BKW schickt Deutsche in Integrationskurse
Von Mischa Aebi. Aktualisiert am 08.06.2011 59 Kommentare
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Der steigende Anteil deutscher Mitarbeiter beim Berner Elektrizitätskonzern BKW führt offenbar zu Konflikten. So interpretieren lässt sich jedenfalls ein Mail, das die BKW-Konzernleitung jüngst verschickte. Es richtete sich ausschliesslich an die 130 Deutschen in der 2800-köpfigen BKW-Belegschaft. Es war eine Einladung. Im Mail steht unter anderem diplomatisch formuliert: Deutsche stünden bei den Schweizer Medien im Ruf , «arrogant und direkt» zu sein. Deshalb plane die BKW für Mitarbeiter aus Deutschland nun interne Integrationskurse.
«Missverständnisse»
In deutschen Kreisen geriet die Einladung, vor allem aber deren Begründung, etlichen in den falschen Hals. Das sei ein Affront und zementiere bloss das leidige Klischee.
Anders sieht das BKW-Sprecher Antonio Sommavilla. Er betont, die Kurse seien freiwillig und die Zahl der Anmeldungen sei gross: «Rund die Hälfte der deutschen Mitarbeiter hat sich für den Kurs gemeldet.» Druck von den Vorgesetzten habe es nicht gegeben, versichert er. Auch von negativen Reaktionen habe er nichts gehört. Im Kurs gehe es darum, den Deutschen die Gepflogenheiten der Schweizer sowie hiesige sprachliche Umgangsformen näherzubringen – zum Beispiel den «Diskussionsstil» oder «auch ty-pisch schweizerische Redewendungen».
BKW-Sprecher Sommavilla beteuert auch: «Uns sind keine anhaltenden Konflikte zwischen deutschen und Schweizer Mitarbeitern bekannt.» Warum aber kam die BKW überhaupt auf die Idee, solche Kurse durchzuführen? Sommavillas Antwort: Ein Mitarbeiter einer BKW-Geschäftseinheit sei mit dem Wunsch solcher Integrationskurse an die Personalabteilung gelangt. Bei der BKW-Geschäftsleitung ist das auf offene Ohren gestossen. Ziel der Kurse sei etwa, «unnötige Missverständnisse» zwischen Schweizern und Deutschen zu vermeiden.
Bei 11 Prozent unbeliebt
Solche Integrationskurse für Deutsche können je nach Absichten durchaus sinnvoll sein, findet Marc Helbling. Der Schweizer Forscher arbeitet am Wissenschaftszentrum für Sozialforschung in Berlin. Er hat in der Studie «Warum Deutschschweizer Deutsche nicht mögen» das Verhältnis zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen untersucht. Es sei tatsächlich so, dass viele Schweizer Deutsche arrogant und direkt finden, sagt er. Er hat dazu eine Umfrage ausgewertet, in welcher 1300 Schweizer zu diesem Thema befragt wurden. Das Resultat: 11 Prozent der Schweizer haben ein Problem mit Deutschen, «nur» rund 4 Prozent haben hingegen ein Problem mit Italienern, und ebenfalls nur 4 Prozent haben ein Problem mit Franzosen. Bei satten 51 Prozent stossen allerdings Menschen aus Ex-Jugoslawien auf Ablehnung.
Klischee bestätigt
Er selber habe kein Problem mit Deutschen, sagt Helbling. Allerdings ist er überzeugt, dass das Klischee über die Deutschen nicht bloss herbeigeredet ist: «Meine Erfahrung zeigt mir eindeutig, dass Deutsche direkter sind zueinander.»
Warum aber mögen Schweizer die Deutschen nicht? Helbling nennt verschiedene Gründe: Erstens könnten gewisse Grundhaltungen der Schweizer nach wie vor durch das nationalsozialistische Erbe Deutschlands erklärt werden. Wichtiger sei aber die starke Zunahme der Deutschen in der Schweiz in kurzer Zeit. Überall, wo eine Ausländergruppe über einen kurzen Zeitraum eingewandert sei, sei es zu ablehnenden Haltungen gekommen. Die Deutschen würden deshalb als kulturelle und ökonomische Bedrohung wahrgenommen.
In der Schweiz leben zurzeit rund 264000 deutsche Staatsangehörige. Das sind 3,4 Prozent der Gesamtbevölkerung. Besonders gross ist die Ablehnung der Deutschen in Zürich: Dort machen sie rund 5,6 Prozent der Bevölkerung aus. Im Thurgau sind es gar 6,8 Prozent. Im Kanton Bern leben «nur» rund 25000 Deutsche, was einem Anteil von 2,5 Prozent entspricht.Mischa Aebi> (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.06.2011, 08:59 Uhr
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59 Kommentare
Hab es schon mehrmals gehört und selber erlebt: Sobald ein Deutscher ins Team geholt wird - insbesondere Vorgesetzte - machts Schwupp und die Kündigungen gehen los. Irgendwie sind sie halt zu "militärisch". Das mögen wir Schweizer eben gar nicht. Antworten
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