Schweiz

Studenten geben sich kampfbereit

Zürcher Hochschulen erheben moderate Studiengebühren. Die vorgeschlagene Verdoppelung stösst auf gemischte Reaktionen.

Doppelte Studiengebühren: Stösst auch ausserhalb der Besetzer auf wenig Akzeptanz.

Doppelte Studiengebühren: Stösst auch ausserhalb der Besetzer auf wenig Akzeptanz. (Bild: Keystone)

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Die Finanzen sind im Kanton Zürich in Schieflage. Es müssen 1,3 Milliarden Franken gespart werden, damit der mittelfristige Ausgleich gesichert ist. Bürgerliche Politiker haben deshalb ein altes und heikles Sparpostulat ausgegraben - die Erhöhung der Studiengebühren.

In Zahlen: Sie wollen eine Verdoppelung verlangen. Sowohl an der Universität wie auch an der Zürcher Fachhochschule würden die Semestergebühren auf 1200 bis 1400 Franken ansteigen. Um dies durchzusetzen, wollen die Bürgerlichen im Kantonsrat die Staatsbeiträge kürzen - in der Universität um 13 Millionen Franken, an der Fachhochschule um 5,5, Millionen.

Viel höher nur in St. Gallen und Lugano

Im Vergleich mit anderen Schweizer Universitäten sind die Zürcher Studiengebühren moderat (siehe Tabelle). Wesentlich höher sind sie nur in St. Gallen und in Lugano. Im Vergleich mit Deutschland sieht es anders aus. Noch immer gibt es Bundesländer, in denen Studieren gratis ist. Bis 2006 galten Studiengebühren als verfassungswidrig, was unterdessen aber durch das Karlsruher Bundesverfassungsgericht widerlegt wurde.

Heute werden in vielen deutschen Universitäten Studiengebühren erhoben - tendenziell vor allem in Süddeutschland. Sie sind ähnlich hoch wie im Kanton Zürich. Im Vergleich mit den anderen Universitäten Europas sind die Schweizer Gebühren eher tief. In den amerikanischen Eliteuniversitäten sind die Gebühren allerdings markant höher. Ein Studienjahr in Harvard kostet 40 000 Dollar und mehr.

Nicht nur Besetzer dagegen

In Zürich stösst die bürgerliche Forderung nach einer Verdoppelung der Gebühren vor allem bei den Studierenden auf Widerstand, und zwar nicht nur bei den Hörsaal-Besetzern. «Wir sind absolut entsetzt», sagt Sylvie Fee Michel, Präsidentin des Studierendenrats (Stura). Sie sieht die Chancengleichheit in Gefahr. Vielen Eltern mit mehreren Kindern sei es bei noch höheren Abgaben nicht mehr möglich, allen eine akademische Karriere zu finanziern.

«Man soll nach seinen Fähigkeiten studieren können, nicht nach dem Portemonnaie», sagt Michel. Sie verweist auch auf die hohen Lebenshaltungskosten in Zürich. Zusammen mit den Schweizer Studierendenschaften (VSS) will sich der Stura entschieden gegen höhere Gebühren wehren. In Planung ist eine Grossdemo am 12. Dezember - eine bewilligte, wie Michel betont. Von der Demo der Uni-Besetzer vom nächsten Freitag distanziert sich der Stura.

Uni-Rektorat ändert Meinung

Skeptisch reagierte auch Sebastian Brändli, Chef des Hochschulamts. «Im Alleingang kann das Zürich nicht beschliessen», sagt er und verweist auf interkantonale Vereinbarungen. Brändli ist überzeugt, dass vor allem die Zürcher Fachhochschule Marktnachteile hätte, weil die ausserkantonale Konkurrenz ähnliche Studiengänge in ähnlicher Qualität anbiete. Zudem sieht die interkantonale Fachhochschulvereinbarung maximale Gebühren von 2000 Franken jährlich vor. Würde Zürich mehr verlangen, müsse der Kanton für ausserkantonale Studierende die Differenz zum Maximalbetrag rückvergüten.

Uni-Rektor Andreas Fischer teilte gestern schriftlich mit, er sei gegen eine Erhöhung der Studiengebühren und werde sich für eine solide Finanzierung der Universität einsetzen. Sein Vorgänger Ulrich Weder war im Jahr 2007 noch anderer Meinung gewesen. Er hatte eine Verdoppelung der Gebühren beantragt, war damit aber abgeblitzt.

Samuel Ramseyer (SVP) war schon vor zwei Jahren Präsident der kantonsrätlichen Bildungskommission. Gestern betonte er, dass eine Erhöhung der Gebühren in seiner Kommission nach wie vor nicht mehrheitsfähig sei. Persönlich ist er anderer Meinung: «Die Studiengebühren dürfen kein Tabu sein.» Für ihn ist eine Verdoppelung zumutbar. Für Ramseyer sind die Studierenden im Vergleich mit Jugendlichen in Berufsbildung ohnehin privilegiert. Ein Lehrling erbringe bereits in seiner Lehre eine Wirtschaftsleistung und habe nachher erst noch tiefere Lohnaussichten. Das erachtet Ramseyer als ungerecht. Allerdings betont er, dass niemand wegen der hohen Gebühren auf ein Studium verzichten müsse. Für Härtefälle gebe es Stipendien oder staatliche Darlehen.

Ein Bild aus ruhigeren Zeiten: Studenten in der Bibliothek der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich. Foto: Niklaus Stauss (Keystone) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 26.11.2009, 07:22 Uhr

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11 Kommentare

Alfred Balder

27.11.2009, 17:22 Uhr
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@ alle, die behaupten, ein studium sei nicht teuer und bedeute keine einschränkungen (stud. seien privilegiert): wenn das so ist, wieso haben nicht auch sie studiert oder holen das studium nicht nach? es gibt zwei möglichkeiten: entweder sie können es sich nicht leisten - also ist es doch nicht für alle finanzierbar; oder sie sind zu faul dafür - in diesem fall haben sie aber nichts zu meckern... Antworten


Stefan Meier

27.11.2009, 16:49 Uhr
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Wenn man sich Gedanken über die Löhne der Prof.en macht, sollte man bedenken, welchen riskanten Ausbildungsweg diese Leute haben: Jemand, der sich als Professor bewirbt, ist oft schon knapp 40 Jahre alt und steht 80 anderen potentiellen Prof.en gegenüber (Phil. Seminar). Bekommt er die Stelle nicht, ist er für die Privatwirtschaft massiv überqualifiziert, zu alt und mit zu wenig "Berufserfahrung". Antworten


Heinz Gfeller

27.11.2009, 16:39 Uhr
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@Roman Racine: Tut mir leid, Sie sind m.E. auf dem Holzweg. Ich befürworte eine Senkung der Löhne der Profs. auf das deutsche Niveau. Das Geld soll für zusätzlich Stellen im Mittelbau verwendet werden! Die Qualität der Bildung würde steigen. Antworten


Roman Racine

26.11.2009, 18:45 Uhr
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Hans Ulrich Suter: Die Löhne für Professoren sind in der Schweiz lachhaft tief im Vergleich zu den in der Privatwirtschaft für vergleichbare Positionen bezahlten Gehältern. Ein Vergleich mit D bringt nicht viel, in D sind sowohl die Löhne als auch die Lebenshaltungskosten und der allgemeine Lebensstandard durchs Band tiefer als in der CH. Antworten


Geranium Sylvaticum

26.11.2009, 13:16 Uhr
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eine erhöhung der gebühren verlängert das studium - etwas, was man mit bologna verhindern wollte! @h.u. sauter: ein land, in dem bildung die mit abstand wichtigste ressource ist, kann es sich nicht leisten, dort zu sparen! @thomas weber: handelsschulen sind private angebote, keine staatsangebote. die gebühren zu vergleichen macht keinen sinn. hier müsste wenn schon politisch entschieden werden. Antworten


Andreas Zimmerli

26.11.2009, 12:54 Uhr
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Die sollen nur mehr bezahlen, gut so! Denn immer mehr Ausländer kommen und Studieren hier und wollen dann bleiben! Und man sollte nicht vergessen dass Uni abgänger dann immmer extrem viel Geld verdienen! Nicht wie wir normalen Handwerker!!! Dazu kommt dass die Banker die uns in die Kriese gebracht haben auch alle auf der Uni waren und abzoken was und wie es nur geht! Antworten


Anita von Arb

26.11.2009, 12:44 Uhr
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Selbst nach der Verdoppelung der Studiengebühren sind diese noch tief. Im Vergleich zum Ausland und zu den Studien, welche "normal" Arbeiter machen. Eine Weiterbildung nach Schulabschluss kostetet mehr als CHF 10'000.00. Einige haben das Glück und konnen diese Kosten von den Steuern absetzen aber nicht alle. Die Studenten wissen nicht, dass sie da viel besser weg kommen. Ich finde es gut. Antworten


Tom Schneider

26.11.2009, 11:56 Uhr
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Die Mär von den bevorteilten Studenten wird so hartnäckig repetiert, wie wenn man damit eine Lüge zur Wahrheit machen wollte. Tatsache ist, wer eine Berufslehre macht, beginnt viel früher zu verdienen, und hat im Alter, wenn ein Student ins Berufsleben eintritt, bereits einen stattlichen Monatslohn. Wer studiert - erst recht wer lange studiert - ist bereits bestraft, auch ohne Gebührenerhöhung. Antworten


Jonas Schmid

26.11.2009, 10:39 Uhr
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Das ist wiedermal typisch, kaum steckt der Staat in der krise wird bei den Jungen und bei der Bildung gespart. Nur ja nicht die Steuer erhöhen für die Reichen, dafür höhere Studiengebühren für Studenten. Wie mein Studentenbudget das verkraften soll steht in den Sternen, habe es durchgerechet, eine Verdoppelung entspricht ca 3 Monatsmieten oder 5 Monate Krankenkasse,... Antworten


Hans Ulrich Suter

26.11.2009, 10:35 Uhr
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Eine Verdoppelung der Studiengebühren ist durchaus angemessen. Allerdings entstehen die Kosten an den Universitäten durch unangemessene Löhne (Lohn eines Prof. in CH doppelt so gross wie in D) und durch zu pompöse Bauten. Ob die Studenten 300 oder 600 zahlen ist da irrelevant, auch weil einige "Ueberhangstudenten", dann schlicht verschwinden. Antworten


Thomas Weber

26.11.2009, 09:46 Uhr
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Auch nach der Verdoppelung ist studieren immer noch markant billiger als eine schulische Ausbildung nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit. Z. B. der Besuch einer Handelsschule kostet ein Mehrfaches der neuen Studiengebühren. Ganz zu schweigen von weiteren Ausbildungen, AKAD etc. Das Argument von Frau Fee Michel betr. Chancengleichheit greift deshalb nicht. Antworten



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