320 IV-Betrüger aufgeflogen

Die Betrugsbekämpfung der Invalidenversicherung zahlt sich aus: Hochgerechnet rund 100 Millionen Franken konnte sie so letztes Jahr einsparen.

Die allermeisten IV-Bezüger erhalten ihre Rente zurecht: Ein Ordner mit Unterlagen in der Wohnung einer IV-Bezügerin. (Archivbild)

Die allermeisten IV-Bezüger erhalten ihre Rente zurecht: Ein Ordner mit Unterlagen in der Wohnung einer IV-Bezügerin. (Archivbild) Bild: Keystone

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Die Invalidenversicherung (IV) ist 2011 in 320 Fällen betrügerischen IV-Bezügern auf die Schliche gekommen. In 30 Fällen wurde Strafanzeige erstattet. Seit gut vier Jahren betreiben alle IV-Stellen ein Betrugsbekämpfungs-Management.

Letztes Jahr leiteten sie 2520 Dossiers an ihre Spezialisten zur näheren Abklärung weiter. Hinzu kamen 1400 Fälle, die Ende 2010 noch nicht abgeschlossen waren, wie das Bundesamt für Sozialversicherung (BSV) am Dienstag mitteilte. 2250 der Dossiers konnten letztes Jahr abschliessend bearbeitet werden, 260 davon nach einer Observation. In 320 Fällen konnte ein Betrug nachgewiesen werden.

270 ganze Renten eingespart

Für die betroffenen IV-Bezüger hatte dies eine Herabsetzung oder Aufhebung der Rentenleistung respektive die Nichtzusprache einer Neurente zur Folge. Damit konnten insgesamt umgerechnet 270 ganze Renten eingespart werden.

Daraus resultiert eine hochgerechnete Gesamteinsparung der IV von rund 100 Millionen Franken. 2010 konnten so 80 Millionen Franken eingespart werden, im Jahr davor 66 Millionen. Berechnet werden die Einsparungen auf der Basis des durchschnittlichen Betrages einer ordentlichen IV-Rente und der Bezugsdauer bis zum Erreichen des AHV-Rentenalters.

Bekämpfung kostet 7,3 Millionen Franken

In 42 Fällen haben die IV-Stellen unrechtmässig bezogene Leistungen zurückgefordert. Nach Auskunft des BSV geht es hier um Fälle, in denen eine Rückzahlungsforderung Erfolg haben könnte. Gegen 30 Personen wurde Strafanzeige erstattet, weil sich Hinweise auf strafrechtlich relevantes Verhalten ergaben.

Die Kosten für die Betrugsbekämpfung beliefen sich letztes Jahr auf rund 7,3 Millionen Franken (6,8 Millionen Franken für Personal, 0,5 Millionen Franken für Observationen). 2010 betrugen die Kosten 7,15 Millionen Franken.

Erneut weniger IV-Renten

Wie das BSV weiter bekannt gab, hat die Zahl der gewichteten IV-Renten mit 238'800 gegenüber dem Vorjahr erneut abgenommen, und zwar um 1,4 Prozent. Bei der Gewichtung der Renten werden ganze Renten einmal gezählt, Dreiviertelsrenten 0,75-mal, halbe Renten 0,5-mal, Viertelsrenten 0,25-mal.

2006 war mit 257'500 gewichteten Renten ein Höchstbestand erreicht worden. Seitdem hat sich der Bestand um 18'700 Renten zurückgebildet.

Mehr Neurenten als 2010

2011 wurden ferner 500 gewichtete Neurenten mehr zugesprochen als 2010. Laut BSV ist dieser Zuwachs primär demographiebedingt. Die Bevölkerung zwischen 18 und 63/64 Jahren hat zugenommen, wodurch die Zahl der Neurenten leicht angestiegen ist. Der Anteil der Neurentner an der Gesamtzahl der IV-Versicherten in der Schweiz hingegen blieb mit 0,3 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr stabil.

Das Defizit der IV konnte von 1,7 Milliarden Franken im Jahr 2005 auf rund eine Milliarde im Jahr 2010 abgebaut werden. Mit der Zusatzfinanzierung über die Mehrwertsteuer wird das Defizit von 2011 bis 2017 durch erhöhte Einnahmen ausgeglichen. (rub/sda)

Erstellt: 22.05.2012, 16:36 Uhr

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