Schweiz

Uni-Besetzer schalten sich selbst stumm

Die Studierenden, die an der Uni Zürich einen Raum besetzt halten, wollen auch am Wochenende ausharren. Neu übertragen sie ihre Sitzungen per Livestream im Internet – allerdings mit einem Haken.

Sobald wieder gesendet wird, sehen Sie hier den Livestream aus dem KOH-B-10.


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Um 0.55 Uhr war es zu Ende. Das abendliche Plenum, das die protestierenden Studenten im Raum KOH-B-10 veranstaltet haben, begann am Donnerstag Abend um 18 Uhr und zog sich über mehrere Stunden hin. «Mehrere Dutzend Studierende» sind gemäss der «Zürcher Studierendenzeitung» bis zum Schluss geblieben.

Die Besetzer haben offenbar beschlossen, die Plenumssitzungen per Livestream öffentlich zu machen. Nachdem die Veranstaltung zu Beginn noch in Bild und Ton zu empfangen war, befürchteten die Studenten, dass das Rektorat und die Medien mithören könnten. Sie beschlossen deshalb, den Ton abzudrehen und nur noch Bilder zu übertragen. Der Livestream sei vor allem dazu da, «von dem besetzten Hörsaal einen bildlichen Eindruck zu bekommen», meldeten die Besetzer.

In den Kommentarspalten des Livestreams war der Unmut gross. Ein Zuschauer fragte sich, was es da zu verstecken gebe und kündigte den Besetzern gleich die Unterstützung auf. Ein anderer beschimpfte die Protestierenden als «feige Säcke».

Besetzer bleiben übers Wochenende – Räumung nicht ausgeschlossen

Der Kampfgeist der Besetzer scheint allerdings ungebrochen. Über das Wochenende soll der wegen seiner Farbe «Haribo»-Raum genannte Hörsaal blockiert bleiben. Die Studenten haben einen Aufruf an Künstler gerichtet, die sich «mit den Protesten solidarisieren und sich gerne aktiv in ein kulturelles Rahmenprogramm einbringen wollen.» Wer Lust habe, ein Konzert, eine Lesung oder einen Workshop zu veranstalten, sei im KOH-B-10 am richtigen Ort.

Nachdem die Besetzer ein Gesprächsangebot von Uni-Rektor Andreas Fischer ausgeschlagen haben, ist dieser an das Plenum von heute Abend eingeladen. Ob Fischer sich in den besetzten Hörsaal begeben will, ist zur Zeit noch nicht entschieden. «Wir werden alles tun, damit die Sicherheit gewährleistet ist», erklärte Uni-Sprecherin Christina Hofmann auf Anfrage von Tagesanzeiger.ch. Personenschutz sei allerdings nicht nötig. Auch über eine Räumung hat die Uni-Leitung noch nicht entschieden. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 20.11.2009, 11:15 Uhr

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22 Kommentare

Beno Gerber

20.11.2009, 17:01 Uhr
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Endlich wehren sich ein paar Studenten, wenn auch zaghaft, gegen die völlige Vereinnahmung der Universität durch die Wirtschaft. Wie weit uns z.B. die nach den Wünschen der Konzerne programmierten HSG-ler gebracht haben, zeigt ja die jetzige Krise. Von der Zürcher Bildungsministerin hört man keinen Pieps. Die Uni ist ja schliesslich „Autonom“. CS, UBS, Nestlé Novartis etc. können da nur lachen. Antworten


René Hofstetter

20.11.2009, 15:00 Uhr
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Ja, die Umsetzung des Bologna-Protokolls sind mangelhaft, die Bildungsumstände lassen sicher auch zu wünschen übrig. - Aber damit die Sache (weiterhin) ernst genommen wird, braucht es Forderungen, klare Kommunikation, einen _umsetzbaren_ Plan, wie man produktiv aus der Situation wieder herauskommt. - Besetzt ist schnell, umgesetzt wohl nicht... Antworten


Attila Steiner

20.11.2009, 14:46 Uhr
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Die Uni Zürich leistet gute Arbeit, wer das nicht sehen kann, hält seine Augen ebenso verschlossen wie die Gegner der Aktion. Der Aktion, so wie ich sie bis jetzt erlebt habe, fehlt es an Koordination und einer sonoren Grundhaltung, die sich in mehr manifestiert als in den wild durchmischten Zielen der Besetzer. Lieber nur 2 Ziele (Studiengeb./Infrastruk.?) statt 18, dafür die Unterstützung Vieler Antworten


Roger Kaufmann

20.11.2009, 14:31 Uhr
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Wie sollen wir Probleme unserer Zeit (wie z.B. die Wirtschaftskrise) lösen, wenn die zukünftigen Experten von denen ausgebildet werden, die die Probleme verursacht haben? Wenn die selben Inhalte gelehrt werden, die zu dieser schlimmen Lage geführt haben? Die Studenten müssen hier den Hebel ansetzen, wenn die Hochschulleitungen dies nicht selbst begreifen. Antworten


Daniel Wassmann

20.11.2009, 14:22 Uhr
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Applaus für den kritischen Einsatz der Studierenden! Wie lange wollen wir die Bestimmung der Lerninhalte von oben herab noch hinnehmen? Mitbestimmung! Studenten sind mündige Akteure unserer Gesellschaft. Ihre geringere Erfahrung im Arbeitsumfeld und Wirtschaft, und ihr daraus resultierender Idealismus sollten wir als Chance begreifen! Antworten


Maurus Nebiker

20.11.2009, 14:18 Uhr
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Was mich wundert ist, dass "nur" die Studenten protestieren, obwohl ich als Student an der Uni Zürich von praktisch allen Professoren dauernd höre, dass sie mit dem Bologna System etc absolut unzufrieden sind. Wieso wehren sich diese nicht? Oder verdienen sie soviel, dass ihnen die Studenten egal sind? Übrigens ich unterstütze die Protestaktionen! Antworten


Thomas Lüchinger

20.11.2009, 14:16 Uhr
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Man möge den Protestierenden die chaotische Kommunikation verzeihen. Immerhin wurden auch die "Organisatoren" des anfänglichen Plenums, andem die Besetzung beschlossen wurde, vom Entscheid überrascht. Was jedoch nun in den Diskussionen und Arbeitsgruppen entsteht, ist ein Anschauungsbeispiel von Meinungsbildung, Mitbestimmung und Basisdemokratie, wie es kein Seminar besser hervorbringen kann! Antworten


Hannes Zürcher

20.11.2009, 14:10 Uhr
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Besetzung und die ganze Zensur passen einfach nicht zusammen. Wer eine so radikale Demonstrationsform wählt, der soll bitteschön auch entsprechend offensiv kommunizieren! Aber nein: Keine Journalisten, Tonzensur im Internetstream, keine verantwortlichen Köpfe, keine öffentliche Diskussion - und vor allem: Weder klare Forderungen noch Ideen zu deren Umsetzung. Antworten


Klaus Hofmann

20.11.2009, 14:00 Uhr
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Ich bin Student an der Uni Zuerich. Verbesserungsbedarf besteht immer und überall. Die Aktion der Besetzer nötigt mich und schränkt mich ein, ich will studieren. Meine Anliegen kann ich selber gut in den Seminaren und Uebungen einbringen. Ich erlebe, was jetzt abläuft, als Gewaltausübung einer Minderheit. Antworten


Klaus Hofmann

20.11.2009, 14:00 Uhr
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Ich bin Student an der Uni Zuerich. Verbesserungsbedarf besteht immer und überall. Die Aktion der Besetzer nötigt mich und schränkt mich ein, ich will studieren. Meine Anliegen kann ich selber gut in den Seminaren und Uebungen einbringen. Ich erlebe, was jetzt abläuft, als Gewaltausübung einer Minderheit. Antworten


Georg Wildi

20.11.2009, 13:47 Uhr
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Ich fühle mich als ehemaliger Student sehr wohl von dieser aktiven "Minderheit" repräsentiert. Auch in meinem Studium war es offensichtlich, welche Seminare von "Partnern" unterstützt und finanziert und somit sicherlich auch Inhaltlich beeinflusst waren. Kein Geldgeber stellt Mittel zur Verfügung, wenn die Resultate sich gegen ihn richten! Dies verhindert eine kritische Reflektion. Antworten


Robert Aeschlimann

20.11.2009, 13:23 Uhr
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Diese Protestaktion ist lächerlich ,keine Komunikation ,keine konkreten Anliegen.Das einzige was da ein paar wenige produzieren ist sinnloses Chaos. Gegen Aussen wirkt das wie ein paar Studenten die irgend eine Protestparty feiern ohne recht zu wissen für was. Vielleicht hätten sie im Vorfeld zuerst etwas studieren müssen?Komunikations-Wissenschaften?Es gibt sicher Vorlesungen dazu. Antworten


Hans Meier

20.11.2009, 12:56 Uhr
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Spätpubertierende proben einen Aufstand um des Aufstand's willen! Es gäbe durchaus berechtigte Kritik an der Uni und allgemeinen an der CH-Hochschulpolitik. Wer aber in die Marxistische-Irgendetwas-Mottenkiste greift und nur irgendwelches Geschwafel hervorbringt, betreibt ideologische motivierte Politik. Antworten


Marla Kieser

20.11.2009, 12:53 Uhr
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@urs zürcher: Ich bin nicht deiner Meinung. Die Protestierer repräsentieren jedenfalls meine Meinung und ich bin froh, dass sie es tun. Weil es liegt vieles im Argen an der Uni Zürich. Für viele Professoren ist es auch einfach nur ein bequemer Arbeitsort, wo sie ihre Forschung betreiben können ohne wirklich Rechenschaft abzulegen, dass dabei die Lehre auf der Strecke bleibt ist den Egoisten egal. Antworten


urs zürcher

20.11.2009, 12:32 Uhr
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Ich selbst bin student an der UZH und finde es gut das die anliegen der studenten kommuniziert werden. jedoch räpresentieren diese besetzer uns studenten nicht, niemand identifiziert sich mit ihnen. die besetztung ist selbstzweck, etwas aufstand, etwas action revolution spielen! Antworten


hansli müller

20.11.2009, 12:28 Uhr
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wer von sachbeschädigung spricht täuscht sich gewaltig. er sollte ,m sich vom gegenteil zu überzeugen,mal in der uni vorbeischauen. die behauptung die besetzer hätten keine ziele ist eine populistische lüge. Antworten


Gianni Burgener

20.11.2009, 11:42 Uhr
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Die Angelegenheit entwickelt sich langsam aber sicher zur Farce. Die Anliegen, so schwammig sie auch formuliert sein mögen, haben wohl ihre Berechtigung. Doch die ganze Aktion lässt ein bisschen auf einen organisatorischen Schnellschuss schliessen. Kein Wunder, dass sich viele Studenten mit derlei Aktionen nicht identifizieren können. Antworten


Franz Buchmann

20.11.2009, 11:36 Uhr
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Wenn Studierende Engagement zeigen, um eine kritische Plattform aufzubauen, soll man ihnen diese zur Verfügung stellen. Wir wollen doch nicht eine Gesellschaft von stummen Ja-Sagern, die sich demütig ducken und sich sämtlichen Begebenheiten anpassen, ohne sie zu hinterfragen. Ich begrüsse diese Aktion! Antworten


Manuel Anderuni

20.11.2009, 11:34 Uhr
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Ich persönlich finde es auch extrem schade, dass kein Ton übertragen wird. Ich glaube man sollte den AktivistInnen aber auch mal wieder ein wenig Verständnis entgegenbringen. Der Unmut ist offensichtlich gross, und dass nun an der Universität ein Forum für die Diskussion enstanden ist grossartig. Ich habe noch nie so lange so konstruktiv diskutiert wie im und um den besetzten Hörsaal. Antworten


Andreas Suehler

20.11.2009, 11:14 Uhr
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Ich bin selbst Student an der Uni und diese Nichtsnutze behindern die grosse Mehrheit am studieren. Sie haben weder Unterstützung aus der Studentenschaft, noch einen triftigen Grund für ihr Tun. Von mir aus kann man das Gebäude räumen - egal wie. Antworten


Rudolf Gähler

20.11.2009, 11:08 Uhr
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Ich habe selber studiert und solidarisiere mich deshalb grundsätzlich mit Studenten-Anliegen. Diese kleine Minderheit von Studierenden an der Uni Zürich geht aber zu weit. Protestieren um des Protestes wegen ist sinnlos und stört jene, die das Studium ernst nehmen! Am besten räumen diese spätpubertierenden Jungs und Mädels nicht nur den besetzten Hörsaal, sondern auch gleich die Uni. Antworten


Martin Mayer

20.11.2009, 11:07 Uhr
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Die paar Protestierenden sind nicht repräsentatov für die UZH. Von daher sollten sie auch nicht von Demokratie reden. Die Besetzung, bei der jetzt auch Künstler auftreten sollen, erinnert ein bisschen an Cédric Wehrmuts Hotelbesetzung in Baden.. Ein paar Tage Party, an sich keine Ziele und übrig bleibt ein Berg voll Abfall und ein paar Sachbeschädigungen. Das haben die UZH Studenten nicht verdient Antworten