie. Nach einer Mittagspause haben die Arbeitsgruppen ihre Arbeit wieder aufgenommen. Um 19 Uhr findet das nächste Podium statt. Der Rektor wird erwartet. Am Tag zuvor hatten die Studierenden noch abgelehnt, mit ihm zu reden. «Es war noch zu früh für Verhandlungen», sagt ein Student.

Die Besetzung findet im Rahmen einer internationalen Aktionswoche statt, die unter dem Motto «Our Education ist not For Sale» («Unsere Bildung ist nicht verkäuflich») steht. Ähnliche Aktionen haben bereits in Österreich und Deutschland stattgefunden.

(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.11.2009, 10:33 Uhr

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