1000 Dollar für Organspende

Swisstransplant wurden mehrmals Organe aus dubiosen Quellen angeboten. Auf dem illegalen Markt seien vor allem Nieren gefragt, sagt Swisstransplant-Präsident Franz Immer.

Swisstransplant wurden schon mehrfach Organe aus dubiosen Quellen angeboten: Eine Nierentransplantation im Universitätsspital Basel (Archivbild).

Swisstransplant wurden schon mehrfach Organe aus dubiosen Quellen angeboten: Eine Nierentransplantation im Universitätsspital Basel (Archivbild). Bild: Keystone

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Herr Immer, wurden Swisstransplant auch schon Organe aus zweifelhaften Quellen angeboten?
Ja, per E-Mail in relativ gutem Englisch und von dubiosen Adressen. Das hat dann 2008 plötzlich aufgehört, vermutlich weil der Spam-Filter die Mails geblockt hat.

Wer sind diese Anbieter?
Das war bei diesen Mails nicht ersichtlich. Wir vermuten aber, dass die Anfragen aus osteuropäischen Ländern stammen. Im Fall von Kosovo haben wir bei Swisstransplant keine Anhaltspunkte für Organhandel.

Welche Organe werden auf dem illegalen Markt am häufigsten gehandelt?
Vor allem Nieren, weil man sie bis zu 48 Stunden aufbewahren und gekühlt transportieren kann. Zudem ist das Organ leicht zu entnehmen und zu implantieren.

Wie funktioniert der illegale Markt?
Vor allem in armen Regionen wie Ägypten und Indien verkaufen Menschen aus finanziellem Notstand ihre Niere. Diese Lebendspender erhalten dafür 1000 bis 5000 Dollar. Die medizinische Nachversorgung, die lebenswichtig wäre, ist aber nicht gewährleistet.

Im Zusammenhang mit illegalen Organspenden wird auch immer wieder China genannt.
Ja. Untersuchungen der UNO zeigen sogar, dass man beispielsweise Anhänger von Falun Gong inhaftiert hat mit dem Ziel, sie als Organspender zu verwenden. Hier wurden Todesurteile mit Hinblick auf Organentnahme gefällt. China verstösst damit gegen sämtliche Konventionen. Für China scheint es legal zu sein, aus unserer Sicht ist das eine humanitäre Katastrophe. Man spricht von 350'000 Inhaftierten, die als potenzielle Spender infrage kommen.

Wer sind die Empfänger dieser illegalen Nieren?
Es gibt zwar keine verlässliche Informationen, doch es dürfte sich vor allem um wohlhabende Menschen handeln, die sich das leisten können.

Woher bezieht Swisstransplant die Organe für die Schweizer?
Sie stammen zu 95 Prozent von Spendern aus der Schweiz, welche auch die gesetzlichen Anforderungen erfüllen. Fünf Prozent beziehen wir im legalen Organaustausch mit anderen Ländern in Europa, vor allem aus Frankreich.

Wie stellen Sie sicher, dass die Organe nicht aus illegalen Quellen stammen?
Wir arbeiten mit den jeweiligen staatlichen Organisationen zusammen und können jeden Spender zurückverfolgen, es ist alles dokumentiert.

Haben Schweizer, die auf eine Spende angewiesen sind, auch schon versucht, im Ausland auf eigene Faust Organe zu bekommen?
Uns sind lediglich fünf Fälle in der Schweiz bekannt, die zwischen 1990 und 1995 im Ausland Organe bezogen haben. Das ist ja auch nicht strafbar. Ich denke aber nicht, dass es bei Schweizern eine Art «Transplantationstourimus» gibt. Zu gross ist die Angst, im Ausland schlechte Organe zu erhalten und medizinisch nicht ausreichend versorgt zu sein. Trotzdem sind die Familien in der Schweiz natürlich verzweifelt, weil es viel zu wenig Spender gibt. Da sind wir froh, auch Organe aus dem Ausland beziehen zu können.

Wie viele Schweizer warten aktuell auf ein Spenderorgan?
1050 Menschen sind zurzeit auf der Warteliste für ein Organ. Wir führen jährlich 500 Transplantationen durch, zwei Drittel davon sind Nieren. Dazu 100 Lebern und gegen 50 Lungen. Im Schnitt muss ein Patient zwei bis drei Jahre auf ein Organ warten. Die Spenderliste wird von Jahr zu Jahr länger. Das hat aber auch damit zu tun, dass man aufgrund der langen Wartezeit die Patienten schon sehr früh anmeldet. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

(Erstellt: 18.12.2010, 20:21 Uhr)

Swisstransplant-Präsident Franz Immer

Swisstransplant

Swisstransplant ist als nationale Zuteilungsstelle im Auftrag des Bundes für die gesetzeskonforme Zuteilung der Organe an die Empfänger zuständig. Sie organisiert auf nationaler Ebene alle mit der Organzuteilung zusammenhängenden Tätigkeiten und arbeitet mit den ausländischen Zuteilungsorganisationen zusammen. Weiter führt Swisstransplant die Warteliste der Organempfänger.

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