«Über Giftpilze werden viele Mythen erzählt»
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Horgen. - Es stinkt im Gärtnerhaus auf dem Friedhofsareal. Gerade eben brachte eine Familie ihre gesammelten Pilze zu Godi Leuthold. Pilze in allen Farben und Variationen. Der Horgner Orts-pilzexperte sieht auf den ersten Blick: Da ist nicht viel Geniessbares dabei.
Geduldig sortiert er die Pilze aus und legt die Ungeniessbaren in braune Schalen auf ein Tischchen hinter sich. Einige der Pilze sind giftig, und eben, einer stinkt grässlich. Später wird er sie alle wegwerfen. Mit ein paar wenigen Pilzen geht die Familie nach Hause. Ärgern Sie Situationen wie diese?
Manchmal schon, ja. Wenn Leute einfach Pilze aller Arten bringen, obschon sie sie nicht kennen, ärgert mich das. Es ist zwar nicht meine Aufgabe als Pilzkontrolleur den Polizisten zu spielen, aber in solchen Situationen weise ich auf die kantonale Pilzschutzverordnung hin. Sie besagt, dass zum Schutz der wildwachsenden Pilze grundsätzlich nur dem Sammler bekannte Pilze gesammelt werden dürfen. Welchen Tipp würden Sie denn Leuten geben, die nicht viele Pilze kennen?
Das Wichtigste ist, dass man nicht wild drauflos sammelt, sondern sich auf einzelne Pilzarten konzentriert. So kann man sich diese viel besser merken und kennt sie auch, wenn man sie das nächste Mal im Wald sieht. Mitnehmen sollte man aber nur die schönen Exemplare. Leider werden manchmal auch bereits vergammelte Pilze zu mir zur Kontrolle gebracht. Können Sie sich erinnern, mit wem Sie Ihren ersten Pilz gefunden haben?
Nein, so genau weiss ich das nicht mehr. Ich erinnere mich zwar, dass schon mein Vater ab und zu Pilze nach Hause brachte. Aber erst durch meinen Schwiegervater kam ich so richtig mit Pilzen in Kontakt. Er war ein leidenschaftlicher Pilzsammler. Wie hat sich diese Faszination auf Sie übertragen?
Ich glaube, jeder Mensch hat einen natürlichen Sammeltrieb. Das Pilzen packte mich einfach. Und das Hobby bringt mir auch sehr viel: So sehe ich im Wald meist eine Vielfalt an wunderschönen Blumen, Pflanzen, aber auch wilde Tieren. Ich denke, das macht die Faszination aus. Vom Hobby zum Pilzkontrolleur. Wie kam es dazu?
Nach vielen Jahren als Hobbysammler wollte ich die Pilze noch besser kennen lernen. So beschloss ich, mich zum Pilzkontrolleur ausbilden zu lassen. Obwohl - die Ausbildung war nicht immer einfach, und bei meinem ersten Einsatz als Pilzkontrolleur habe ich Blut geschwitzt. Das kann man sich gut Vorstellen, bei all den verschiedenen Arten, die ein Pilzkontrolleur kennen muss. Welcher Pilz wird denn am meisten zur Kontrolle gebracht?
Dies ist natürlich sehr saisonbedingt. Im Herbst sind dies die typischen Herbstpilze wie die Nebelkappe und der Hallimasch. Bringen Leute versehentlich auch giftige Pilze bei Ihnen vorbei?
Es gibt nur wenig Pilze, die wirklich ganz gefährlich sind. Das heisst, Exemplare, die schon in kleinen Mengen tödlich sein können. Dementsprechend selten bringen Leute solche vorbei. Gibt es in der Region überhaupt solche gefährlichen Pilze?
Ja. Der Knollenblätterpilz beispielsweise ist einer, der sehr giftig ist und auch noch häufig vorkommt. Gingen wir jetzt in den Wald, würden wir sicher einige Exemplare davon finden. Ich möchte aber betonen, dass vieles, was über Giftpilze erzählt wird, Mythos ist. Tödliche Pilzvergiftungen kommen nur selten vor. Viel häufiger haben Betroffene einfach eine Magenverstimmung. Sind Sie selbst auch noch häufig am Pilzen?
Ja. Das Pilzen fasziniert mich so, dass ich von Frühling bis Herbst, ausserhalb der Schonzeit, fast jede Woche unterwegs bin. Meist gehe ich an einem Samstag, und wegen meiner jahrelangen Erfahrung, werde ich auch meist schnell fündig. Was war denn der beste Fund, den Sie je gemacht haben?
Das kann ich so nicht sagen, denn ich freue mich jedes Mal wieder, wenn ich einen schönen Pilz entdecke. Ein sehr guter Fund war, als ich einmal nur so von Steinpilzen umringt war. Oder als ich 40 Morcheln an einem Platz fand - denn Morcheln gehören wegen ihres aromatischen Geschmacks zu meinen Lieblingspilzen. Verraten Sie uns, wo Sie jeweils am schnellsten fündig werden?
Ich denke dass kein Pilzssammler seine guten Plätze verrät (lacht). Jeder hat seine Geheimplätze, die er während Jahren beobachten und kennen lernen musste. Meine Lieblingsplätze verrate ich nicht mal meinen besten Freunden. Gemäss Pilzschutzverordnung des Kantons Zürich dürfen in der Zeit vom 1. bis und mit 10. Tag jedes Monats keine Pilze gesammelt werden. Eine Person darf pro Tag nicht mehr als 1 Kilo Pilze sammeln. Pilzkontrolle Horgen: Mo 19-19.30, Mi, Sa, So 18-19 Uhr, Kirchstrasse 58, www.pilzverein-horgen.ch
Pilzexperte Godi Leuthold in seinem Element: Er kontrolliert einen Schafporling. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 29.08.2009, 02:04 Uhr
Schweiz
Familie, Beruf und Studium
Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.
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