Studenten geben sich kampfbereit
Von Daniel Schneebeli. Aktualisiert am 26.11.2009 11 Kommentare
Doppelte Studiengebühren: Stösst auch ausserhalb der Besetzer auf wenig Akzeptanz. (Bild: Keystone)
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Die Finanzen sind im Kanton Zürich in Schieflage. Es müssen 1,3 Milliarden Franken gespart werden, damit der mittelfristige Ausgleich gesichert ist. Bürgerliche Politiker haben deshalb ein altes und heikles Sparpostulat ausgegraben - die Erhöhung der Studiengebühren.
In Zahlen: Sie wollen eine Verdoppelung verlangen. Sowohl an der Universität wie auch an der Zürcher Fachhochschule würden die Semestergebühren auf 1200 bis 1400 Franken ansteigen. Um dies durchzusetzen, wollen die Bürgerlichen im Kantonsrat die Staatsbeiträge kürzen - in der Universität um 13 Millionen Franken, an der Fachhochschule um 5,5, Millionen.
Viel höher nur in St. Gallen und Lugano
Im Vergleich mit anderen Schweizer Universitäten sind die Zürcher Studiengebühren moderat (siehe Tabelle). Wesentlich höher sind sie nur in St. Gallen und in Lugano. Im Vergleich mit Deutschland sieht es anders aus. Noch immer gibt es Bundesländer, in denen Studieren gratis ist. Bis 2006 galten Studiengebühren als verfassungswidrig, was unterdessen aber durch das Karlsruher Bundesverfassungsgericht widerlegt wurde.
Heute werden in vielen deutschen Universitäten Studiengebühren erhoben - tendenziell vor allem in Süddeutschland. Sie sind ähnlich hoch wie im Kanton Zürich. Im Vergleich mit den anderen Universitäten Europas sind die Schweizer Gebühren eher tief. In den amerikanischen Eliteuniversitäten sind die Gebühren allerdings markant höher. Ein Studienjahr in Harvard kostet 40 000 Dollar und mehr.
Nicht nur Besetzer dagegen
In Zürich stösst die bürgerliche Forderung nach einer Verdoppelung der Gebühren vor allem bei den Studierenden auf Widerstand, und zwar nicht nur bei den Hörsaal-Besetzern. «Wir sind absolut entsetzt», sagt Sylvie Fee Michel, Präsidentin des Studierendenrats (Stura). Sie sieht die Chancengleichheit in Gefahr. Vielen Eltern mit mehreren Kindern sei es bei noch höheren Abgaben nicht mehr möglich, allen eine akademische Karriere zu finanziern.
«Man soll nach seinen Fähigkeiten studieren können, nicht nach dem Portemonnaie», sagt Michel. Sie verweist auch auf die hohen Lebenshaltungskosten in Zürich. Zusammen mit den Schweizer Studierendenschaften (VSS) will sich der Stura entschieden gegen höhere Gebühren wehren. In Planung ist eine Grossdemo am 12. Dezember - eine bewilligte, wie Michel betont. Von der Demo der Uni-Besetzer vom nächsten Freitag distanziert sich der Stura.
Uni-Rektorat ändert Meinung
Skeptisch reagierte auch Sebastian Brändli, Chef des Hochschulamts. «Im Alleingang kann das Zürich nicht beschliessen», sagt er und verweist auf interkantonale Vereinbarungen. Brändli ist überzeugt, dass vor allem die Zürcher Fachhochschule Marktnachteile hätte, weil die ausserkantonale Konkurrenz ähnliche Studiengänge in ähnlicher Qualität anbiete. Zudem sieht die interkantonale Fachhochschulvereinbarung maximale Gebühren von 2000 Franken jährlich vor. Würde Zürich mehr verlangen, müsse der Kanton für ausserkantonale Studierende die Differenz zum Maximalbetrag rückvergüten.
Uni-Rektor Andreas Fischer teilte gestern schriftlich mit, er sei gegen eine Erhöhung der Studiengebühren und werde sich für eine solide Finanzierung der Universität einsetzen. Sein Vorgänger Ulrich Weder war im Jahr 2007 noch anderer Meinung gewesen. Er hatte eine Verdoppelung der Gebühren beantragt, war damit aber abgeblitzt.
Samuel Ramseyer (SVP) war schon vor zwei Jahren Präsident der kantonsrätlichen Bildungskommission. Gestern betonte er, dass eine Erhöhung der Gebühren in seiner Kommission nach wie vor nicht mehrheitsfähig sei. Persönlich ist er anderer Meinung: «Die Studiengebühren dürfen kein Tabu sein.» Für ihn ist eine Verdoppelung zumutbar. Für Ramseyer sind die Studierenden im Vergleich mit Jugendlichen in Berufsbildung ohnehin privilegiert. Ein Lehrling erbringe bereits in seiner Lehre eine Wirtschaftsleistung und habe nachher erst noch tiefere Lohnaussichten. Das erachtet Ramseyer als ungerecht. Allerdings betont er, dass niemand wegen der hohen Gebühren auf ein Studium verzichten müsse. Für Härtefälle gebe es Stipendien oder staatliche Darlehen.
Ein Bild aus ruhigeren Zeiten: Studenten in der Bibliothek der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich. Foto: Niklaus Stauss (Keystone) (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 26.11.2009, 07:22 Uhr
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11 Kommentare
Auch nach der Verdoppelung ist studieren immer noch markant billiger als eine schulische Ausbildung nach Abschluss der obligatorischen Schulzeit. Z. B. der Besuch einer Handelsschule kostet ein Mehrfaches der neuen Studiengebühren. Ganz zu schweigen von weiteren Ausbildungen, AKAD etc. Das Argument von Frau Fee Michel betr. Chancengleichheit greift deshalb nicht. Antworten
Eine Verdoppelung der Studiengebühren ist durchaus angemessen. Allerdings entstehen die Kosten an den Universitäten durch unangemessene Löhne (Lohn eines Prof. in CH doppelt so gross wie in D) und durch zu pompöse Bauten. Ob die Studenten 300 oder 600 zahlen ist da irrelevant, auch weil einige "Ueberhangstudenten", dann schlicht verschwinden. Antworten
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