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«Wir dürfen Israels Politik sehr wohl kritisieren»

Von Res Strehle. Aktualisiert am 30.01.2009 33 Kommentare

In Davos äusserte sich Premier Tayyip Erdogan vor Journalisten zu seiner Vermittlerrolle im Nahen Osten. Nachfolgend Auszüge aus dem Gespräch.

Tayyip Erdogan: «Die westlichen Staaten bekennen sich zur Demokratie, dann sollen sie aber auch das Ergebnis von demokratischen Wahlen der Palästinenser respektieren.»

Tayyip Erdogan: «Die westlichen Staaten bekennen sich zur Demokratie, dann sollen sie aber auch das Ergebnis von demokratischen Wahlen der Palästinenser respektieren.»
Bild: Keystone

Wie steht es um Ihre Ausgleichsbemühungen zwischen Israeli und Palästinensern?
Ich hatte am 23. Dezember ein Treffen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Olmert. Es ging um die Frage des Gefangenenaustauschs. Gegen den israelischen Soldaten X. hätte eine Reihe von palästinensischen Gefangenen ausgetauscht werden sollen. Die israelische Seite beschied mir, dass es für Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas nicht gut wäre, wenn diese Gefangenen freigelassen würden. In der folgenden Woche präsentierten wir eine neue Liste, diesmal ausschliesslich mit Kindern und Frauen. Bevor wir dazu eine Antwort bekamen, startete die israelische Armee am 27. Dezember die Angriffe gegen die Hamas im Gazastreifen. Ich empfand dies auch als Ausdruck mangelnden Respekts unserer Rolle gegenüber.

Sie haben Israels Vorgehen in Gaza stark kritisiert. Man wirft Ihnen deshalb Antisemitismus vor.
Das ist falsch. Ich sage seit der ersten Woche, in der ich in Ankara im Amt war, dass Antisemitismus ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist. Aber diese Haltung darf uns nicht daran hindern, die Politik Israels zu kritisieren. Der Vorstoss in den Gazastreifen hat 1300 Menschenleben gekostet, unter ihnen viele Zivilisten, Frauen und Kinder, und 6000 Verwundete. Die Infrastruktur ist total zusammengebrochen. Natürlich waren die Raketenangriffe der Hamas seit dem Ende des Waffenstillstands verfehlt – aber wie viele Opfer haben sie gefordert? Diese Zahl steht in keinem Verhältnis zur Zahl der Opfer des Kriegs in Gaza. Ich weiss nicht, ob dieser Krieg eine Investition in die israelischen Wahlen vom 10. Februar war. Ich kann nur sagen: Falls ja, dann sind die Kosten dieses Wahlkampfs für die palästinensische Bevölkerung zu hoch.

Sind Sie im Nahostkonflikt noch unparteiisch?
Sicher, wir bieten nach wie vor unsere Hilfe an und sind bereit, eine aktive Rolle im Friedensprozess in dieser Region zu spielen. Unser Ansatz dabei ist einerseits humanitär – andererseits geht es uns darum, Sicherheit für alle in der Region zu schaffen. Die westlichen Staaten bekennen sich zur Demokratie, dann sollen sie aber auch das Ergebnis von demokratischen Wahlen der Palästinenser respektieren.

Welchen Ratschlag geben Sie der neuen amerikanischen Regierung?
Barack Obama sollte den Begriff des Terrorismus aus der Ära Bush neu definieren und differenzieren. In der Türkei haben wir das in unserer Regierungszeit gemacht. Wir haben ein Fernsehen ermöglicht, das 24 Stunden am Tag in kurdischer Sprache sendet; wir haben die Religion der Alewiten in die Schulbücher unseres Landes aufgenommen und haben massiv in die Infrastruktur des Südostens investiert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.01.2009, 06:24 Uhr

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33 Kommentare

Mari Wunderli

29.01.2009, 23:53 Uhr
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interessant- darf Herr Peres seine Meinung nun auch sagen? Die Türkei versucht vielleicht zu helfen- aber die Anti Israeund Anti- Semitischen Proteste im Land dürften Hr. Erdogan schwer zu schaffen machen? Von wegen Opfern: die gemordeten Kurden zählen nicht? Das Thema darf wohl nicht aufgegriffen werden! Antworten


Pau´l Thürig

30.01.2009, 11:00 Uhr
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Man muss Israel wegen den neuesten massiven Verletzungen des humanen Völkerrechts und den ständigen Behinderungen internationaler Organisationen im Gaza,wie das IKRK und die UNO,nicht nur kritisieren,sondern klar verurteilen. Natürlich gilt das auch für die ungezügelten Freischärler im Gaza und anderswo. Antworten



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