Studentenproteste: «An der ETH gibt es kein Potenzial»

Interview: Christoph Landolt. Aktualisiert am 20.11.2009 12 Kommentare

Warum eigentlich protestieren die Studierenden an der ETH nicht? Der Präsident der Studentenschaft über Bologna, den Einfluss der Wirtschaft und die politische Einstellung seiner Kommilitonen.

Nicholas Preyss, 25, ist Präsident des Verbands der Studierenden an der ETH (VSETH). Er studiert im 11. Semester Elektrotechnik.

Nicholas Preyss, 25, ist Präsident des Verbands der Studierenden an der ETH (VSETH). Er studiert im 11. Semester Elektrotechnik.

Gegenüber der ETH wird besetzt: Protest an der Uni Zürich.

Gegenüber der ETH wird besetzt: Protest an der Uni Zürich. (Bild: Keystone)

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Herr Preyss, wann beginnen an der ETH die Besetzungen?
Ich glaube nicht, dass es dazu kommen wird. Aus meiner Sicht gibt es an der ETH kein Potenzial für solche Aktionen. Bestimmt gibt es unter den Studenten solche, die mit den Protestierenden sympathisieren, aber eine Besetzung ist für uns keine Option.

Warum fehlt dieses Potenzial?
Viele Forderungen zur Mitbestimmung, die an anderen Unis gestellt werden, sind bei uns längst umgesetzt. Dazu hat Bologna die Struktur des Studiums an der ETH nicht stark so verändert. Selbstverständlich bringt die Bologna-Reform auch bei uns einige Probleme mit sich, diese wurden von den Studierenden und der ETH-Leitung erkannt. Wir denken, dass wir die Probleme gemeinsam lösen können.

Wie stark können die Studierenden an der ETH mitbestimmen?
Wir sind in der privilegierten Situation, dass die ETH der Studentenschaft eine ungewöhnlich starke Position einräumt. Wir sind finanziell und strukturell weitgehend unabhängig. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten sehr bewährt. Möglicherweise ist das an der Uni Zürich anders.

Die Besetzer kritisieren den Einfluss der Wirtschaft auf die Lehre. An der ETH steuern Private einen sehr viel grösseren Anteil ans Budget bei als an der benachbarten Uni. Wie stark reden die Konzerne mit?
Der Einfluss auf die Lehre ist in meinen Augen gering. Bei der Forschung muss man sagen, dass die Interessen der Wirtschaft oft auch die Interessen der Hochschule sind. Das muss kein Gegensatz sein – gerade in den technisch-naturwissenschaftlichen Bereichen nicht. Dieses Thema wird unter den Studenten rege diskutiert, zum Beispiel wenn es um Beiträge aus der Atombranche oder der Rüstungsindustrie geht.

ETH-Studierende sind doch einfach systemkonform und unkritischer als Uni-Studierende. Ihr bastelt an euren Karrieren, statt den Aufstand zu proben.
Nein, das glaube ich nicht. Das studentische Engagement ist an der ETH sehr stark ausgeprägt. Mindestens so stark wie an der Uni. Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass man mit unserer Schulleitung gemeinsam an Lösungen arbeiten kann.

Sind ETH-Studenten einfach weniger links?
Da möchte ich keine Wertung vornehmen. Vielleicht sind wir eher konstruktiv, pragmatisch eingestellt. Und nicht so ideologisch. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.11.2009, 15:24 Uhr

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12 Kommentare

Thomas Keiser

20.11.2009, 16:44 Uhr
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An der ETH soll alles besser sein? Der Schein trügt und als ETH Student ist man einfach systemkonformer, weil man sonst gnadenlos rausfliegt. Gute oder schlechte Bedingungen / Professoren hin oder her. Die Gehirnwäsche funktioniert einfach besser als an der Uni. Aber was sag ich. Die Schweiz ist doch das perfekte Beispiel für Angepassertum, deshalb brauchen wir soviele Experten aus dem Ausland. Antworten


Anja Reichmuth

20.11.2009, 15:37 Uhr
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Ich möchte darauf hinweisen, dass im Besetzten Hörsaal an der Uni auch immer wieder ETH-Studenten mit kritischen Voten anzutreffen sind! Antworten



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